02.04.2012
Strategy
Von: Erol Gökcek/Edwin T. Fischer

Das Auto als Multimedia-Zentrale

Großes Autokino mit LTE

Wird das Auto mit LTE zur mobilen, vernetzten Multimedia-Zentrale, die ständig breitbandige Daten empfängt und sendet? Gut möglich – aber mit Sicherheit nicht von heute auf morgen.


Elektroauto reserviert Stromtankstelle: E-Mobilität wird für einen verstärkten mobilen Zugriff auf Fahrzeugdaten sorgen.

Groß sind die Erwartungen an LTE, den neuen Mobilfunkstandard der 4. Generation: Die Technik kann Filme, Webradio und Online-Gaming ins Auto bringen und das Fahrzeuginnere sozusagen in eine Mischung aus Wohn- und Kinderzimmer verwandeln. Ganz zu schweigen von Business-Anwendungen wie Videokonferenzen, mit deren Unterstützung sich eine Art mobiler Unternehmensleitstand einrichten ließe. Car-Office und Car-to-Car-Communication lauten die Schlagworte, und realisiert werden soll all das möglichst via Cloud Computing.

Doch gemach: Bis aus Autos rollende Hotspots werden, die sämtliche Anwendungen aus der Cloud beziehen, wird einige Zeit ins Land gehen. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn noch steht der LTE-Netzaufbau am Beginn und sind gemäß den Vorgaben der Regulierungsbehörde zunächst die Versorgungslücken in den ländlichen Gebieten Deutschlands zu schließen, in denen bis dato keine Infrastruktur für breitbandigen Internetzugang vorhanden war. Inzwischen verfügen auch erste Großstädte wie Köln und Düsseldorf über LTE-Netze. Längst nicht geklärt sind hingegen die Fragen nach der geeigneten IT-Infrastruktur für Fahrzeuge und belastbaren Geschäftsmodellen für die Anwendungen. Klar ist, dass Preise transparent sein müssen. Versteckte Kosten und Roaming-Gebühren werden Kunden kaum akzeptieren. Die Aufwendungen für Funktechnik und Antennen, die den Multimedia-Empfang im Auto erst ermöglichen, müssen sie ohnehin mittragen. Indessen zeigten die zweitägigen Testfahrten der Audi AG, die ein mit professionellen Messgeräten und Antennen ausgerüsteter Audi A8 W12L kürzlich im Kölner LTE-Netz der Telekom unternahm, dass LTE stabil und störungsfrei läuft – auch bei höheren Geschwindigkeiten. Angesichts der im Schnitt vier- bis fünfjährigen Entwicklungszyklen, die neue Automodelle durchlaufen, ist es für Autohersteller und Mobilfunker ein Gebot der praktischen Vernunft, bereits heute gemeinsame Überlegungen darüber anzustellen, welche breitbandigen Anwendungen in Autos künftig genutzt werden und welche Frequenzen und Technologien unterstützt werden sollen.

Bewährte Anwendungen weiterentwickeln

Aus Sicht eines Mobilfunknetzbetreibers ist es sinnvoll, dabei schrittweise vorzugehen und das Rad nicht neu zu erfinden. Denn unter den bestehenden Diensten, die zum größten Teil noch schmalbandig abgerufen werden, befinden sich bereits erfolgreich etablierte Geschäftsmodelle. So haben sich etwa bei Logistikdienstleistern und gewerblichen Flotten Telematik-lösungen bewährt, die Fahrer und Fahrtrouten monitoren und durch schnelles, drahtloses Auftragsmanagement eine höhere Termintreue erreichen.

Systeme zum Tracking & Tracing sowie Location-based Services sind auf hohe Kundenakzeptanz gestoßen und dürften auch als Breitbandangebote wachsende Verbreitung finden. Mobile Navigationssysteme haben ebenfalls ihren Praxistest bestanden und gezeigt, dass sie europaweit mit SIM-Karten funktionieren können. Schließlich bieten einige PKW-Hersteller bereits serienmäßigen Zugriff auf internetbasierte Mobilfunkdienste an. Die Fahrzeuglenker nutzen dafür in den meisten Fällen ihre eigenen SIM-Karten über einen Slot im Armaturenbrett oder über das mitgebrachte Smartphone.

Spätestens mit der europaweiten Einführung des Notrufsystems für Kraftfahrzeuge „eCall“ wird die SIM-Karte integraler Bestandteil von Fahrzeugen sein. Derzeit kommen noch meist gesteckte Standardkarten zum Einsatz. Grundsätzlich ist eine innerhalb eines Moduls fest verbaute bzw. verlötete SIM-Karte stabiler und haltbarer als die Steckversion. Autohersteller, die sie bereits nutzen, berichten über gute Erfahrungen mit der verlöteten Ausführung. Der auf diese Art im Wagen verbauten Karte kommt auch bei Mobilitätskonzepten wie Car2go eine gewichtige Rolle zu, wo sie zur Authentifizierung, Lokalisierung und Kilometerabrechnung mit der Firmenzentrale des Anbieters dient. Entsprechend großes Augenmerk müssen Autohersteller und Mobilfunkanbieter auf die Qualitätssicherung der SIM-Kartenmodule richten.

Die bereits schmalbandig bewährten Lösungen gilt es nun in breitbandiger und international verfügbarer Form für die kommenden Fahrzeugserien bereitzustellen. Wenn 2015 für rund 80 Prozent der deutschen Bevölkerung LTE verfügbar sein wird, wie das Beratungsunternehmen Booz & Company schätzt, sollte die hiesige Autoindustrie entsprechende Angebote in petto haben. Wenn Mobilfunkanbieter, Netzbetreiber, Endgerätehersteller und Automobilindustrie an einem Strang ziehen und einen gemeinsamen Entwicklungspfad auf Basis der bestehenden Dienste und Geschäftsmodelle gehen, steht einem weiteren Stück technologischer und automobiler Erfolgsgeschichte nichts im Wege.

Bildquelle: Deutsche Telekom


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