03.08.2011
Infrastruktur, RZ-Infrastruktur
Von: Patricia Linke

Thorsten Weller, Rittal

Von der „Besenkammer“ bis zum Server-Raum

Warum sollten sich Unternehmen Gedanken um die Energieeffizienz ihrer IT machen? Und wie lassen sich IT-Kosten deutlich senken? Diese und andere Fragen beantwortet Thorsten Weller, Director Technical Support Data Center bei Rittal, im Gespräch mit IT-MITTELSTAND.


„Gemeinsam mit der Bechtle AG entwickelten wir ein standardisiertes Mikro-Rechenzentrum, das genau auf die Bedürfnisse mittelständischer Unternehmen passt.“, sagt Thorsten Weller, Director Technical Support Data Center bei Rittal.

ITM: Bei den Schlagworten Rechenzentrum und IT-Infrastruktur denken viele zunächst an Großunternehmen. Warum sollten sich auch Mittelständler mit Stromabsicherung und Klimatisierung beschäftigen?
Thorsten Weller:
Mittelständler unterscheiden sich im Hinblick auf ihre funktionalen Anforderungen an IT-Systeme zur Unterstützung der Geschäftsprozesse kaum von großen Unternehmen. Die Besonderheit im Mittelstand besteht eher darin, dass weniger Datenvolumen, Geschäftsprozessvarianten und verschiedene Organisationseinheiten abgebildet werden müssen. Zudem sind die IT-Prioritäten komplett anders gelagert. Eine Untersuchung der Experton Group zeigt: Während große Unternehmen den dringenden Bedarf in der Konsolidierung von IT-Systemen sehen, hat bei den mittelständischen Unternehmen die Optimierung von Prozessen Priorität. So unterschiedlich die Anforderungen an die IT, so ähnlich sind jedoch die Herausforderungen in Bezug auf Energieeffizienz, IT-Sicherheit und Kosten­einsparungen für die IT-Verantwortlichen.

ITM: Welche Installationen treffen Sie typischerweise in mittelständischen Unternehmen an?
Weller:
Unterschiedlich – von der „Besenkammer“ mit einem einzigen Server-Schrank bis zum kompletten Server-Raum. Häufig ist die IT-Abteilung klein und hat nicht die notwendigen Ressourcen zur Administration der gesamten Infrastruktur bzw. zum Aufbau oder einer Modernisierung des Rechenzentrumsbereiches. Daher haben wir für diese Problematik gemeinsam mit der Bechtle AG ein Mikro-Rechenzentrum als standardisierte Lösung entwickelt, das genau auf diese Bedürfnisse passt. Das Mikro-Rechenzentrum wird als Komplettpaket ausgeliefert und reduziert die Installations- und Inbetriebnahmetätigkeiten auf ein Minimum.

ITM: Was muss man sich unter dem Mikro-Rechenzentrum vorstellen?
Weller:
Das Mikro-RZ wurde auf Basis unseres Basicsafes, einem Schrank zum Schutz gegen physikalische Bedrohungspotentiale, entwickelt. Rittal liefert bei diesem Gemeinschaftskonzept die gesamte Infrastruktur und Sicherheitstechnik: den Basicsafe als Gehäuse, die Klimatisierung, das Brandmelde- und Löschsystem sowie die Energieverteilung. Bechtle ist für die eigentliche IT-Hardware sowie die Einbindung der Software verantwortlich. Das Mikro-Rechenzentrum wird als Komplettpaket ausgeliefert und stellt eine Plug-and-Play-Lösung dar.

ITM: Wie kann ein Mittelständler seine IT-Kosten senken?
Weller:
Hier gilt das Motto: Nicht an der IT sparen, sondern mit der IT Kosten reduzieren. Mögliche Einsparungen hängen von den Geschäftsprozessen ab, welche die IT unterstützt. Was die Ausgaben für Server und Software angeht, sind Virtualisierung und Software as a Service (SaaS) wichtige Instrumente zur ­Kostenreduktion.

Bei der IT-Infrastruktur liegt das größte Potential in der ­Verbesserung der Energieeffizienz, vor allem bei der Klimatisierung. Beim Werkzeughersteller Leitz haben wir beispielsweise neben unserem Hochleistungskühlsystem, den Liquid Cooling Packages, eine spezielle Freikühlanlage mit einem um 40 Prozent vergrößerten Wärmetauscher installiert. Damit kann das Unternehmen das Kaltwasser für die LCPs bis zu einer Außentemperatur von 20 Grad Celsius ohne den Einsatz energieaufwendiger Chiller erzeugen. 85 Prozent des Kaltwassers erzeugt Leitz ­mittlerweile auf dieser Basis. Der Stromverbrauch für die Klimatisierung wurde damit um 70 Prozent gesenkt. Bei der ­Celler Brunnenbau GmbH kühlt eine geothermische Anlage im Verbund mit den LCPs die Server. Obwohl das Unternehmen nur ein Rack kühlt, rechnet sich das, da lediglich eine Pumpe und die LCPs Energie für die Klimatisierung verbrauchen.

ITM: Wo können sich Unternehmen, die ihre Energieeffizienz erhöhen wollen, Hilfestellung holen?
Weller:
Erste Anlaufstelle sollte ein externer Experte sein, der sich auf die Modernisierung von Rechenzentren spezialisiert hat. Außerdem hat der Bitkom ein Beratungsbüro zu Green-IT ein­gerichtet, das Unternehmen bei der Modernisierung ihrer Rechenzentren berät. Experten und Bitkom können den mittelständischen Unternehmen auch bei der Beantragung von Förder­mitteln helfen. Denn Investitionen in die Energieeffizienz der Rechenzentren werden im Rahmen des Umweltinnovations­programms des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) sowie der Breitenförderung im Rahmen des ERP-Umwelt- und Energieeffizienzprogramms der staatlichen KfW-Bankengruppe gefördert. 


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