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"Versuch der Preisgerechtigkeit führt wohl zu Komplexität"

Von: Guido Piech

Richten sich die Höhe der Wartung wie bei SAP nach dem Lizenzaufkommen, sollte letzteres möglichst beschränkt werden. Ralph Treitz ist Geschäftsführer der VM Solutions GmbH, die das Lizenzvolumen der Anwender unter die Lupe nimmt.

Ralph Treitz

Ralph Treitz, Geschäftsführer der VM Solutions GmbH

ITM: Herr Treitz, inwieweit bietet SAP den Anwendern Verhandlungsspielraum beim Lizenzkauf und den daraus direkt resultierenden Wartungskosten?
Ralph Treitz:
Das SAP-Lizenzmodell bietet zwar nur wenige Grundtypen: User-basierend, also nach der Zahl und Nutzungstiefe, und Engine-basierend, also nach den Software-Komponenten, dort aber ebenfalls nach Nutzungsumfang. Aber bereits hieraus ergeben  sich viele Möglichkeiten. Es gibt sechs Grundtypen für User-basierte Lizenzen, darunter aber wieder Unterarten und Ausnahmeregelungen. Die Definitionen der User-Typen sind in verschiedenen Preislisten der SAP über die Jahre hin unterschiedlich definiert, was sich bei Nachkäufen als Definitionsproblem bemerkbar macht. Manche Funktionalität kann nach Usern oder nach Engine bezogen werden. Hinzu kommt, dass SAP-Systeme nicht alleine stehen. Sie sind immer über Schnittstellen an die IT-Umwelt angebunden, die auch wieder in unterschiedlichen Modellen berechnet werden. Alleine aus diesen wenigen Dimensionen ergibt sich eine Vielfalt an Möglichkeiten der optimalen Lizenzierung.

ITM: Welche Möglichkeiten der Vertragsgestaltung gibt es denn für Mittelständler?
Ralph Treitz:
Wesentlich ist, dass die Belange der Kunden bei der Lizenzgestaltung genau erhoben werden. Das betrifft sowohl die Funktionen, die Nutzungsart, aber auch die Einführung von Anwendungen über die Zeit hin.
Hinzu kommt gerade für den Mittelstand die Möglichkeit, unter mehreren Anbietern von SAP zu wählen. Schließlich vertreibt SAP ihre Produkte über Systemhäuser, die mit speziellen Branchenkenntnissen wie auch gelegentlich mit interessanten Konditionen winken.

ITM: Warum sind Lizenz- und ­Wartungsverträge überhaupt so kompliziert, dass man dazu ein Beratungs­­unternehmen benötigt?
Ralph Treitz:
SAP bietet seine breite Produktpalette Kunden mit wenigen Nutzern ebenso wie multinationalen Konzernen an. Nun versucht SAP Preise zu definieren, die einerseits solide Einkünfte bringen und andererseits den Nutzen im Auge haben, den die Software beim Kunden erzeugen soll. Das führt geradewegs in die Komplexität. Wir müssen auch immer wieder feststellen, dass trotz aller Vielfalt Konstellationen auftreten, die den Anforderungen des Kunden überhaupt nicht gerecht werden. So z.B. beim Einsatz von SAP Portal Software für extrem sporadische Nutzung durch Endkunden eines SAP-Anwenders. In solchen Fällen können wir durch unsere Vermittlung kreative Lösungen erarbeiten, die dem Kunden eine bezahlbare Lösung auf SAP-Basis verschaffen.

ITM: Inwieweit nimmt SAP in dieser Hinsicht, also Komplexität, eine Sonderstellung gegenüber anderen ERP-Anbietern ein?
Ralph Treitz:
SAP ist der Anbieter mit der größten Breite und Tiefe an Funktionalität. Insoweit ist eine gewisse Komplexität in der Preisgestaltung auch erklärbar. Aber auch andere große Anbieter, wie z.B. Oracle bieten dicke Preislisten.
Dies ist aber keinwegs eine Spezialität der ERP-Anbieter. Wer schon einmal versucht hat, alle Fußnoten der Verträge seines Mobilfunkanbieters zu lesen und zu verstehen, weiß wovon ich rede.


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