ITM: Wie können sich IT-Verantwortliche im Mittelstand am besten einen Überblick über den Energieverbrauch der vorhandenen ITK-Landschaft verschaffen?
Clemens von Braunmühl: Einen guten Überblick erhält man nur durch möglichst umfassende Dokumentation des Energieverbrauchs. Es ist wichtig, nicht nur den Gesamtverbrauch zu kennen sondern die einzelnen Verursacher möglichst exakt zu identifizieren.
ITM: Welche Maßnahmen sind über Konsolidierung und Virtualisierung hinaus vor allem dazu geeignet, die ITK-Energiebilanz eines Unternehmens zu verbessern?
Clemens von Braunmühl: Im Rechenzentrum ist neben Konsolidierung und Virtualisierung vor allem das Temperaturmanagement von Bedeutung. Es ist jedoch wichtig, auch die Mitarbeiter-Arbeitsplätze zu berücksichtigen: moderne Bildschirme mit nur zwei Backlights sparen bis zu 30 Prozent Energie, mit W-LED-Technologie sogar bis zu 50 Prozent.
ITM: Was sind die wichtigsten Schritte, um den Erfolg der eingeleiteten energiesparenden Maßnahmen dann auch tatsächlich zu garantieren?
Clemens von Braunmühl: Zum Einen hilft die Dokumentation: es muss sichtbar gemacht werden, dass und in welchem Umfang die getroffenen Maßnahmen greifen. Zum Anderen empfiehlt es sich, die Stromkosten auf die verursachenden Kostenstellen zu schlüsseln. Dadurch entsteht in jeder Kostenstelle das Bestreben, diese Kosten so gering wie möglich zu halten. Eine interne Grüne-IT-Richtlinie kann den Verantwortlichen wertvolle Unterstützung geben.
ITM: Wo können sich mittelständische Unternehmen, die ihre Energieeffizienz erhöhen wollen, Hilfestellung holen (z.B. EU Code of Conduct for Data Centres)?
Clemens von Braunmühl: Verbände wie Bitkom und die Deutsche Energieagentur (dena) oder auch der TÜV geben Hilfestellungen. Wichtig ist es jedoch, die eigenen Mitarbeiter zu involvieren. Ein Anreizsystem für Einsparungen kann enorme Potenziale aufzeigen.
Ein Blick in die Zukunft: Müssen die Unternehmen hierzulande künftig mit gesetzlichen Vorgaben hinsichtlich Energiebilanz oder CO2-Ausstoß rechnen?
Clemens von Braunmühl: Der Gesetzgeber wird sowohl Hersteller als auch Anwender von IT-Equipment zunehmend in die Pflicht nehmen. Allerdings werden die Unternehmen angesichts kontinuierlich steigender Energiepreise auch ein starkes Eigeninteresse an höherer Energieeffizienz entwickeln.
ITM: Was halten Sie davon, allgemeingültige Umweltsiegel die es z.B. mit dem EnergyStar oder dem Blauen Engel ja bereits gibt allumfassend für Unternehmens-Hardware wie Server, Speichersysteme oder Netzwerkkomponenten einzuführen? Inwieweit gibt es hier bereits Bemühungen seitens der Hersteller?
Clemens von Braunmühl: Unabhängige Umwelt- und Gütesiegel sind wertvolle Entscheidungshilfen für den Kunden. NEC Display Solutions hat sich zum Ziel gesetzt, die erforderlichen Kriterien nicht nur zu erreichen sondern sogar zu übertreffen. Anfang Oktober 2009 haben wir als weltweit erstes Unternehmen die neu eingeführte TCO-Zertifizierung für Projektoren für zwei unserer Modelle erhalten.