Ein deutscher Mittelständler ist da präsent, wo seine Märkte sind. Mit diesem Ziel treibt Wittenstein seit 20 Jahren die eigene Globalisierung voran. Elf Auslandstöchter hat die Gruppe mittlerweile. Selbst in China befinden sich heute zwei Vertriebsbüros. Zwei Drittel der Produktion gehen in den Export. Wenn Internationalität, Wachstum und Innovation Tempo machen, müssen IT und Telekommunikation Schritt halten. Genau das war bis Ende 2006 im Unternehmen eine Hürde: Telefonanlage, Netzwerk, Mobilfunk und Datensicherheit stießen an Leistungsgrenzen. Da half nur ein völlig neues ITK-Konzept. Innerhalb von zwei Jahren gelang es Wittenstein, seine Kommunikationsstruktur komplett zu modernisieren und seine Standorte zu vernetzen. Im Gespräch mit IT-MITTELSTAND beschreiben Klaus Spitzley (siehe Foto, rechts), Mitglied des Vorstands der Wittenstein AG, Dr. Erwin Schuster (siehe Foto, ganz rechts), Leiter IT, und Steffen Grünewald, Projektmanager, wie die Vorteile der neuen Lösung aussehen.
ITM: Herr Spitzley, was ist die Philosophie von Wittenstein?
Klaus Spitzley: Unsere Leitidee heißt „Fast Track“: Wir wollen unsere Kunden auf die Überholspur setzen. Mit intelligenten Komponenten auf dem Gebiet mechatronischer Antriebssysteme. Für uns kommt es darauf an, die globale Entwicklung jederzeit kritisch und ganzheitlich zu hinterfragen. Im Mittelpunkt steht dabei der besondere Kundennutzen. Den müssen wir frühzeitig erkennen und danach handeln.
ITM: Wie sind Sie am Markt positioniert?
Spitzley: Wir sind gut aufgestellt. Wir bieten ein spannendes Lösungsportfolio an - in der Antriebstechnik und weit darüber hinaus z. B.: in Medizin, Luft- und Raumfahrt, Rennsport und Erdölförderung. Aktuell arbeiten wir auch am Megatrend Elektromobilität. Davon war einiges auf der Hannover-Messe im April zu sehen. Die Wittenstein AG hat dort erstmals einen kompletten elektrischen Antriebsstrang vorgestellt, der es an Leistung gut mit der Formel 1 aufnehmen kann.
ITM: Dort, auf der Hannover Messe, stellten Sie 1983 auch die ersten eigenen spielarmen Planetengetriebe vor.
Spitzley: Richtig. Heute sind wir viel weiter. Wir bauen z.B. den kleinsten Servomotor der Welt. Unsere Produkte sind nicht mehr nur einzelne Getriebe, sondern intelligente Komplettlösungen mit Steuerung, Elektronik und Sensortechnik. Heute sind wir Systemanbieter.
ITM: Wer sind Ihre Marktpartner?
Spitzley: Unsere Kunden sind Global Player, wie Siemens, Daimler, VW oder Husky. Hinzu kommen unsere Zulieferer als Wertschöpfungspartner. Grenzen kann es dabei nicht geben, denn wir bieten unsere Lösungen global an. Das können wir nur mit engagierten Mitarbeitern und einer leistungsstarken IT bewältigen. Ein Beispiel: Die Wittenstein alpha GmbH liefert den Kunden innerhalb von 24 Stunden nach Bestellung das gewünschte Getriebe – in einer bestimmten Version aus Tausenden möglicher Varianten. Unser Sortiment umfasst zurzeit ca. 25.000 lebende Artikel.
ITM: Sie engagieren sich auch sozial?
Spitzley: 1996 wurde die Wittenstein-Stiftung gegründet, die Stipendien an hochbegabte Abiturienten für die Dauer der gesamten Regelstudienzeit vergibt. Außerdem steht hier in Igersheim unsere „talent-arena“, eine Ausbildungswerkstätte für derzeit über 150 Auszubildende. Die Hälfte davon sind Studenten von den Dualen Hochschulen. In der „talent arena“ machen wir keinen Unterschied zwischen Technikern, Kaufleuten oder angehenden Ingenieuren: Alle werden gemeinsam ausgebildet. So sorgen wir von Anfang an für Netzwerkbildung.
ITM: Woher kommt der Erfolg von Wittenstein?
