14.10.2011
Branche, Outsourcing
Von: Gabriele Lutz

Scan-to-Cloud

Hohe Scan-Volumina bewältigen

Interview mit Horst Schuon, Inhaber und Geschäftsführer der Gebrüder Schuon Logistik GmbH, über den Einsatz und Nutzen von Cloud Services in der Logistik


Horst Schuon, Inhaber und Geschäftsführer der Gebrüder Schuon Logistik GmbH

Den Service kontinuierlich verbessern sowie Kosten und Prozesse zu optimieren, ist für Schuon Logistik eine Selbstverständlichkeit. Cloud Computing, intelligente Kommissionierung mit Scan-to-Cloud und Kanban-Technologie heißen die Schlagworte bei einem aktuellen Projekt des Logistikdienstleisters.

ITM: Herr Schuon, Ihr Unternehmen gehört in Deutschland zu den ersten Anwendern, die auf Cloud Services auf Basis von Microsoft Windows Azure setzen. Warum Cloud Services?
Horst Schuon:
Die Logistik ist ein sehr saisonales und schwankendes Geschäft. Mit der Cloud bin ich deutlich flexibler.

ITM: Gibt es noch andere Vorteile?
Schuon:
Ja, die Kosten. Andernfalls muss ich mir ja die Hard- und Software anschaffen; in der Cloud brauche ich das nicht. Dort steht mir mehr Leistung relativ kurzfristig zur Verfügung. Und ich bezahle nur das, was ich in Anspruch nehme: Ich habe ein transaktionsbasiertes Kostenmodell.

ITM: In welchem Bereich nutzen Sie Cloud Services?
Schuon:
Für das Fulfillment, also für den ganzen Prozess der Auftragsabwicklung – von der Lagerung und Kommissionierung über den Transport bis zur Auslieferung. Den ersten Kunden haben wir bereits auf die Cloud umgestellt, alle weiteren kommen in den nächsten Monaten dazu.

ITM: Welche Lösung kommt bei Ihnen zum Einsatz?
Schuon:
Die „Intralogistik Cloud Services ix4“ von LogistikBroker. Wir haben schon vorher die Software im Lizenzmodell bezogen, jetzt steigen wir einfach auf die Cloud Services um.

ITM: Ihr Unternehmen beschreitet auch sonst neue Wege: Das Barcode-Lesegerät ist das klassische Arbeitsgerät vieler Logistikdienstleister. Sie hingegen nutzen für das Kommissionieren papierbasierte Kommissionierlisten, die Sie mit einem klassischen Dokumentenscanner wieder in den digitalen Prozess zurückführen. Wie funktioniert das?
Schuon:
Wenn in unserem Logistiksystem ein Auftrag angestoßen wird, generiert die Software automatisch eine Kommissionierliste. Darauf kleben verschiedene Barcodes, die alle Informationen enthalten, um den Auftrag auszuführen. Mit den Barcodes werden die einzelnen Aktionen des Workflows ausgelöst. Dazu muss der Kommissionierer nur den Barcode markieren oder abziehen und auf das Packstück kleben. Zum Schluss unterschreibt er die Kommissionierliste und scannt sie ein – in die Cloud. Die Logistiksoftware erzeugt einen Paketschein und der Kunde erhält automatisch eine Mail mit der Versandnummer. Wenn der ganze Auftrag abgewickelt ist, kommt der Vorgang ins Archiv.

ITM: Warum dieser Umweg über das Papier?
Schuon:
Es ist einfacher in der Handhabung, und wir benötigen weniger teure Hardware – sprich Barcode-Scanner. Wir arbeiten beim Kommissionieren mit Picklisten. Wenn ich steigende Auftragsvolumen habe, kann ich mit den Picklisten viel schneller einen neuen Mitarbeiter einarbeiten. Wir setzen den fi-6130-Dokumentenscanner von Fujitsu ein; der lässt sich einfach bedienen. Man muss nur das Dokument einlegen, den Knopf drücken und den Bestimmungsort auswählen. Außerdem spare ich mir im Lager eine WLAN-Infrastruktur.

ITM: Das ist für Sie auch günstiger? Können Sie das konkretisieren?
Schuon:
Ich gehe davon aus, dass im Vergleich zum Einsatz von Barcode-Scannern die Lösung mit Dokumentenscannern nur 25 Prozent der Kosten verursacht.

ITM: Auf diese Weise kommissionieren Sie täglich bis zu 4.000 Pakete. Das stellt ja gewisse Anforderungen an so einen Scanner...
Schuon:
Ja, zum einen muss er das hohe Scan-Volumen schaffen. Zum anderen muss auch die Lesegenauigkeit hochwertig sein, denn alles was wir einscannen, ist ja Barcode. Und je genauer er liest, desto besser können die Daten verarbeitet werden. Der Dokumentenscanner von Fujitsu hat sich bei uns bewährt. Eine kleine Maschine, die locker 3.000 Seiten, manchmal sogar 4.000 am Tag macht.

ITM: Cloud Computing ermöglicht Ihnen auch eine unternehmensübergreifende Zusammenarbeit, etwa mit Speditionen. Hier kombinieren Sie die Cloud- mit der Kanban-Technologie? Was ist Kanban?
Schuon:
Kanban ist ein in Japan entwickeltes System, mit dem man z.B. Logistikprozesse steuern kann. Bei der Auslieferung von Kühlschränken arbeiten wir mit der Spedition Stickel zusammen, welche die gleiche Logistiksoftware wie wir nutzt – ebenfalls als Cloud Service. Kanban-Karten setzen wir hier ein, um die einzelnen Schritte in der Transportkette abzubilden.

ITM: Wie sieht das konkret aus?
Schuon:
Das geht wieder mit unseren Kommissionierlisten und mit den Dokumentenscanner, mit denen auch die Spedition arbeitet. Wir versehen alle Kühlschränke mit einer Kanban-Karte. In der Spedition muss der Mitarbeiter lediglich die untere Hälfte der Karte abreißen, sie mit seiner Unterschrift versehen und einscannen – und schon ist die Transportkette unternehmensübergreifend abgebildet. Bei uns im Lager wird dann z.B. für ausgelieferte Waren automatisch Nachschub bereitgestellt.


Gebrüder Schuon Logistik GmbH

Branche: Logistikdienstleister, z.B. Auslieferung des letzten Harry-Potter-Bandes
Gründung: 1951
Unternehmenssitz: Haiterbach, Baden-Württemberg
Mitarbeiter: 75
www.schuon-logistik.de

Bildquelle: Gebrüder Schuon Logitsik

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