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27.04.2010
Zeitschriften
Von: Achim Born

SaaS nach SAP – die Uhr tickt

Mitte des Jahres soll Business ByDesign nach einigen Überarbeitungen endlich marktreif sein. Die On-Demand-Geschäftssoftware ist nicht die einzige Aktivität der Walldorfer auf dem SaaS-Terrain.


Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe zogen alle Register, um intern und extern ein Bild der Kontinuität und Zuversicht zu vermitteln. Dabei glänzten die beiden neuen Buddies an der SAP-Spitze bei ihrem ersten gemeinsamen Auftritt anlässlich der Cebit eher mit freundlich klingenden Allgemeinplätzen denn mit konkreten Ankündigungen. Im Unterschied zu manchen Aussagen ihres Vorgängers Léo Apotheker ließen sie in ihren Ausführungen anklingen, wie wichtig Business ByDesign (BuByDe) für eine erfolgreiche SAP sei. Mitte des Jahres soll die neue Software endlich reif für den Markt sein. Die nahezu drei Jahre, die dann seit der ersten offiziellen Präsentation im September 2007 verstrichen sind, nutzte SAP intensiv für Aus-, Um- und Verbesserungsarbeiten. Schließlich soll sich die Unternehmenslösung, die als Mietlösung nach dem SaaS-Modell (Software as a Service) vermarktet wird, nicht doch noch zu dem von manchen Spötter prognostizierten Business By Desaster für das Walldorfer Softwarehaus entpuppen.

Mit dem Feature Pack 2.5 hat SAP denn auch endlich die Spielregel des SaaS-Marktes anerkannt und den technischen Umbau Richtung Multi-Tenancy geschafft. Gemeinsam mit anderen Faktoren wie leistungsstärkere Hardware ist es nach Unternehmensangaben gelungen, die Betriebskosten in Summe um den Faktor 20 zu reduzieren. Das ist erst einmal günstig für SAP, da der BuByDe-Betrieb zuvor im Vergleich zur Konkurrenz von Salesforce & Co. als zu teuer galt. Der Anwender profitiert wiederum vom Einsatz der In-Memory-Technik, die einer schnelleren und flexibleren Auswertung von Geschäftsdaten den Weg bereitet.

Im Wortsinne auffällig ist der Wechsel auf der Client-Seite. Den einstigen HTML-Ansatz ersetzt nun das leistungsstärkere RIA-Konzept (Rich Internet Applications). Allerdings kommt dabei als Rendering-Umgebung Microsofts Silverlight und nicht das sonst favorisierte Adobe zum Zug. Der Vorteil einer besseren Office-Integration liegt auf der Hand. Zudem steht mit Moonlight eine OpenSource-Variante von Silverlight bereit. Das Tor zu Linux und Mac steht folglich prinzipiell  offen, auch wenn das „Mondlicht“ in Sachen Funktionalität noch ein wenig hinterher trippelt.

Änderungen im Konzept

Im Laufe des Jahres will SAP ein wenig mit dem „Mondlicht“ experimentieren, wie Peter Lorenz (siehe Bild rechts), Verantwortlicher für das Mittelstandssegment, im Gespräch mit dieser Zeitschrift erklärte. Das Hauptaugenmerk liegt allerdings derzeit eindeutig auf der Windows-Plattform sowie  mobilen Endgeräten. Mit dem SAP-eigenen Software Development Kit für das Frontend lassen sich dem Vernehmen nach sowohl die „normalen“ als auch die „kleineren“ Screens neuer Endgeräte erstellen. Aufgrund der prinzipiellen Client-Architektur sieht sich SAP in der Lage, bei Bedarf weitere Rendering-Umgebungen innerhalb von drei, vier Monaten zu unterstützen. Grundsätzlich will Lorenz, in dessen Zuständigkeit auch die Leitung der Entwicklungsabteilung des Mittelstandportfolios fällt, den Umgang mit den Entwicklungskits auf allen Ebenen offen handhaben. Auf dem Stand der GUS Group war auf der Cebit eines der ersten Add-on-Szenarien zwischen Kernfunktionen der SaaS-Software von SAP und ­einem Branchen-Add-on zu besichtigen.

Der Einsatz des SDK erlaubt hierbei nicht nur die Objektmodellierung für die Spezifika der Prozessindustrie. Die Zusatzprogramme lassen sich auch 1:1 in die Laufzeitumgebung von Business ByDesign übernehmen. Die Software läuft damit auf der gleichen Multi-Tenancy-Architektur und wird im SAP-Rechenzentrum gehostet. Eher auf der Datenebene bewegt sich hingegen die Zusammenarbeit mit der Datev-Software, die ebenso offiziell in Hannover verkündet wurde. Die personalbezogenen Stamm- und Bewegungsdaten lassen sich aus SAP in die Lohnabrechnungssoftware der Nürnberger schieben. Umgekehrt werden Buchungsbelege an die Fibu der Unternehmenssoftware transferiert.

Die Kooperation mit Datev ist ebenso wenig allein auf Business ByDesign begrenzt wie die Software die einzeige Cloud-/SaaS-Aktivität der Walldorfer ist.  So „versteht“ sich die Software der Nürnberger auch mit Business One (B1). Mit der Version 8.8 ist SAPs windowsbasierende Software für Kleinunternehmen zugleich für die Integration mit On-Demand-Web-Services wie beispielsweise Internetshops vorbereitet. On-Demand-Services hat SAP selbst im Portfolio, etwa E-Sourcing-Dienste auf Basis der Frictionless-Plattform, BI-Services aus der Business Objects-Linie oder neue Web 2.0-Aktivitäten à la StreamWork (Codename: 12sprints).

Kooperation mit Datev


Bislang waren die Dienste aus der SAP-­eigenen Cloud allerdings primär als Ergänzung zur traditionellen SAP-Software für große Unternehmen vorbehalten. ­Lorenz deutete im Gespräch an, dass auch die Unterstützung der Variante für mittelständische Firmen Business All-in-One (A1) angedacht wird. Konkret wird überlegt, die von Partnern gehosteten A1-Systeme mit den Cloud-/SaaS-Services der SAP zu verknüpfen.

Die Hosting-Option wird im Übrigen bereits bei mehr als der Hälfte der Neuinstallationen von All-in-One als Betriebsform gewählt. Ein liquiditätsschonender Bezug trifft folglich auf das Interesse der Anwenderunternehmen. Die gehosteten A1-Lösungen werden allerdings exklusiv von zertifizierten Partnern angeboten. Dagegen setzt SAP im Falle von BuByDe ausschließlich auf den Betrieb im eigenen Rechenzentrum. Bevor man sich hier Hosting- (oder besser Cloud-)Partnern öffnet, sollen zunächst Erfahrungen in punkto hochvolumiger Einsatz und Skalierungspotenzial von Cloud-Plattformen gewonnen werden.

Lorenz weiß aber auch, dass der Erfolg der neuen Software nicht allein vom günstigen Betriebsaufwand abhängt. Ebenso wichtig ist der Aufbau eines funktionierenden Ecosystems. Das sei weniger ein Technologieproblem als vielmehr in erster Linie eine Frage, wie sich ein Appstore für die Cloud-Plattform erfolgreich managen lasse. Letztlich muss sich SAP als „echter“ Buddy der Entwickler beweisen und ein lukratives Umfeld bieten. ­Ansonsten werden diese sich umschauen, ob sich unter den Konkurrenten inklusive Google?&?Co. nicht doch ein besserer „Kumpel“ findet.?



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