Spitzley: Unsere Wachstumsstrategie heißt „Move it“ mit dem Ziel, jährlich um mindestens 15 Prozent im Umsatz zu wachsen. Oder anders ausgedrückt: Wir wollen jedes Jahr dreimal besser sein als der Branchendurchschnitt. Dafür müssen wir innovativ bleiben. Mit der Wittenstein-Akademie versuchen wir, Innovation und Wissen gezielt auszubauen. In einem Hörsaal mit 150 Sitzplätzen und modernster Technikausstattung bilden wir unsere Mitarbeiter seit Jahren intensiv weiter.
ITM:Innovation ist ein wesentlicher Teil Ihrer Wertorientierung?
Spitzley: Absolut. Wir verbinden Wandel mit Zuversicht. Ein gutes Beispiel dafür ist unsere Produktionshalle I in Igersheim. Beim Betreten könnten Sie den Eindruck gewinnen, sie sei erst gestern errichtet worden. Schon dreimal haben wir die Innenstruktur völlig verändert. Momentan werden dort Komplettantriebe für das Transportsystem von Airbus gebaut. Das ist gelebter Wandel: Uns interessiert immer, was morgen sein wird. Das macht unseren Erfolg aus.
ITM: Ist Ihre IT typisch mittelständisch?
Spitzley: Ob sie ganz und gar typisch ist, weiß ich nicht. Typisch ist sicherlich die Aufgabenvielfalt, die unsere IT-Mitarbeiter mit ihrem breitgefächerten Expertenwissen leisten müssen. Dieses Wissen überrascht immer wieder auch Fachleute von Großunternehmen, die zu uns kommen. Bei Wittenstein ist die IT sehr stark serviceorientiert. Wir haben Fabriken in Igersheim, Fellbach, der Schweiz, in Rumänien, den USA und Japan, dazu Dutzende Vertriebsniederlassungen. Insgesamt 60 Standorte weltweit, die alle vernetzt sind. Die IT dafür betreuen wir fast komplett von hier aus. Wir haben uns bewusst für eine Zentralisierungsstrategie entschieden.
ITM: Herr Dr. Schuster, wie viele IT-Fachkräfte sind in der Zentrale tätig?
Dr. Erwin Schuster: 25 Mitarbeiter. Die Zahl ist für einen Mittelständler relativ groß. Wir „benchmarken“ uns in der IT ständig mit allen anderen Unternehmen aus dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Konkret: Wir messen unsere IT einmal pro Jahr am Branchendurchschnitt. Damit behalten wir die Kosten-Nutzen-Seite im Blick.
Spitzley: Benchmarking findet bei uns nicht nur in der IT, sondern in allen Unternehmensbereichen statt. Nur so sehen wir, wo wir stehen und ob unser Tun wirtschaftlich ist.
ITM: Auf welcher Managementebene werden IT-Entscheidungen bei Ihnen getroffen? Wie ist der Vorstand involviert?
Spitzley: Bei uns wird da entschieden, wo Verantwortung und Sachkompetenz liegen. Als Vorstand interessiert mich weniger, wie unser IT-Leiter Dr. Schuster mit seinen Bits und Bytes umgeht. Er trifft seine Entscheidungen weitgehend frei, weil er das Fachwissen besitzt. Eigenverantwortlich ist er auch in der Budgetplanung und beim Einsatz der Mittel. Für mich zählt, inwieweit er und seine Mitarbeiter die strategischen und systematischen Ziele erreichen, die wir im Vorstand setzen. IT-Leitung und Vorstand pflegen bei uns eine sehr enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit.
Dr. Schuster: In der IT definieren wir einmal im Jahr unsere Ziele anhand einer Balanced Scorecard. Jedes Team bekommt ein Innovationsthema. Dafür gibt es Zeit und Budget. So entstehen Freiräume und Motivation für neue Ideen. Ein Ergebnis davon zeigt sich etwa in unseren Kunden- und Geschäftsbeziehungen: Wir betreiben mit unseren Partnern heute elektronischen Datenaustausch (EDI). Das verdanken wir dem Innovationsprojekt, in dem das Thema vorgedacht wurde, inklusive einer Business-Case-Rechnung zum ROI.
ITM: Hat sich die Rolle Ihrer IT insgesamt verändert?
