22.02.2012
IT-Finanzierung

Dirk Cyrener, KDT

Von Kreditklemme keine Spur

Interview mit Dirk Cyrener, Geschäftsführer der KDT GmbH


Dirk Cyrener ist Geschäftsführer der KDT GmbH.

ITM: Herr Cyrener, inwiefern wirken sich negative Konjunkturnachrichten derzeit auf die Stimmung und das IT-Investitionsverhalten im Mittelstand aus?
Dirk Cyrener:
Globales Regierungs- und Bankenversagen und die Feststellung, dass Geld nun mal keine eigene Wertschöpfung besitzt, lässt aus meiner Sicht nur einen Schluss zu: Echte Arbeit und reale Wertschöpfung in Unternehmen werden in Zukunft wieder mehr Bedeutung bekommen. Man darf gespannt sein, ob die Wirtschaftsweisen und Marktforschungsinstitute mit ihrer pessimistischen Prognose überhaupt Recht behalten.

ITM: Ist für Sie als Anbieter die Beeinflussung spürbar? Wie groß schätzen Sie die Investitionsbereitschaft im Vergleich zum Vorjahr ein?
Cyrener:
Wir wachsen seit Jahren konstant zweistellig und in 2011 sogar mit 25 Prozent. Unsere Auftragsbücher sind voll. Persönlich erwarte ich auch 2012 ein Wachstum um 25 Prozent für unser Unternehmen. Unsere aktuellen Kunden und unsere Kunden von morgen investieren sinnvoll in ihre IT, um selber Prozesse zu verbessern, schneller auf Marktanforderungen zu reagieren und so die eigene Wertschöpfung zu verbessern. Das werden sie auch 2012 tun.

ITM: In welche Technologien wird der Mittelstand Ihrer Meinung nach 2012 am meisten investieren?
Cyrener:
Der Mittelstand hat nach wie vor sehr viel Kapital auf der Aktivseite der Bilanz gebunden: hohe Lagerwerte mit zu geringem Umschlag, hohe Forderungsbestände und eine zu lange – reale – Zahlungsdauer ihrer Kunden. Gerade in Zeiten der Krise oder gespürten Krise ist die Investition in Softwaresysteme sinnvoll und notwendig, um z.B. Läger und den Einkauf zu optimieren und die Debitorenzahlungsdauer zu reduzieren.

ITM: Investitionen müssen finanziert werden. Was sind gute Gründe für eine IT-Finanzierung anstatt eines Barkaufs?
Cyrener:
Ob ein Unternehmen finanzieren will oder freie Liquidität verwendet, hängt maßgeblich an der Eigenkapitalquote. Leasing schont dabei die Eigenkapitalquote, da man in der Regel weder die Investition aktivieren muss, noch das entsprechende Fremdkapital ausweist. Man zahlt eben „nur“ G&V-wirksam jeden Monat die Nutzung. Eine moderne Form der Finanzierung von IT-Investments ist übrigens auch die Nutzung von Cloud-Lösungen: keine Hardware, keine Lizenzen, einfach nur nutzen und monatlich zahlen.

ITM: Was sollten die Unternehmen bei der Entwicklung ihrer Finanzierungsstrategie berücksichtigen?
Cyrener:
Kapital ist eine der wichtigsten Ressourcen eines Unternehmens. Das eigene Kapital sollte für das Kerngeschäft verwendet werden, d.h. Produktions-, Projektfinanzierung, Lager, usw. Alles, was nicht zum Kerngeschäft gehört, kann geleast oder z.B. über Cloud-Services gemietet und so die Finanzierung und das Risiko auf andere ausgelagert werden. Aus meiner Sicht gehören dazu Autos genauso wie IT-Investitionen.

ITM: Rezessionsängste, Börsenbeben, die aktuelle Schuldenkrise und das Misstrauen ins Bankensystem könnten zu zögerlicher Kreditvergabe an Unternehmen führen. Wie schätzen Sie die Situation ein? Wie sicher ist momentan die Kreditvergabe?
Cyrener:
Die Frage ist doch, wo sollen Banken mit ihren Einlagen, d.h. mit dem Geld hin, dass sie verwalten? Staatsanleihen, bei denen die Banken nur noch 50 Prozent zurückbekommen oder bei der EZB für 0,25 Prozent Zinsen einlagern? Geld ist genug da, und Banken besinnen sich zunehmend darauf zurück, dass es in der realen Wirtschaft, d.h. in Firmenkredite, gut angelegt ist. Hinter diesen Krediten stehen Unternehmen und Unternehmer, die persönlich mit ihrem Vermögen, mit ihrer ganzen Arbeitskraft und Leidenschaft haften. Zusätzlich erhalten Banken bei Firmenkrediten Zinsen in Höhe von 4 bis 10 Prozent. Aus Gesprächen mit lokalen Bankvorständen weiß ich, dass es keine Kreditklemme gibt.

