ITM: Welche Rolle spielen Energieeffizienz und Umweltschutz für Ihre IT-Strategie?
Edgar Strommer: Nachhaltigkeit und Energieeffizienz standen beim Bau des neuen Leitz-Rechenzentrums in Oberkochen im Mittelpunkt. Neben den ökologischen Gründen gab es natürlich auch wirtschaftliche Gesichtspunkte: Wenn bis zu 50 Prozent des gesamten Energieverbrauchs ihres RZs auf die IT-Infrastruktur entfallen, ist Energieeffizienz auch Teil vernünftigen unternehmerischen Handelns.
ITM: Wie haben Sie sich einen umfassenden Überblick über die in Ihrer ITK-Landschaft anfallenden Energiekosten verschafft?
Edgar Strommer: Rittal hat im Rechenzentrum von Leitz Messungen angestellt und ein halbes Jahr lang Daten gesammelt – 15 relevante Messwerte alle 30 Sekunden. Dazu gehörten unter anderem detaillierte Informationen zur Kühlung des Serverraums. Auf Basis der gesammelten Daten wurde das Rechenzentrum geplant und umgesetzt.
ITM: Welche Bereiche bzw. Komponenten erwiesen sich dabei als die größten Energiefresser?
Edgar Strommer: Die Kühlung der Server war der größte Energieverbraucher und dazu noch ineffizient. Wie viele Unternehmen hatten wir unser Rechenzentrum pauschal über die Raumklimatisierung heruntergekühlt – unabhängig von der tatsächlichen Last der Server.
ITM: Mit welchen Maßnahmen haben Sie den Energieverbrauch gesenkt? Wie viel konnten Sie dabei konkret einsparen?
Edgar Strommer: Gemeinsam mit Rittal hat Leitz die Server intelligent mit der Klimatisierung vernetzt. Das System misst die Abwärme der Server und passt die Kühlleistung dynamisch an. Außerdem haben wir die Kältezufuhr und -erzeugung komplett umgestellt: Flüssigkeitsbasierte Kühlsysteme, sogenannte Liquid Cooling Packages, sind direkt an die Racks angereiht. Das benötigte Kaltwasser stammt aus einer freien Kühlung, mit der wir bis zu einer Außentemperatur von 20,5 Grad Celsius autark arbeiten können. Über das gesamte System hinweg konnten wir die Energiekosten der Klimatisierung mehr als halbieren.
ITM: Können Sie uns die wichtigsten Eckpunkte des Projekts nennen?
Edgar Strommer: Das Projekt lief von der Planung bis zur Inbetriebnahme rund anderthalb Jahre. Dabei haben wir eng mit Rittal zusammengearbeitet, um die optimale Lösung für unser Unternehmen zu finden. Die Investitionen in die Anlagen rechnen sich schnell: Die Ausgaben für die vergrößerte freie Kühlung beispielsweise amortisieren sich nach zwei Jahren. Bei Investitionen, die auf eine Laufzeit von zehn oder mehr Jahren geplant sind, ist das ein guter Wert.