Spitzley: Ja, sehr. Der IT kommt mehr denn je unternehmensstrategische Bedeutung zu. Dafür sorgen die tägliche Flut von Informationen, die Variantenfülle unserer Produkte sowie das Ausmaß unserer Geschäftsprozesse. Die IT ist zum Wettbewerbsfaktor geworden. Sie entscheidet mit über unsere Innovationsfähigkeit. Ein Unternehmen wie Wittenstein setzt auch im IT-Bereich auf Spezialisten,um erfolgreich sein zu können. Schon unsere Auszubildenden werden mit den neuesten Technologien vertraut gemacht. Wir begreifen Wittenstein als Hochleistungsnetzwerk. Unsere Herausforderung besteht darin, die wachsende Komplexität zu beherrschen und die vorhandene Vielfalt über alle Unternehmensbereiche hinweg zu nutzen. Dazu muss die IT international aufgesetzt sein. Unser Systemdesign muss hochgradige Vernetzung, Mobilität, Qualität und Prozesssicherheit bieten.
ITM: In welchem Verhältnis stehen bei Ihnen IT und Prozessentwicklung?
Spitzley: Wir haben eine eigene Abteilung für Prozessentwicklung, die mit der IT sehr eng zusammenarbeitet. Klar, dass es auch Spannungsfelder gibt. Die befruchten aber beide Seiten. Oft ist man der Meinung, es sei Aufgabe der IT, Prozesse zu verbessern. Dies setzt aber voraus, dass man seine Prozesse versteht. Ich denke, dass zuerst der Prozess stehen muss , bevor die IT das Optimum aus ihm herausholt.
ITM: Letztlich soll es sich rechnen.
Spitzley: Die IT ist immer Dienstleister – intern und extern. In unserer Gruppe gibt es 24 Firmen mit eigenständiger Geschäftsführung. Rein theoretisch könnten die Firmen IT-Leistungen, die über die Grundversorgung hinausgehen, auch woanders einkaufen. Machen sie aber nicht. Sie verlassen sich lieber auf unsere unternehmenseigene IT, weil die einwandfrei arbeitet. Gute Qualität rechnet sich eben.
ITM: Wittenstein begann 2006, seine gesamte ITK-Struktur zu modernisieren. Wer hat Ihnen als Partner geholfen?
Spitzley: Die Deutsche Telekom, mit der ich die Verhandlungen seinerzeit auf einem Bierdeckel geführt habe. Das heißt: Ich wollte eine Lösung mit einer einfachen Rechnungsstellung, was letztlich auch gelang. Mein Ansatz war: Ein Mittelständler wie Wittenstein stellt die gleichen Anforderungen an die ITK wie ein Großunternehmen. Einziger Unterschied: Wir benötigen mehr Flexibilität in der Leistung und bei den Kosten.
Dr. Schuster: Sie merken schon: Wir unterhalten uns ganz wenig über Bits und Bytes. Eigentlich fast gar nicht. Wir konzentrieren uns auf das Ziel der besseren Erreichbarkeit und Kommunikation.
ITM: Was waren Ihre Gründe für eine neue Kommunikationslösung?
Dr. Schuster: Unsere TK-Anlage war am Ende ihrer Kapazität; sie bildete weder die wachsende Mitarbeiterzahl noch die internationale Standortvernetzung ab.
Steffen Grünewald (siehe Foto rechts, ganz links): Jede Außenstelle hatte einen eigenen Server, eine eigene Telefonanlage, eigene Spezifikationen. Das war kaum noch zu managen.
Dr. Schuster: Also beschlossen wir zunächst, eine neue Anlage zu erwerben. Dieses Vorhaben ließen wir jedoch wieder fallen, als klar wurde, dass unser Bedarf größer war: Wir benötigten ein umfassendes Kommunikationskonzept. Wir wollten intelligent und effizient kommunizieren – auf der Basis von Standardisierung und Zentralisierung. Dann haben wir uns das Datennetzwerk vorgenommen. Auch hier waren die strukturellen Grenzen erreicht. Die Vernetzung zwischen den Standorten erwies sich zusehends als instabil. Die Performance unterstützte die CRM-Prozesse nicht ausreichend und auch in puncto Sicherheit hatten wir Bedarf.
ITM: Wie haben Sie den richtigen Lösungsanbieter gefunden?
Dr. Schuster: Jedenfalls nicht durch lange Marktrecherchen. Uns war von vornherein klar, dass nur ein international aufgestellter Gesamtanbieter in Frage kam, der auch in Deutschland stark ist. Das ist nun mal die Deutsche Telekom. Im Übrigen waren wir schon seit einigen Jahren deren Festnetz- und Mobilfunk-Kunde.
ITM: Woher kam das Projekt-Know-how?
