Mit den vorhandenen Lösungen werden Server virtualisiert sowie virtualisierte Desktops und Applikationen bereitgestellt, die auf ebenfalls virtualisierten Speicher zugreifen. Damit sollte doch eigentlich alles erledigt sein: Die Kosten für Hardwareanschaffungen und der Energieverbrauch wurden auf ein Mindestmaß reduziert und die Administration der virtuellen Maschinen gestaltet sich komfortabler als früher. Schließlich werden Lasten automatisch verteilt, können Systeme im laufenden Betrieb migriert werden und Hochverfügbarkeit ist ohnehin kein Thema mehr. Doch ist die schöne virtualisierte Welt wirklich schon so perfekt, oder gibt es nicht doch noch den einen oder anderen Ansatz, um Bestehendes zu verbessern?
IT-MITTELSTAND sprach mit Christian Botta, Projektleiter bei der Consol Software GmbH, und Lothar Papenberg, Geschäftsführer der MysoftIT GmbH, die auch aus der schönsten Lösung noch mehr herausholen können.
ITM: Welche Probleme kennen Anwender, die mit virtualisierten Umgebungen arbeiten?
Christian Botta (siehe Foto rechts): Rapid Provisioning, Cloning und Template-Konzepte sind Komponenten von Standardsoftware im Bereich Virtualisierung, mittels derer virtuelle Instanzen quasi per Knopfdruck erzeugt werden. Aufgrund der deutlich reduzierten Kosten und dem nicht benötigten räumlichen Platz im Rechenzentrum sinkt bei den Anwendern die Hemmschwelle, davon Gebrauch zu machen und einen neuen Server, etwa als Testmaschine, anzufordern. In der Folge entsteht eine Flut virtueller Maschinen in der virtuellen Infrastruktur, die sich nur schwer bändigen lässt. Der Wildwuchs macht es immer schwieriger, verlässliche Aussagen darüber zu treffen, welche Maschinen noch benötigt werden und wer sie innerhalb einer Organisation zu verantworten hat.
Technisch gesehen verbrauchen nicht mehr benötigte virtuelle Maschinen unnötigerweise Systemressourcen (CPU/Speicher). So werden Datensicherungen immer umfangreicher und der Plattenplatz geht immer schneller zur Neige. Auch die Explosion von Lizenzkosten bei Gastsystemen mit Windows stellt eine Problematik dar, die durch den unkontrollierten Wildwuchs virtueller Systeme entsteht.
Lothar Papenberg: Trotz der Vorteile, die Virtualisierung mit sich bringt, stehen Anwender virtualisierter Serverlandschaften vor nicht unerheblichen Problemen in den Bereichen Automatisierung, Management sowie Backup und Disaster Recovery. Hier stellen sich etwa die Fragen, was bei Ausfall eines physischen Servers mit den virtuellen Maschinen passiert und wie sich Daten und Applikationen nach einem Unglücksfall schnellstmöglich wiederherstellen lassen. Ebenfalls gilt zu klären, wie Prozesse in bestehende Lösungen der RZ-Infrastruktur integriert werden können oder wie sich die neue IT-Infrastruktur produktiv und effizient administrieren lässt.
Vor allem die Bereiche Management und Disaster Recovery erweisen sich im täglichen Geschäft als die größten Herausforderungen der Servervirtualisierung. Seit 2002 unterstützen wir daher zahlreiche Kunden beim Management ihrer virtuellen Infrastruktur wie etwa den Profilhersteller Veka AG.
ITM: Was hilft Unternehmen bei den genannten Problemen?
Botta: Da bei virtuellen Servern die gleichen Dokumentationsstandards wie bei physikalischen gelten sollten, müssen virtuelle Systeme bei ihrer Erstellung in einem Asset Management System direkt erfasst werden. Zudem lassen sich im System jedem Server organisatorische Einheiten und spezielle Konfigurationen zuordnen. Umfangreiche Reportingfunktionen ermöglichen detaillierte Analysen der Infrastruktur. Um eine integrierte, zentrale Sichtweise auf die gesamte virtuelle Infrastruktur zu erhalten, empfehlen sich auch zusätzliche Tools. Eine Applikation für das Monitoring, mit der die Aktivität einer virtuellen Maschine überwacht werden kann, oder eine Capacity-Planungssoftware ergänzen die Asset-Management-Gesamtlösung.