08.10.2012
Interview, Unified Communications

Nachgefragt bei Hans-Jürgen Jobst, Avaya

Verschmelzung der Kanäle

Interview mit Hans-Jürgen Jobst, Senior Produkt Marketing Manager bei Avaya


„Die Verschmelzung der verschiedenen Kommunikationskanäle wird sich weiterhin fortsetzen“, so Hans-Jürgen Jobst, Senior Produkt Marketing Manager bei Avaya.

ITM: Herr Jobst, wie gestaltet sich das derzeitige Interesse der mittelständischen Unternehmen an umfangreichen Unified-Communications-Projekten (UC)?
Hans-Jürgen Jobst:
Unsere Kunden interessieren sich momentan für Lösungen, die die Zusammenarbeit fördern und ihnen helfen, Kosten zu senken. Aber auch die Einbindung mobiler Endgeräte, Funktionen wie „Click-to-Call“ oder Unified Messaging stehen ganz oben auf der Wunschliste bei neuen Installationen. Genauso wie Funktionen zur intelligenten Verteilung von Anrufen.

ITM: Inwiefern macht sich der Mittelstand um Dinge wie Informationssicherheit, Datenschutz und Arbeitsrecht Gedanken – und lässt dies auch in die Anbieter- und Lösungsauswahl einfließen?
Jobst:
Security und Datenschutz spielen selbstverständlich auch im Mittelstand eine sehr wichtige Rolle. Mittelständler achten hier verstärkt auf die richtige Balance zwischen Aufwand, Kosten und Anwendungsszenario. Daher muss die UC-Lösung adäquate Sicherheit zu einem vernünftigen Preis-Leistungs-Verhältnis bieten und mit dem im Mittelstand zur Verfügung stehenden IT-Ressourcen zu betreiben sein. Deswegen kommen sehr oft Appliance-Lösungen wie IP Office zum Einsatz, die alle UC-Funktionen in einem Gerät bündeln.

ITM: Wenn Großunternehmen UC-Projekte aufsetzen, werden i.d.R. die Betriebsräte und Datenschutzbeauftragten mit einbezogen. Wie gehen hier KMUs vor?
Jobst:
KMUs gehen hier sehr pragmatisch vor: Wenn Anwendungen wie Präsenzanzeigen und Instant Messaging Vorteile für die Belegschaft bieten, werden sie eingesetzt. Entsprechende Abstimmungen mit den Mitarbeitern sind schnell durchgeführt. Schließlich optimieren diese UC-Anwendungen die Arbeitsabläufe und die Zusammenarbeit im Unternehmen und sind nicht dafür ausgelegt, die Anwesenheit der Mitarbeiter zu kontrollieren.

ITM: Das Thema „Sicherheit“ ist ein wichtiger Punkt in UC-Projekten. Wie kann grundsätzlich ein sicherer Informations- und Dokumentenaustausch beispielsweise beim E-Conferencing gewährleistet werden?
Jobst:
Für das E-Conferencing steht z.B. der Avaya-Flare-Experience-UC-Client auf Aura-Basis zur Verfügung. Der Client meldet sich über eine sichere Verbindung am Session Border Controller (SBC) an, der das Unternehmensnetz nach außen schützt. Die Mediendaten werden hierbei verschlüsselt übertragen. Das gemeinsame Betrachten von Inhalten bei Aura Conferencing erfolgt ebenfalls über eine gesicherte HTTPS-Verbindung. Die Zugänge zu Audio- und Webkonferenz sind zusätzlich über PIN-Codes abgesichert. Da sich die Konferenzressourcen im eigenen Haus befinden, behält das Unternehmen die Datenhoheit.

ITM: Das Thema „Präsenzmanagement“ ist besonders heikel, denn die Verfügbarkeitsdaten eines Mitarbeiters können aufgezeichnet und zu dessen Verhaltenskontrolle missbraucht werden. Wie schätzen Sie die Problematik ein?
Jobst:
Eine Aufzeichnungsfunktion der Mitarbeiterverfügbarkeit bieten unsere UC-Lösungen nicht an. Unternehmen, die das Thema Präsenzmanagement als Kontrollfunktion interpretieren, haben den Nutzen von UC nicht verstanden. Präsenzinformationen verbessern die Erreichbarkeit und die interne Zusammenarbeit im Unternehmen.