Dr. Schuster: Unsere eigene IT-Mannschaft und die Spezialisten unseres Partners sorgten für die richtige Mischung.
ITM: Wie sind Sie gemeinsam mit dem Anbieter vorgegangen?
Dr. Schuster: Wir haben zwei Leistungsfelder gebildet: Das eine beinhaltete das Thema Business-Case-Rechnung. Es ging um eine Bestandsaufnahme aller Geräte, die ersetzt werden sollten. Wir haben errechnet, wie hoch die Investitionen sein würden und wie viel Betreuung wir benötigen. So etwas dauert rund ein halbes Jahr. Parallel erfolgte die Entwicklung der Fachkonzepte und technischen Spezifikationen für die vier Gewerke Telefonie, Netzwerk (inklusive WAN), Security und Mobilfunk. Dazu haben wir ein Jahr gebraucht. Man muss Referenzbesuche machen, alles abprüfen. Nicht die Einzelgewerke sind dabei das Problem. Schwierig wird es durch die Abhängigkeiten.
ITM: Können Sie ein Beispiel nennen?
Dr. Schuster: Wir haben eine redundante Telefonanlage in Deutschland. Im technischen Büro in München telefonieren Sie mit der gleichen Durchwahl wie hier in Igersheim. Fahren Sie von Igersheim zum Werk nach Fellbach mit einem DECT-Telefon, dann sind Sie dort unter der gleichen Durchwahl erreichbar. Auch die abgesetzte Telefonanlage in der Schweiz ist Bestandteil des Gesamtverbundes. Die Schweizer Mitarbeiter haben jedoch ein anderes Nebenstellen-Nummernkonzept, das ebenfalls abgebildet werden konnte. Planung und Koordination sind aber entsprechend zeitintensiv, in weniger als einem Jahr ist das kaum zu schaffen.
Für den Standort Schweiz konnten wir in unsere Konzeptkiste greifen. Auch das war Teil der „Bierdeckel“-Lösung: Der einzelne Anschluss Telefon kostet einen Festbetrag X, der einzelne Anschluss Netzwerk einen Festbetrag Y. Dann fragten wir in der Schweiz nach, wie viele Anschlüsse bzw. Ports gebraucht werden und übernahmen das Konzept auch dort.
ITM: Sie wissen also genau, was Telefon und IT pro Arbeitsplatz kosten?
Spitzley: Richtig. Bei einem Personalzuwachs von zehn bis 15 Prozent können wir die ITK-Kosten pro Mitarbeiter heute glasklar kalkulieren und kontrollieren. Das war vorher nicht möglich.
Dr. Schuster: Für jeden neuen Mitarbeiter haben wir ein Anforderungsblatt. Darauf kreuzen wir z. B. an: Telefonie, Netzwerkport, DECT-Telefon, Paarung mit dem normalen Telefon usw. Unser Vertrag mit der Telekom gibt uns Flexibilität nach oben und unten, so dass wir nicht dauernd nachverhandeln müssen. Wir arbeiten mit Steuerungsdokumenten und bewegen uns in Korridoren. Wir können mit den Telefon- und Netzwerkports jederzeit einen Standort eröffnen oder schließen: durch einfaches An- und Abmelden der Ports beim Anbieter.
ITM: Welche Service Level Agreements (SLAs) haben Sie verabredet?
Dr. Schuster: Wir haben keine eigenen SLAs entwickelt, sondern die des Anbieters übernommen – zugeschnitten auf unsere Bedürfnisse. Am Ende entstand eine Seite Vertragstext mit einer SLA-Klassifikation der Standorte. Die höchsten SLA hat die Zentrale, die zweithöchsten haben die sechs Produktionsstätten usw.
ITM: Gab es noch weitere Herausforderungen beim Projektstart?
Dr. Schuster: Zur Einführung der neuen Telefonanlage haben wir Kommunikationsprofile für die Telefone definiert. Die Entwicklung dieser Profile verlangte viel Disziplin und gute Argumentation gegenüber den Mitarbeitern, die den Wandel letztlich unterstützt und die Standards mitentwickelt haben. Es ging weniger um individuelle Wünsche als vielmehr um übergeordnete Kommunikationsbedürfnisse aus Sicht des Unternehmens.
Grünewald: Ausgegangen sind wir von zwölf Profilen, zum Schluss blieben drei übrig: „Normaler Mitarbeiter“, „Sekretariats-/Chef-Funktion“ und „Außendienstmitarbeiter“. Auch die Mitglieder des Vorstands sind damit erfasst. Diese Standardprofile erleichtern Service und Support erheblich. Die größte Herausforderung war, wie gesagt, für Akzeptanz bei den Mitarbeitern zu sorgen. Zusätzlich mussten wir ein neues fünfstelliges Rufnummernkonzept durchsetzen.
