27.05.2011
Zeitschriften, Unified Communications
Von: Hannah Winter

Von der glühenden Leitung zum heißen Netz

Der mittelständische Heizkörper-Hersteller Zehnder hat seine klassische Telefonanlage abgeschaltet und ist auf das Windows-basierte VoIP-Telefonsystem von 3CX umgestiegen. Heute telefonieren rund 500 Mitarbeiter über IP-Telefone.


Moderne Produktionstechniken für Zehnder Charlestonin Lahr

Die Zehnder GmbH ist ein mittelständisches Tochterunternehmen der Schweizer Zehnder Group AG, einem der Marktführer der Heizkörperbranche. Telefonieren ist bei Zehnder fester Bestandteil des Tagesgeschäfts: Die rund 500 Mitarbeiter, davon rund 40 Außendienstmitarbeiter, führen über ihre 350 Tischtelefone und 110 mobilen DECT-Telefone täglich mehr als 2.000 Telefonate. Als der Support-Vertrag für die bestehende klassische Telefonanlage auslief, stand Zehnder vor der Entscheidung: den Vertrag verlängern oder auf IP-Telefonie umsteigen? Zehnder hat sich für VoIP entschieden.

Preis-Leistungs-Verhältnis überzeugt

Die Entscheidung für ein VoIP-Telefonsystem fiel bei Zehnder aus verschiedenen Gründen: Nicht nur, dass sich die laufenden Kosten für die Verwaltung der Telefonanlage deutlich senken lassen, sondern auch die herstellerunabhängige Wahl der kostengünstigeren Endgeräte war für Zehnder ein ausschlaggebendes Argument. Und nicht zuletzt wollte man durch die Integration einer auf offenen Standards basierenden IP-PBX die Flexibilität steigern. Ercan Yapalak, Leiter IT-Services der Zehnder GmbH, hat sich die Wahl des passenden VoIP-Telefonsystems nicht leicht gemacht: „Wir haben die Lösungen von vier verschiedenen Anbietern sehr genau unter die Lupe genommen und uns dann für 3CX Version 8 entschieden.“ 3CX ist ein Anbieter Software-basierter VoIP-Telefonsysteme für Microsoft-Windows-Umgebungen.

Im Januar 2010 begann Zehnder mit dem Aufbau einer Test-Infrastruktur. Ein Projektteam, bestehend aus 30 Test-Anwendern der Bereiche Vertrieb, Außendienst und Produktion, prüfte das 3CX-VoIP-Telefonsystem auf Herz und Nieren. Nach Abschluss der Pilotphase war es dann so weit, Zehnder übernahm das 3CX-IP-Telefonsystem in den Live-Betrieb. Das 3CX-Telefonsystem läuft dort – wie andere Unternehmensanwendungen auch – auf einem dedizierten Server unter Windows Server 2008 mit HyperV in einer virtualisierten IT-Architektur. Für interne Telefonate wird dabei das bestehende Unternehmensnetz genutzt. Zehnder entschied sich für externe Telefonate für den Einsatz des VoIP-Gateways Berofix vom Berliner 3CX-Partner BeroNet GmbH. Doch trotz umfangreicher Lasttests dieses Szenarios fiel die neue Telefonanlage bei der Umstellung zunächst komplett aus. „Den Ausfall haben wir anfangs auf das Telefonsystem zurückgeführt“, erklärt Yapalak. „Wie sich dann aber herausstellte, lag die Ursache woanders.“ Geplant war nämlich, das neue IP-Telefonsystem eine Zeitlang mit der bestehenden klassischen ISDN-Telefonanlage parallel laufen zu lassen und die Telefonanschlüsse und -geräte der Mitarbeiter schrittweise umzustellen. „Dieser Parallelbetrieb“, so Yapalak weiter, „verursachte Engpässe an den Schnittstellen und am VoIP-Gateway.“ „Wir wissen“,
ergänzt Nick Galea, CEO von 3CX, „dass es im Parallelbetrieb von bestehender ISDN- und neuer IP-Telefonanlage leicht zu Irritationen zwischen den verschie-denen ‚Welten‘ kommen kann. Wir empfehlen daher normalerweise, alle
Telefonanschlüsse im Unternehmen gleichzeitig umzustellen. Aber wenn es auf Kundenseite andere Anforderungen gibt, kriegen wir das auch hin.“ Auch dank der Unterstützung von BeroNet bekam Zehnder die Probleme schnell in den Griff und das IP-Telefonsystem wieder zum Laufen.

Reduzierte Kosten

Da 3CX ein relativ kleines Unternehmen ist, war Zehnder anfangs skeptisch, ob der VoIP-Anbieter genügend Service-Mitarbeiter beschäftigt, um schnell auf Probleme reagieren zu können. „Dass es bei neuen Projekten zu Problemen kommt, lässt sich meistens nicht vermeiden. Wichtig ist dann, wie man darauf reagiert. 3CX hat all unsere Anfragen zügig und kompetent beantwortet. Mit dem Support waren wir rundum zufrieden“, so Yapalak. Zufrieden ist Zehnder auch mit den finanziellen Einsparungen durch die IP-PBX. Die laufenden Kosten für die Verwaltung der Telefonanlage konnte Zehnder um 90 Prozent reduzieren. Denn unternehmensweit gibt es für Telefonie, sämtliche Applikationen und den gesamten Datenverkehr nur noch ein einziges Netzwerk, das überwacht und administriert werden muss. „Die Verwaltung der IP-Telefonanlage ist denkbar einfach“, erklärt Yapalak. „Jeder, der sich mit Windows auskennt, kann die Administration über die Web-Oberfläche erledigen.“

Darüber hinaus sprechen weitere Vorzüge für VoIP: Durch die Integration des Telefonsystems in die bestehende Microsoft-Umgebung vereinfachen sich auch alltägliche Arbeitsabläufe. Mitarbeiter können etwa Gespräche direkt aus Outlook einleiten, ohne die Nummer in ihr Telefon einzugeben. Zudem können Mitarbeiter über die Funktionstaste F11 aus einer beliebigen Applikation heraus einen Gesprächspartner anrufen oder mit dem Telefon auf die Rufnummern sämtlicher Outlook-Kontakte zugreifen. Die Möglichkeiten zur Sprachdigitalisierung – Anrufe können auch aufgezeichnet werden – möchte Zehnder nutzen, um Arbeitsprozesse zu automatisieren und dadurch zeitsparende, telefonbasierte Workflows zu schaffen. Ein weiterer Vorteil von VoIP besteht darin, dass keine aufwendige Verkabelung notwendig ist. Deshalb gelingt es mit nur wenigen Mausklicks, weitere Benutzer hinzuzufügen oder Nebenstellen freizuschalten – etwa um Kurzzeit- oder Heimarbeitsplätze einzurichten. Dadurch entsteht ein hochkommunikatives und flexibles Netzwerk, das hinsichtlich Umfang und Performance beliebig erweiterbar ist.

Bei Zehnder ist man davon überzeugt, mit der Lösung von 3CX den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Basierend auf den Erfahrungen mit VoIP möchte Zehnder in den kommenden Jahren eine unternehmensweite Unified-Messaging-Lösung etablieren – gemeinsam mit 3CX. Derzeit testet Zehnder die neue 3CX Version 9 – die Features machen die IP-PBX zur vollständigen Unified-Communications-Lösung. „Erste Tests sind positiv verlaufen“, resümiert Yapalak. „Ende des Jahres wollen wir darum auf 3CX Version 9 umsteigen.“

Bildquelle: © Zehnder


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