ITM: Wie können sich IT-Verantwortliche im Mittelstand am besten einen Überblick über den Energieverbrauch der vorhandenen ITK-Landschaft verschaffen?
Frank Donat: Bei vielen Kunden wird der Energieverbrauch des Rechenzentrums immer noch über die Fläche berechnet, Verbrauchsmessungen finden oft nur in Teilbereichen statt. Wichtig ist es, neben dem Verbrauch aller ITK-Geräte auch den Verbrauch der Gebäudetechnik – also Klimatisierung und Stromversorgung – zu messen.
Einige Verbrauchswerte können die eingesetzten Geräte liefern, andere müssen mit zusätzlichen Messpunkten erfasst werden. HP bietet dazu neben intelligenten Stromverteilerleisten eine eigene kostengünstige und herstellerunabhängige Lösung an, mit der die gesamte Energiebilanz des Rechenzentrums und der ITK ermittelt und sogar grafisch dargestellt werden kann.
ITM: Welche Maßnahmen sind – über Konsolidierung und Virtualisierung hinaus – vor allem dazu geeignet, die ITK-Energiebilanz eines Unternehmens zu verbessern?
Frank Donat: Durch Standardisierung von Applikationen lässt sich die Energiebilanz auch bei bereits durchgeführten Maßnahmen – wie zum Beispiel der Konsolidierung und Virtualisierung von Servern – weiter verbessern. Ein verbesserter Nutzungsgrad der Server führt aber erst dann zu Energieeinsparungen, wenn unbenutztes ITK-Equipment gezielt ausgeschaltet und abgebaut wird.
Weiter steigern lässt sich die Energieeffizienz, wenn Server neuester Generation mit energieeffizienten Komponenten eingesetzt werden und die jeweils vorhandenen Möglichkeiten zur Energieeinsparung der Server, wie zum Beispiel Power-Capping, genutzt werden. Ganz wichtig ist es, die ITK-Infrastruktur ganz bewusst auszuwählen, um möglichst keine Überprovisionierung zu betreiben.
ITM: Was sind die wichtigsten Schritte, um den Erfolg der eingeleiteten energiesparenden Maßnahmen dann auch tatsächlich zu garantieren?
Frank Donat: Idealerweise kann der Erfolg mit Hilfe von kontinuierlichen Energiemessungen nachgewiesen werden. Auf jeden Fall muss beachtet werden, dass ein Energiespar-Projekt nie abgeschlossen ist. Deshalb ist es wichtig, dass die oben beschriebenen Maßnahmen diszipliniert und dauerhaft durchgeführt werden. Das geht dann stark in Richtung eines Management-Systems zur Reduzierung des Energieverbrauchs, wie es in der Norm DIN EN 16001 beschrieben ist.
ITM: Was halten Sie davon, allgemeingültige Umweltsiegel – die es z.B. mit dem EnergyStar oder dem Blauen Engel ja bereits gibt – auch für Unternehmens-Hardware wie Server, Speichersysteme oder Netzwerkkomponenten einzuführen? Inwieweit gibt es hier bereits Bemühungen seitens der Hersteller?
Frank Donat: HP unterstützt internationale Bestrebungen zu standardisierten und akzeptierten Umweltsiegeln. Das zeigt sich unter anderem darin, dass HP der erste Hersteller war, der im Jahr 2009 bereits Server nach dem neuen EnergyStar für Computer Server 1.0 zertifizieren ließ. Das sind die beiden Server HP ProLiant DL360 und DL380. Darüber hinaus beteiligt sich HP aktiv an der Definition des kommenden EnergyStar für Speichersysteme.