ITM: Stichwort Akzeptanz. Was haben Sie unternommen, damit die Mitarbeiter sich mit der neuen Technik anfreunden?
Grünewald: In der Planungsphase wurde gerade unsere „talent arena“ fertig. Dort haben wir dann parallel über ein halbes Jahr Key-User-Schulungen an den Komponenten der neuen Telefonanlage veranstaltet. So wurden die Mitarbeiter auf den Tag X der Umstellung spielerisch vorbereitet. Umgestellt haben wir schließlich innerhalb von zwei Tagen.
Spitzley: In der „talent arena“ waren unsere Auszubildenden die ersten, die die neuen Telefone ausprobieren konnten. Die übrigen Mitarbeiter haben wir bei ihrer Ehre gepackt und gesagt: „Wenn die Azubis die neuen Geräte beherrschen, schafft ihr das auch.“
Dr. Schuster: Zur individuellen Nacharbeit und Anleitung wurden Videosequenzen für die Hauptbedienungsschritte entwickelt und ins Intranet gestellt. Man muss sagen: Die Telefonie war der intensivste Themenblock im ganzen Projekt.
ITM: Wie sieht die ITK-Lösung im Einzelnen aus?
Grünewald: An die neue Telefonanlage sind alle Außenstellen in Deutschland einschließlich der Schweiz angebunden. Jede Niederlassung telefoniert mit der Zentrale kostenlos über eine Flatrate. Für Auslandsgespräche per Handy wurde für jeden Nutzer ein Client installiert, so dass auch damit über die Hauptleitung nach draußen telefoniert werden kann.
Dr. Schuster: Beim Mobilfunk verfügen wir über eine Inhouse-Versorgung. Hier im ländlichen Raum ist die Abdeckung relativ schlecht. Zudem stört die metallische Verkleidung unserer Produktionshallen den Empfang. Die neue Inhouse-Versorgung funktioniert ohne zentrale Antenne. Mit Hilfe eines Verstärkers, kommt das Signal in den Gebäuden an, was deutlich strahlungsärmer ist, als die Leistung von außen aufzusetzen.
Grünewald: Für Netzwerk und LAN wurden alle wesentlichen Komponenten erneuert. In Sachen Sicherheit gehen wir zentral über Igersheim, statt Daten herauszugeben oder auswärts einen Server zu betreiben. Wir bauen die Verbindung zu den Standorten lieber über MPLS auf.
ITM: Sicherheit ist für Sie ein Top-Thema?
Dr. Schuster: Unbedingt. Vor allem deshalb, weil alle Kundendaten sicher sein müssen und weil wir als internationaler Unternehmensverbund von der Innovation leben. Wir haben einen IT-Mitarbeiter, der sich ausschließlich um Belange der IT-Sicherheit kümmert. Jeder Laptop-Verkehr läuft über die Zentrale, erst dann gelangt man nach unseren Sicherheitsregeln ins Internet. Bei der Sicherheit war die Deutsche Telekom ein hilfreicher Partner, der seine Erfahrungen aus dem Behördenbereich einbrachte. Ein wichtiger Effekt der neuen Lösung: Unser E-Mail-Server wurde europaweit mit Virus- und Spam-Absicherung konsolidiert.
Grünewald: An sämtlichen PCs und Notebooks wurden die USB-Ports gesperrt. Datensticks sind nicht erlaubt, CD-Laufwerke und -Brenner nur in genau protokollierten Ausnahmefällen.
ITM: Wie hat sich die telefonische Erreichbarkeit verbessert?
Dr. Schuster: Wir sind heute durchgehend erreichbar. Für jeden Anruf gibt es eine automatische Weiterleitung an die richtige Adresse, keiner geht verloren.
ITM: Was ist der wichtigste Vorteil der neuen Lösung?
Spitzley: Die Nähe zum Kunden. Sie gehört zu den weichen Faktoren, die wir unbedingt in die Rentabilitätsrechnung einbeziehen, da sie Nachhaltigkeit und Wachstum bringen. Zudem bewerten wir die hohe Kalkulationssicherheit durch Zentralisierung und Standardisierung positiv.
