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Zulieferindustrie: Die Beschaffung im Griff

Von: Dr. Alexander Pschera

Mit dem so genannten Vendor Managed Inventory (VMI) ändert sich das Verhältnis zwischen Lieferanten und Kunden: Statt auf einen Lieferabruf zu reagieren, übernehmen die Lieferanten die Verantwortung für das Management des Lagers ihrer Kunden.

Die aus Japan stammende Kanban-Methode, Lieferprozesse innerhalb der Fabrik so zu organisieren, dass der Abstimmungs- und Dispositionsaufwand minimiert und der Materialfluss optimiert wird, gehört heute zu den Klassikern der Betriebswirtschaftslehre. Eine wesentliche Weiterentwicklung erfuhr der Ansatz bei der Anwendung auf unternehmensübergreifende Beschaffungsprozesse. Dabei entwickelten sich unter Einsatz des Internets verschiedene Ausprägungen der so genannten Pull-Prozesse, etwa die Vendor Managed Inventory (VMI). Dabei vereinbaren Kunde und Lieferant zunächst für jeden Artikel maximale und minimale Lagerbestände. Auf Basis dieser Daten disponiert der Lieferant das Lager des Kunden selbständig.

Von der Kanban-Tafel zum E-Business

Das Verfahren wird heute unterstützt von IT-Systemen, etwa der Inventory Collaboration-Lösung (IC) des E-Business-Anbieters SupplyOn. Unter Einsatz der Lösung werden die Lagerbestandsdaten und Bedarfe automatisch an den Lieferanten übermittelt, der damit das Lager seines Kunden selbständig unter Berücksichtigung von Minimal- und Maximalbeständen auffüllt. Für Nachschub ist gesorgt, ohne dass ein Lieferabruf geschickt werden muss. Die aktuellen Lagerbestände werden auf einem Inventory Monitor angezeigt, so dass die Disponenten des Kunden und des Lieferanten stets auf dem gleichen Informationsstand sind.
Die Lösung ermöglicht die Visualisierung von Bedarfen, Reichweiten und Versorgungsengpässen und löst automatische Alarmbenachrichtigungen bei kritischen Vorgängen und Veränderungen aus. Funktionalitäten wie Simulationen oder Ampelfunktionen sollen dabei ein transparentes und effizientes Lagermanagement unterstützen.
Durch die automatisierte Form der Beschaffung lässt sich der Abstimmungs- und Dispositionsaufwand  reduzieren. „Für uns liegt ein Vorteil darin, dass wir nun höhere Stückzahlen liefern können und dadurch die Lieferungsfrequenz deutlich reduzieren können“, sagt Ursula Grässle, stellvertretende Geschäftsführerin des Friedrichshafener Unternehmens Grässle GmbH. Das Familienunternehmen beliefert seit über dreißig Jahren die Automobilindustrie mit mechanischen Bauteilen und gehörte zu den Pilotanwendern der Inventory Collaboration-Lösung.  
Ein weiterer Vorteil der VMI-Prozesse ist die Optimierung der Lagerlogistik, die sich aus der Kombination mit dem Konzept des Konsignationslagers ergibt. Dabei handelt es sich um das Lager des Lieferanten, das sich beim Kunden befindet. Die Ware verbleibt bis zur Entnahme im Eigentum des Lieferanten. Der Ansatz erweist sich gerade für mittelständische Lieferanten als vorteilhaft: „Die von uns produzierten Serien sind von den einzelnen Bestellmengen weitgehend unabhängig. Deshalb mussten wir die Teile vorher in unserem Lager vorrätig halten“, sagt Grässle. „Nun können wir die Kosten der Lagerhaltung sparen“. 


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