22.02.2012
IT-Finanzierung

Rainer Pietschmann, BFL

Von vielen Faktoren beeinflusst

Interview mit Rainer Pietschmann, Sales Manager Hersteller und Verbände bei der BFL Leasing GmbH


Rainer Pietschmann ist Sales Manager Hersteller und Verbände bei der BFL Leasing GmbH.

ITM: Herr Pietschmann, inwiefern wirken sich negative Konjunkturnachrichten derzeit auf die Stimmung und das IT-Investitionsverhalten im Mittelstand aus?
Rainer Pietschmann:
Der deutsche Markt darf sich da, wie in den vergangenen Jahren, wieder etwas glücklicher schätzen als die weltweite Betrachtung. Der Bitkom sieht für das Jahr 2012 weiterhin eine Steigerung. Gerade der Kostendruck in der Gesamtwirtschaft führt oft zu Investitionen in IT – sind dies doch die Treiber für Effizienz in den Unternehmen.

ITM: Ist für Sie als Anbieter die Beeinflussung spürbar? Wie groß schätzen Sie die Investitionsbereitschaft im Vergleich zum Vorjahr ein?
Pietschmann:
Für uns als Finanzierer sind zwei „Stellschrauben“ maßgeblich: Wie viel wird überhaupt investiert? Und in welcher Form wird die Investition finanziert? Hier bieten wir mit Leasing eine für die Kunden interessante Alternative zur Eigen- und Kreditfinanzierung an.

ITM: In welche Technologien wird der Mittelstand, Ihrer Meinung nach, 2012 am meisten investieren?
Pietschmann:
Zum einen sind da die üblichen Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen von der IT-Arbeitsplatzinfrastruktur, über Server- und Storagekapazitäten bis hin zu Software-Updates zu nennen. Hier sind Trends am Markt, die finanziert werden müssen. Nehmen Sie als Beispiel die Integration von Tablets in den Arbeitsalltag. Zum anderen sind es all die Investitionen, die auf die Effizienz setzen. Hier werden mit IT-Hard- und Software ganze Arbeitsabläufe geändert. Trends hierzu sind Managed Print Service und Managed Document Services.

ITM: Investitionen müssen finanziert werden. Was sind gute Gründe für eine IT-Finanzierung anstatt eines Barkaufs?
Pietschmann:
Flexibilität! Ist die Hardware erst einmal im Anlagevermögen, kommt sie dort nicht mehr raus. Die Technologie und der Geschäftsverlauf gehorchen aber anderen Zyklen als die der Abschreibungszeiten. So sind Unternehmen gut gelitten, die gleich ihre IT-Investitionen in monatlichen Raten kalkulieren. Für ein bestimmtes Budget immer die optimale IT-Lösung: Das entsteht durch IT-Leasing.

ITM: Was sollten die Unternehmen bei der Entwicklung ihrer Finanzierungsstrategie berücksichtigen?
Pietschmann:
Der Finanzierungsbedarf geht ja weit über die IT-Investition hinaus. Wichtige Investitionen – beispielsweise in Forschung und Entwicklung, aber auch in Mitarbeiterkapazitäten – stehen in Konkurrenz zum notwendigen IT-Invest. Die Fragen, die sich das Unternehmen stellt: Wo ist meine Eigenfinanzierung optimal angelegt, wo suche ich Alternativen und Erweiterungen zum Kredit? Hier ist IT-Leasing eine gute Antwort.

ITM: Rezessionsängste, Börsenbeben, die aktuelle Schuldenkrise und das Misstrauen ins Bankensystem könnten zu zögerlicher Kreditvergabe an Unternehmen führen. Wie schätzen Sie die Situation ein? Wie sicher ist momentan die Kreditvergabe?
Pietschmann:
All die genannten Punkte führen zu der Frage, wo und zu welchem „Preis“ erhält der Finanzierer seine Refinanzierungsmittel. Hier hilft uns unsere Verbundenheit zur Genossenschaftlichen Finanzgruppe Volksbanken Raiffeisenbanken ungemein: ausreichend Liquidität, und das zu einem erschwinglichen Preis – der Lohn für eine im positiven Sinne konsequent konservative – und nachhaltige Geschäftspolitik seit vielen Jahren.

ITM: Welche Anforderungen müssen Unternehmen mittlerweile für einen Kreditzugang erfüllen?
Pietschmann:
Transparenz und partnerschaftlicher Dialog sind das A und O. Die Bank versteht sich als Partner und muss auf diese Resonanz stoßen.

