ITM: Wie können sich IT-Verantwortliche im Mittelstand am besten einen Überblick über den Energieverbrauch der vorhandenen ITK-Landschaft verschaffen?
Jürgen Arnold: Herstellerangaben bezüglich des Energieverbrauchs sind trügerisch, weil sie sich meist auf „Peak Power Requirements“, also den Stromverbrauch bei maximaler Auslastung, beziehen. Besser ist, wenn sich Anwender an unabhängigen und vergleichbaren Klassifizierungen orientieren. Die SNIA zeigt mit ihrer Green Storage Taxonomy, wie so etwas aussehen kann: Sie vergleicht im Storage-Bereich Lösungen in bestimmten Applikationsumgebungen und Betriebszuständen und kategorisiert sie gemäß ihrer Ressourcenfreundlichkeit.
ITM: Welche Maßnahmen sind – über Konsolidierung und Virtualisierung hinaus – vor allem dazu geeignet, die ITK-Energiebilanz eines Unternehmens zu verbessern?
Jürgen Arnold: Konsolidierung und Virtualisierung zeigen im Storage-Bereich, wie technische Entwicklungen für schlanke Infrastrukturen und niedrigere Kosten sorgen. Der Gedanke dahinter ist, in Zeiten massiv wachsender Datenspeicher und Energiekosten, mit dem gleichen Aufwand mehr zu erreichen. Darüber hinaus sollten IT-Ressourcen anforderungsgerecht verteilt sein. Ist beispielsweise die Infrastruktur durch schlechte Planung überdimensioniert, so ist dies schlicht Verschwendung.
ITM: Was sind die wichtigsten Schritte, um den Erfolg der eingeleiteten energiesparenden Maßnahmen dann auch tatsächlich zu garantieren?
Jürgen Arnold: Technologien können kein Allheilmittel sein: Unternehmen müssen allgemeine Regelwerke unter dem Gesichtspunkt des Energiesparens erstellen und ihren Mitarbeitern kommunizieren. Andernfalls werden sie ihrem Ressourcenverbrauch niemals Herr. Effiziente IT, energiesparende Policies und sensibilisierte Mitarbeiter gehören zusammen.
ITM: Wo können sich mittelständische Unternehmen, die ihre Energieeffizienz erhöhen wollen, Hilfestellung holen (z.B. EU Code of Conduct for Data Centres)?
Jürgen Arnold: Der von der europäischen Union mitgetragene EU Code of Conduct for Data Centres ist ein wichtiger Leitfaden zur Rechenzentrumseffizienz, weil er Best-Practices-Ansätze bemüht. Das heißt, seine 117 Empfehlungen rund um Leistungsfähigkeit, Kapazität, Verfügbarkeit oder Sicherheit von Datenspeichern entstammen der Praxis und senken erwiesenermaßen den Energieverbrauch. Es ist ein anwenderfreundliches Modell, das in der Summe beachtliche Einsparungen garantiert.
ITM: Was halten Sie davon, allgemeingültige Umweltsiegel – die es z.B. mit dem EnergyStar oder dem Blauen Engel ja bereits gibt – auch für Unternehmens-Hardware wie Server, Speichersysteme oder Netzwerkkomponenten einzuführen? Inwieweit gibt es hier bereits Bemühungen seitens der Hersteller?
Jürgen Arnold: Die SNIA Europe unterstützt jegliche Bemühungen, klare Standards in Bezug auf energieeffiziente IT-Lösungen zu schaffen. Je weiter verbreitet und gemeinhin akzeptiert, desto besser. Deshalb arbeitet die SNIA beispielsweise über ihren amerikanischen Arm und ihre Green Storage Initiative mit der Environmental Protection Agency zusammen und sorgt dafür, dass künftige EnergyStar-Spezifikationen mit der technischen Entwicklung Schritt halten und maximale Effizienz bieten – die in der SNIA organisierten Hersteller unterstützen dies.