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Dr. Bernd Kosch, Fujitsu

 

Kurzinterview mit Dr. Bernd Kosch, Head of Environmental Technology bei Fujitsu Technology Solutions

Dr. Bernd Kosch

Dr. Bernd Kosch, Head of Environmental Technology, Fujitsu Technology Solutions

ITM: Wie können sich IT-Verantwortliche im Mittelstand am besten einen
Überblick über den Energieverbrauch der vorhandenen ITK-Landschaft
verschaffen?
Dr. Bernd Kosch:
Nach wie vor rechnet kaum ein Unternehmen den Energieverbrauch seiner IT-Infrastruktur separat ab. Oft wissen die Verantwortlichen nicht einmal, aus welchen Komponenten sich ihr durch IT verursachter Stromverbrauch zusammensetzt, geschweige denn, was beispielsweise der einzelne Server an Strom konsumiert. Eindeutige Aussagen, die als Handlungsbasis für ein Energiesparprogramm dienen könnten, sind quasi nicht verfügbar. IT-Dienstleister bieten deshalb zunehmend Analyse-und Assessment-Tools für eine Bestandsaufnahme, umfassende Beratung hinsichtlich der Optimierung der Energie-Effizienz der IT und die Entwicklung von Aktionsplänen oder Roadmaps an.

ITM: Welche Maßnahmen sind ­ über Konsolidierung und Virtualisierung hinaus – vor allem dazu geeignet, die ITK-Energiebilanz eines Unternehmens zu verbessern?
Dr. Bernd Kosch:
Neben der gezielt hohen Auslastung der Infrastruktur ist natürlich der Energieverbrauch der Einzelkomponenten zu berücksichtigen. Im Server-Umfeld liegt mit der neuen Klassifizierung „Energy Star für Server“ seit Juni 2009 ein stringentes Bewertungskriterium für Energie-Effizienz vor, im Client-Bereich ist mit der neuen Version 5 des Energy Star ein erheblich anspruchsvolleres Kriterium entstanden, das die bisherige technisch völlig veraltete Version 4 abgelöst hat. Im Rechenzentrumsumfeld spielt die optimale Kühlung, die über unterschiedliche Maßnahmen erreicht wird, eine große Rolle. Je weniger gekühlt werden muss, umso mehr Strom wird eingespart. Und natürlich helfen IT-Bereitstellungsmodelle wie Infrastructure as a Service, bei denen Unternehmen IT-Services über das Internet nach Bedarf einkaufen. So muss das Unternehmen keine aufwendige Infrastruktur selbst vorhalten und permanent unter Strom stellen.

ITM: Wo können sich mittelständische Unternehmen, die ihre Energieeffizienz erhöhen wollen, Hilfestellung holen
Dr. Bernd Kosch:
Green IT ist auch in der Politik ein stark diskutiertes Thema. Beim dritten internationalen IT-Gipfel des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie wurde 2008 ein Green IT-Aktionsplan vorgestellt, der allen Unternehmen Hilfestellung bietet und über gesetzliche Fördermaßnahmen aufklärt. Da uns vor allem im KMU-Umfeld noch Defizite in Sachen Aufklärung zum Thema Green IT bekannt sind, setzen wir uns bei Fujitsu auch gemeinsam mit dem Bitkom für mehr Aufklärung und Wissensvermittlung ein.

ITM: Ein Blick in die Zukunft: Müssen die Unternehmen hierzulande künftig mit gesetzlichen Vorgaben hinsichtlich Energiebilanz oder CO2-Ausstoß rechnen?
Dr. Bernd Kosch:
Gesetzliche Vorgaben bestehen bereits und der Druck auf die KMU wird seitens der Gesetzgebung sicher weiter steigen; in den Lieferketten der Großkonzerne werden in Zukunft ähnlich wie bei der Qualitätsnormierung ISO 9000 Nachhaltigkeitsnachweise verlangt. Fragestellungen wie: Ist die Herstellung von Produkten sauber, sind die Lieferketten „grün“, entsprechen die Produktion und die IT den heutigen Ansprüchen im Sinne von Nachhaltigkeit – sind dann keine Seltenheit mehr.

ITM: Was halten Sie davon, allgemeingültige Umweltsiegel ­ die es z.B. mit dem EnergyStar oder dem Blauen Engel ja bereits gibt – auch für Unternehmens-Hardware wie Server, Speichersysteme oder Netzwerkkomponenten einzuführen? Inwieweit gibt es hier bereits Bemühungen seitens der Hersteller?
Dr. Bernd Kosch:
Im Interesse des Kunden und angesichts unserer Verantwortung für die Umwelt begrüßen wir diese Idee. Fujitsu selbst hat bereits im März dieses Jahres das vor einem Jahr vorgestellte Green IT-Label auch auf seine Server-Linie ausgeweitet. Seit August kennzeichnen wir auch unsere Speicherlösungen entsprechend. Unser Green IT-Label gibt Kunden einen Überblick über Umweltverträglichkeit und Energieeffizienz der Produkte und geht über die gesetzlichen Anforderungen hinaus. Leider ist der Definitions- und Erneuerungsprozess allgemeiner Umweltzeichen, die wir aktiv unterstützen, sehr langsam. Wir hoffen, daher, dass unser eigenes Zeichen die Transparenz für Kunden deutlich verbessert.


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