ITM: Welche Bedeutung schreiben Sie in diesem Zusammenhang der Innenfinanzierung zu?
Pietschmann:
Für viele Investitionen ist sie oft der einzige Weg. Gerade deshalb ist es so wichtig, diese Mittel nicht durch die IT-Investitionen zu blockieren.

ITM: Welche alternativen Finanzierungsmodelle sind 2012 auf dem Vormarsch?
Pietschmann:
Aus unserer Sicht werden die Themen Miete und On-Demand-Modelle weiter an Bedeutung gewinnen. Finanzierungsbedarf entsteht dadurch vermehrt an anderen Stellen, z.B. bei den Systemhäusern selbst für deren Rechenzentrumskapazitäten.

ITM: Welche Vorteile bieten alternative Finanzierungsmodelle gegenüber der Kreditfinanzierung?
Pietschmann:
Kreditfinanzierungen haben begrenzte Limits. Sie müssen entweder mit anderen Werten besichert werden oder sind durch die Risikoabstellung auf die Kundenadresse endlich. IT-Leasing ist eine Objektfinanzierung, die eine weitere, für den Kunden positive Komponente mit einbringt. So wird der Liquiditätsspielraum erweitert.

ITM: Sind die jeweiligen Finanzierungsmodelle branchenabhängig?
Pietschmann:
Von der Affinität sicherlich. Und natürlich von der jeweiligen Kapitalsituation, die von Branche zu Branche ja durchaus variiert. Aber an sich gelten die genannten Vorteile und Prinzipien branchenübergreifend

ITM: Welche Finanzierungsmöglichkeiten offerieren Sie konkret mittelständischen Kunden?
Pietschmann:
Wir verstehen uns als IT-Finanzierer mit einem breiten Spektrum. Das heißt, wir hören nicht bei der klassischen Hardwarefinanzierung auf. Unsere Expertise macht Software-Leasing genauso möglich wie die komplette Finanzierung von Projekten, die z.B. Datenmigrationen oder das Roll-Out-Management mit beinhalten. Gemeinsam mit Partnern werden so auch die schon erwähnten Managed Print Services oder Managed Document Services finanziert. Auch Storage-On-Demand-Modelle bilden wir kundenindividuell mit Partnern ab.

ITM: Von welchen Finanzierungsmöglichkeiten sollten Mittelständler lieber ihre Finger lassen?
Pietschmann:
Von denen, die eine erstaunlich günstige Rate gegenüber allen Alternativangeboten aufzeigen. Da wird an anderer Stelle verdient, die dem Kunden nicht recht sein kann.

ITM: Welches Finanzierungsvolumen erwarten Sie für 2012?
Pietschmann:
Natürlich haben wir Plan- und Erwartungswerte. Die Märkte sind aber von vielen Faktoren beeinflusst. Ob 2012 ein gutes oder ein schweres Jahr wird – lassen Sie uns das am Jahresende beurteilen.


Aktuelle Ausgabe

Titelinterview: Webbasiertes ERP-System
mit Markus Hirth, John GmbH

Video-überwachungstechnik
IT-Sicherheit auf dem Firmengelände

IT-Virtualisierung
Welche Virtualisierungslösungen im Mittelstand?

Neue Wege des Arbeitens

Windows 8
Mit mehr Sicherheit besser - und flexibler

Das neue Office
Immer und überall produktiv

Internet Explorer
Der Webbrowser rückt in den Fokus

Interview mit Markus Hirth, Leiter IT und Controlling der John GmbH.

Im Interview mit Markus Hirth, Leiter IT und Controlling der John GmbH. Der Produzent von PVC-Bällen setzt seit langem auf ein webbasiertes ERP-System...mehr lesen »

IT Mittelstand Newsletter
IT-Sicherheit: Moderne Videoüberwachung

Es tut sich was in Sachen Videoüberwachung auf dem Firmengelände: Neue Analysefunktionen, integrierte Sabotageerkennung und Software-Tools, die datenschutzrelevante Themen wie die Mitarbeiterüberwachung am Arbeitsplatz auf technischer Ebene verhindern. Doch bevor ein System ausgewählt und Kamerastandorte bestimmt werden, muss die „Hürde“ Betriebsrat genommen werden...mehr lesen »