Grünewald: Vereinfachung zeigt sich auch bei der Rechnungsstellung: Heute bekommen wir eine Rechnung im Monat. Vor der Umstellung waren es mitunter zwischen 220 und 290 Einzelrechnungen.
ITM: Ihre größte Lernerfahrung im Projekt?
Dr. Schuster: Business geht vor Technik. Ganzheitliche Prozessorientierung hat Vorrang vor Insellösungen.
ITM: Werfen Sie für uns einen kurzen Blick in die Zukunft.
Dr. Schuster: Wir klopfen zurzeit ab, ob auch unser Standort in den USA in den Anlagenverbund integriert werden kann. Mit im Boot ist dabei stets die Telekom. Schon heute enthalten die gemeinsamen Verträge Positivlisten, die den künftigen Support an Standorten im Ausland einschließen.
Dr.-Ing. Erwin Schuster
Familienstand: verheiratet, 2 Kinder
Beruflicher Werdegang: 1988-1995 Studium der Informatik an der Universität Stuttgart; 1991-1996 DV-/Organisationsberater bei der Ipro GmbH in Stuttgart; 1996-1999 wissenschaftlicher Mitarbeiter für anwendungsorientierte Forschung im Bereich Enterprise Application Integration mit Branchenfokus für produzierende Unternehmen an der Universität Stuttgart, Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement; 2002/2003 Doktorarbeit an der Universität Stuttgart: „Ein Verfahren zur komponentenbasierten Migration von PPS-Systemen“;1999-2004 zuerst Leiter Marktstrategieteam Fertigungsinformationssysteme und später Leiter Competence Center E-Production bei der Fraunhofer Gesellschaft – Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation in Stuttgart; 2004-2006 Leiter Business Area und Leiter Competence Center bei Mieschke Hofmann & Partner, A Porsche Company, Freiberg a.N.
Derzeitige Position: Leiter Informationsmanagement Wittenstein AG
Weitere Aktivitäten: Aktives Mitglied in den IT-Arbeitskreisen des VDMA und der Microsoft user group Deutschland (mbuf); Referent an der Universität Potsdam bei der MBA-Ausbildung
Klaus Spitzley
Familienstand: verheiratet, 2 Töchter
Beruflicher Werdegang: 1965-1968 Ausbildung zum Feinmechaniker; 1968 Gesellenprüfung (DEWITTA Spezialmaschinenfabrik & GmbH & CO. KG); 1976 Meisterprüfung; 1977 Fachhochschulreife; 1980 Weiterbildung zum Betriebswirt (Heilbronn, Karlsruhe); 1980-1996 Personalleiter der Wittenstein GmbH & Co. KG; 1981-1984 nebenberuflicher Lehrer an der gewerblichen Berufsschule Bad Mergentheim; 1987 Kaufmännischer Leiter alpha getriebebau GmbH, seit 1990 Einzelprokurist der Wittenstein alpha GmbH, seit 1993 Einzelprokurist der Wittenstein motion control GmbH; 1996-2001 Geschäftsführer der Wittenstein GmbH & Co. KG, seit 1999 Einzelprokurist der Wittenstein cyber motor GmbH; seit 2001 Vorstand der Wittenstein AG; seit 2001 Geschäftsführer der Wittenstein AG, Schweiz; seit 2003 Einzelprokurist der Wittenstein aerospace & simulation GmbH; seit 2005 Geschäftsführer der Wittenstein SRL, Rumänien; Auditor der Tochtergesellschaften Wittenstein ternary Co., Ltd, Japan und Wittenstein Ltd., Japan; weltweit verantwortlich für Finanzen, Informationstechnologie und Personal
Derzeitige Position: Vorstand der Wittenstein AG
Weitere Aktivitäten: Vorsitzender des zentralen Arbeitskreises Controlling im VDMA (bis 2005) und Stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses Betriebswirtschaft und Unternehmensführung im VDMA
Die WITTENSTEIN AG...…
… ist ein familiengeführter Mittelständler mit weltweit rund 1.400 Mitarbeitern an mehr als 60 Standorten. Das Unternehmen steht für Innovation, Präzision und Exzellenz in der Welt der mechatronischen Antriebstechnik. Zum Portfolio gehören spielarme Planetengetriebe, beherrschbare intelligente Servoantriebssysteme, hochpräzise Verzahnungstechnologie sowie Elektronik- und Softwarekomponenten.
Hauptsitz: Igersheim, Deutschland
Branche: Maschinenbau
Umsatz: 170 Mio. Euro
Mitarbeiter: 1.400 weltweit
Internet: www.wittenstein.de