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Der bange Blick auf den Stromzähler

Von: Ina Schlücker

Was müssen mittelständische Unternehmen tun, um die Energieeffizienz ihres IT-Betriebs zu erhöhen und damit die Energiekosten deutlich zu senken? IT-MITTELSTAND zeigt praktikable Vorgehensweisen auf.

Zunächst einmal sollten Unternehmen den tatsächlichen Energieverbrauch ihrer IT ermitteln. Das hört sich einfacher an, als es ist. Denn hinsichtlich einer eindeutigen Zuordnung der Energiekosten, tun sich viele IT-Verantwortliche schwer. „Bei vielen Kunden wird der Energieverbrauch des Rechenzentrums immer noch über die Fläche berechnet, Verbrauchsmessungen finden oft nur in Teilbereichen statt“, berichtet Frank Donat, Manager Critical Facilities Services bei HP. Dabei sei es enorm wichtig, nicht nur den Gesamtverbrauch umfassend zu dokumentieren, sondern auch die einzelnen Verursacher möglichst exakt zu identifizieren, ergänzt Clemens von Braunmühl, Produktmanager bei NEC Display Solutions.

Generell gilt es, nicht nur aktive Komponenten, Endgeräte und Server, sondern auch die benötigte Klimatisierung und Stromversorgung in die Messung mit einzubeziehen. „Sie tragen zwar nicht unmittelbar zum Energieverbrauch der ITK-Landschaft bei, müssen jedoch als mittelbare Verbraucher angesehen werden“, weiß Jürgen Kirchmann, Regional Director DACH bei Extreme Networks.
Bei ihren Berechnungen sollten sich Mittelständler zudem nicht auf die Herstellerangaben bezüglich des Energieverbrauchs verlassen, da diese sich zumeist auf „Peak Power Requirements“, also den Stromverbrauch bei maximaler Auslastung, beziehen. „Besser ist es, wenn sich Anwender an unabhängigen und vergleichbaren Klassifizierungen orientieren“, betont Jürgen Arnold, Chairman der Herstellervereinigung SNIA Europe. Mit ihrer Green Storage Taxonomy zeigt die SNIA, wie so etwas aussehen kann: Sie vergleicht Speicherlösungen in bestimmten Applikationsumgebungen und Betriebszuständen und kategorisiert sie gemäß ihrer Ressourcenfreundlichkeit.

Energiesparen leicht gemacht


Neben den beliebten Maßnahmen in Sachen grüne IT – nämlich Konsolidierung und Virtualisierung – gibt es weitere probate Mittel, den Energieverbrauch im Unternehmen deutlich zu senken. Jürgen Kirchmann von Extreme Networks führt die sogenannte UniversalPort-Technologie an. Diese könne u.a. IP-Telefone und andere PoE-Geräte (Power over Ethernet) automatisch abschalten, beispielsweise außerhalb der üblichen Bürozeiten. „In einer reinen Büroumgebung mit einer Arbeitszeit von 40 Stunden pro Woche können Unternehmen damit eine Einsparung von 75 Prozent der Energiekosten ihrer IP-Telefone erzielen“, ist sich Kirchmann sicher. Einen weiteren Tipp hat NEC-Manager Clemens von Braunmühl auf Lager: „An den PC-Arbeitsplätzen sparen moderne Bildschirme mit nur zwei Backlights bis zu 30 Prozent Energie, mit W-LED-Technologie (White Light Emitting Diode) sogar bis zu 50 Prozent.“

Für Silke Böhling, Leiterin Produktmanagement bei Konica Minolta, birgt vor allem die Output-Infrastruktur noch viele Möglichkeiten zur Senkung der Energiekosten. Wichtig für die Optimierung sei dabei die Kenntnis des Energieverbrauchs einzelner Druck- und Kopiersysteme, da die Systeme im Gegensatz zu z.B. Displays oder PCs eher schwankende Einsatzzeiten unter Vollbelastung aufweisen. Eine ganzheitliche Analyse der Auslastung der vorhandenen Systeme verschafft den Verantwortlichen einen guten Überblick. „Unterstützung erhalten sie dabei von Softwaretools zur Dokumentation und Erfassung von z.B. Druckzeiten oder dem Druckvolumen einzelner Systeme im Unternehmen“, sagt Silke Böhling.

Nicht zuletzt gibt Jürgen Arnold zu bedenken, dass Technologien generell kein Allheilmittel sind. „Unternehmen müssen unter dem Gesichtspunkt des Energiesparens allgemeine Regelwerke erstellen und ihren Mitarbeitern kommunizieren. Andernfalls werden sie ihrem Ressourcenverbrauch niemals Herr“, so der SNIA-Chairman. Erst das Zusammenspiel zwischen effizienter IT, energiesparenden Policies und sensibilisierten Mitarbeitern garantiere den Erfolg. Und laut HP-Manager Frank Donat sollten Anwender auf jeden Fall beachten, dass ein Energiesparprojekt nie abgeschlossen ist. Deshalb sei es wichtig, dass Maßnahmen diszipliniert und dauerhaft durchgeführt werden. „Das geht dann stark in Richtung eines Managementsystems zur Reduzierung des Energieverbrauchs, wie es in der Norm DIN EN 16001 beschrieben ist“, so Donat. Besitzen mittelständische Unternehmen weder das entsprechende Know-how noch die zeitlichen Ressourcen für ein umfangreiches Energiesparprojekt, lohnt es sich nach Hilfe Ausschau zu halten. „Da viele Messungen recht komplex und zeitaufwendig sind und von den Servern bis hin zur Stromverteilung unterschiedlichste Gewerke einschließen, empfiehlt sich der Einsatz eines externen Beraters“, rät Helmut Binder, Geschäftsbereichsleiter Vertrieb International bei Rittal.

Fördermittel vom Staat

Ein Spezialist in diesem Bereich ist neben Rittal, IBM oder HP auch die niederländische Mansystems. „Bei unseren Vor-Ort-Begehungen in Rechenzentren beobachten wir, dass schon relativ einfache Maßnahmen große Wirkung in Sachen Energieeffizienz erzielen können. So lassen sich die Kühlkosten durch die Erhöhung der Raumtemperatur um durchschnittlich drei Prozent pro Grad senken“, berichtet Dirk Harryvan, CIO bei Mansystems, aus der Praxis. Doch nicht nur klassische Dienstleister gehen Mittelständlern zur Hand. „Es gibt neben den IT-Anbietern auch spezialisierte Ingenieurbüros und Analystenhäuser sowie auch Zertifizierungsstellen, die Hilfestellung geben. Eine erste Anlaufstelle kann auch der Bitkom sein“, betont Hans-Jürgen Rehm, Pressesprecher bei IBM Deutschland.


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