02.08.2012
Infrastruktur

Windows 8

Zieren und geheimnisvoll tun

Das neue Betriebssystem ist da: Ab sofort können die Hersteller von Windows-Rechnern und -Tablets beginnen, ihre Geräte mit der endgültigen Version von Windows 8 auszurüsten.


Die Metro-Oberfläche hat eine neue Designsprache.

Karger als die Pressestelle von Microsoft kann man es nicht formulieren: "Microsoft hat heute mit der Auslieferung der RTM-Version (release to manufacturers) von Windows 8 an Industrie-Partner begonnen. Damit sind Produktentwicklung und Testphase von Windows 8 abgeschlossen." Ein paar Details mehr gibt es im Opens external link in new windowBuilding Windows 8 Blog.

Nun beginnt die eigentlich spannende Phase der ganzen Angelegenheit: Wird die Neuerfindung von Windows zu einer ähnlich dominanten Rolle von Microsoft wie in der Vergangenheit führen? Obwohl Microsoft immer noch mit großem Abstand führend im PC-Markt ist, hat es den "Emerging Market" der Smartphones und Tablets vollkommen verschlafen.

Microsoft ist genau das passiert, was vielen Unternehmen in einem etablierten Markt und mit reifen Produkten gelegentlich passiert: In einem Nischenmarkt taucht eine Innovation auf, etabliert sich innerhalb kürzester Zeit und verlässt die Nische. Ein neuer Massenmarkt entsteht und das etablierte Unternehmen guckt in die Röhre.

Doch Microsoft wäre nicht Microsoft, wenn es nicht sofort eine Heckwende eingeleitet hätte. Immerhin hat es Windows bereits mehrmals neu erfunden. Und dann ist da noch die xBox: Das Unternehmen konnte in den als für die Ewigkeit verteilt geltenden Game-Markt nicht nur eindringen, sondern einen großen Anteil erobern.

Und so hat Microsoft sein Betriebssystem einer Grundrenovierung unterzogen: Das Bedienkonzept von Windows mit seiner neuen Metro-Oberfläche ist jetzt auf Touchscreens ausgerichtet. Zahlreiche Detailverbesserungen, die dringend notwendige Beschleunigung des Systemstarts sowie ein analog zur Konkurrenz aufgebautes App-Konzept ziehen die Lehren aus der Kritik der Benutzer und Erfolgen der Mitbewerber.

Problem erkannt, Gefahr gebannt? Die Antwort auf diese Frage wird frühestens im Januar 2013 möglich sein. Dann ist das Weihnachtsgeschäft beendet und die Zahlen für das letzte - in diesem Fall für Microsoft entscheidende - Quartal sind auf dem Tisch.

Microsoft hat es aber nicht bei einer neuen Betriebssystem-Version belassen und auch nicht bei einem 14-monatigen öffentlichen Betatest auf 16 Millionen Rechnern. Microsoft unterstützt den Erfolg von Windows 8 mit einer deutlich geänderten Strategie. So bringt es jetzt auch eigene Computer-Hardware auf den Markt.

Die Familie der "Microsoft Surface" genannten Tablets besticht durch ein Aufmerksamkeit erregendes, eher cool-technisches Design sowie durch innovative Ideen - die Tastatur in der Schutzhülle ist eine überzeugende Lösung. Außerdem renoviert Microsoft seine Tastaturen und Mäuse. Auch hier stehen mit der Wedge-Serie Touch-Kompatibilität und Industriedesign im Vordergrund.

Design ist überhaupt das Stichwort. Hinter Metro verbirgt sich eine eigene Designsprache, die speziell für Touchscreens entwickelt wurde, aber auch für sich stehen kann. Der Gestaltungskanon von Metro verzichtet vollkommen auf die in der Vergangenheit für Windows typischen Farbverläufe, Flächensimulationen und auch auf die Symbole, die immer eine leicht cartoon-artige Anmutung hatten.

Stattdessen überzeugt das neue Design durch Typografie, Weißraum, Farbflächen und stark abstrahierte Symbole, die entfernt an die Formenwelt Otl Aichers erinnern - aber ohne Rundungen, um rechtliche Auseinandersetzungen mit Apple zu vermeiden. Wie das Apple/Samsung-Drama zeigt, ist das kein Scherz.

Auch in Sachen Marketing hat Microsoft seine Vorgehensweise verändert. Wurden früher Informationen geflutet, so handelte es sich bei Windows 8 in den ersten Monaten um ein eher schmales Rinnsal. Die meisten Infobröckchen sind über einige Microsoft-Blogs verbreitet worden, in denen Produktmanager und Entwickler einzelne Aspekte der neuen Windows-Generation vorgestellt haben.

Trotzdem berichteten die einschlägigen Blogs und Medien fleißig über Windows 8. Je näher die Stunde Null - also die Freigabe der RTM-Version - rückte, desto mehr Informationen entließ Microsoft in die Öffentlichkeit. Zuletzt stellte Microsoft alle paar Tage neue Funktionen, neue Hardware und dergleichen vor, sogar in "geheimen" Pressekonferenzen.

Diese neue Veröffentlichungspolitik des Zierens und geheimnisvoll Tuns hat gewirkt: Redet eigentlich jemand über die nächste Generation des iPhone? Nein, ein großer Teil der Medien redet über nichts anderes als Windows 8.
Gefördert wird dies auch noch durch die OEM-Hersteller. Sie wurden durch die Microsoft-Tablets unter Druck gesetzt wurden und kündigen nun fleißig neue Windows-8-Produkte an.

Nun bleibt nur noch eines: Das fertige Windows auf einem fertigen Tablet, Convertible Ultrabook oder einem anderen Computer für das Post-PC-Zeitalter auszuprobieren. Endgültige Urteile verbieten sich im Moment, denn das richtige Windows-Feeling dürfte erst mit einem dafür geeigneten Gerät aufkommen.

Bildquelle: Opens external link in new windowMicrosoft


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