ITM: Welche Anforderungen müssen Unternehmen mittlerweile für einen Kreditzugang erfüllen?
Cyrener:
Banken sind keine Gegner. Sie wollen die Sicherheit, dass der Unternehmer sein Geschäft im Griff hat und der Kredit gut angelegt ist. Dazu kommt, dass Banker fast ausschließlich Zahlen verstehen. Daher ist es für Unternehmer wichtig, einigermaßen transparent gegenüber der Bank zu sein und so das Problem der asymmetrischen Informationsverteilung entgegen zu wirken. Wir empfehlen unseren SAP-Kunden, egal ob zwei oder 200 User, einmal im Quartal einen vordefinierten Bankenbericht auf Knopfdruck zu erzeugen und an die Bank zu senden. Das schafft Vertrauen und macht Gespräche über Kredite einfacher. Diesen Bericht dann auch noch selber zu verstehen, hilft auch dem Unternehmer.

ITM: Welche Bedeutung schreiben Sie in diesem Zusammenhang der Innenfinanzierung zu?
Cyrener:
Die Nutzung von Gewinnen im eigenen Unternehmen, um das Eigenkapital zu stärken und damit liquide Mittel für Investitionen zu haben, ist die eine Sache. Die Nutzung der vorhandenen Abschreibung für Neu-Investitionen ist ebenso sinnvoll wie notwendig. Zur Innenfinanzierung gehört aber auch der kritische Blick auf die Aktiva-Seite der eigenen Bilanz. Wo ist mein Geld gebunden? Im Lager, in Forderungen, in Anlagevermögen, das nicht zum Kerngeschäft gehört? Gerade hier hilft IT, die eigenen Prozesse so zu optimieren, dass die Aktiv-Positionen in der Bilanz reduziert werden können. Das schafft oftmals ganz leicht freie Liquidität, die für neue Investitionen genutzt werden kann, oder bietet die Möglichkeit, Fremdkapital zurückzuführen.

ITM: Welche alternativen Finanzierungsmodelle sind 2012 auf dem Vormarsch?
Cyrener:
Neben Leasing nimmt auch die Bedeutung von Cloud-Services zu. Das ist den meisten nur nicht bewusst, dass Cloud-Services auch eine Form der Kapitalbeschaffung bedeutet. Bei Cloud nutzen Unternehmen IT gegen ein monatliches Entgelt, ohne dass sie vorher in Hardware, Lizenzen, Sicherheit, Betrieb und damit Personal investieren müssen. Cloud-Lösungen von seriösen und professionellen Anbietern sind aus meiner Sicht keine Sicherheitsfrage, sondern eine Finanzierungsfrage mit großen Vorteilen für die Unternehmen.

ITM: Welche Vorteile bieten alternative Finanzierungsmodelle gegenüber der Kreditfinanzierung?
Cyrener:
Die beschriebenen Lösungen, Leasing und Cloud, haben den großen Vorteil, dass das Unternehmen erst gar nicht finanzieren muss. Bei Leasing übernimmt die Leasing-Bank die Beschaffung der Finanzmittel. Sie übernimmt damit auch einen Großteil der Haftung und erwartet nur die kontinuierliche monatliche Zahlung. Bei Cloud-Lösungen, wie z.B. einem SAP Business One – Online aus unserem Rechenzentrum, unterschreibt der Unternehmer einen festen Mietvertrag für die Dauer von 12 bis 48 Monaten mit voller Kontrolle über seine Daten und sein Budget.

ITM: Sind die jeweiligen Finanzierungsmodelle branchenabhängig?
Cyrener:
Aus IT-Sicht sicherlich nicht, bei Finanzierung über Bankenkredite sicherlich schon, da Banken die verschiedenen Branchen in unterschiedlichen Risikostufen einsortieren und damit auch das Unternehmen, möglicherweise unverschuldet, anders bewerten.

ITM: Welche Finanzierungsmöglichkeiten offerieren Sie konkret mittelständischen Kunden?
Cyrener:
Erstens Leasing über Finanzierungspartner, die hohes Know-how in der Finanzierung von IT-Projekten haben. Zweitens Cloud-Services, bei denen wir die Finanzierung für das Rechenzentrum übernehmen bzw. die Finanzierung von unseren Partnern wie SAP und Microsoft getätigt werden.

ITM: Von welchen Finanzierungsmöglichkeiten sollten Mittelständler lieber ihre Finger lassen?
Cyrener:
Die Beschaffung von finanziellen Mitteln direkt am Kapitalmarkt wird zwar für große Unternehmen immer beliebter und auch mittelständische Unternehmen konnten sich so Kapital beschaffen. Das ist jedoch sehr aufwändig und für die meisten mittelständischen Unternehmen kaum zu stemmen.

ITM: Welches IT-Finanzierungsvolumen erwarten Sie für 2012?
Cyrener:
In der Vergangenheit wurden ca. 10 Prozent der IT-Projekte über Leasing von unseren Kunden finanziert. Hier erwarten wir eine Steigerung auf 15 bis 20 Prozent in 2012. Erstmals werden in 2012 auch die Cloud-Services einen signifikanten Anteil bekommen. Hier erwarten wir, dass ca. 10 Prozent unseres Umsatzes in 2012 über diese Form der Finanzierung bereitgestellt wird.


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