ITM: Welchen Stellenwert nimmt die Verschlüsselung von Sprachtelefoniedaten ein? Ist eine Verschlüsselung bereits Standard?
Jobst:
Verschlüsselungstechnologien werden in kleinen und mittleren Unternehmen nur selten genutzt, da sich das Netz im Unternehmen befindet. Bei Verbindungen zwischen Filiale und Mitarbeiter werden bereits VPN-Verschlüsselungstechnologien für den IP-Verkehr eingesetzt. Als Schnittstelle zu den öffentlichen Netzen nutzen viele KMUs noch ISDN. Hier ist die Übertragung nicht verschlüsselt. Anders sieht es aus, wenn Unternehmen Videokonferenzen direkt über das Internet nutzen. Bei diesen Anwendungen wird Verschlüsselung nachgefragt und eingesetzt.

ITM: Wie können sich die Anwender selbst vor einem Zugriff von außen auf die UC-Umgebung und somit den Missbrauch von Informationen und Daten schützen?
Jobst:
UC-Anwendungen laufen auf dem IP-Protokoll und da gelten die gleichen Anforderungen wie für andere Daten. Firewalls oder Sicherheitsanwendungen sichern das Unternehmen nach außen ab und ermöglichen sichere Remote-Zugänge. Für UC-Anwendungen wie SIP-Trunks oder die Anbindung mobiler Mitarbeiter werden sich auch in KMUs SBC etablieren, die für die Echtzeitkommunikation optimiert sind.

ITM: Wie lässt sich ein Angriff von außen möglichst schnell aufdecken?
Jobst:
Moderne Firewalls und SBCs verfügen über Mechanismen zur Erkennung von Anomalien und können bei Angriffsversuchen wie „Denial of Service“ schnell den Systemadministrator informieren, damit er mögliche Schritte einleitet.

ITM: Bei einer UC-Lösung sind sämtliche Kommunikationsmedien in einer einheitlichen Anwendungsumgebung integriert. Ein Ausfall wäre äußerst geschäftskritisch für den Anwender. Was sind mögliche Ursachen für einen Systemausfall, und wer haftet bei einem solchen Vorfall für den entstandenen Schaden?
Jobst:
Ausfälle gibt es natürlich nicht nur bei UC-Lösungen. Unsere tägliche Arbeit ist heute in einem erheblichen Maße von IT und Internet abhängig. Dafür brauchen wir ein zuverlässiges Netzwerk. Hier bieten z.B. die ERS-3500-Switches KMUs genau die Skalierbarkeit, Zuverlässigkeit und Funktionalität, die sie benötigen. Der Ausfall einer UC-Anwendung kann von verschiedenen Elementen verursacht werden: vom Netz an sich, den Netzzugängen nach außen, der eigentlichen UC-Anwendung auf dem Server oder auch vom Client. Daher ist es wichtig, Service Level Agreements (SLAs) für die jeweiligen Komponenten zu haben, um im Fehlerfall eine schnelle Wiederherstellzeit zu ermöglichen.

ITM: Wie kann grundsätzlich eine hohe Verfügbarkeit bzw. geringe Ausfallrate der Systeme gewährleistet werden?
Jobst:
Hier ist es wichtig, das Gesamtszenario zu betrachten, denn die Verfügbarkeit einer UC-Lösung ist nicht nur von der des UC-Servers abhängig. Es gibt das Datennetz und die verschiedenen Netzzugänge wie ISDN, WAN, Internet und VPN. Der Anwender muss seine Anforderungen genau definieren, um eine optimale Lösung aus Kosten-und Nutzensicht zu finden. Avaya bietet im UC- und Netzwerkbereich ein skalierbares Portfolio von einfachen bis hin zu hochverfügbaren Lösungen an.

ITM: Welche zukünftige Entwicklung wird es Ihrer Meinung nach im UC-Umfeld geben und welche Faktoren beeinflussen diese?
Jobst:
Die Verschmelzung der verschiedenen Kommunikationskanäle wird sich weiterhin fortsetzen. Das liegt daran, dass sich die Anforderungen von Kunden und Mitarbeitern ändern: Kunden wollen wählen können, auf welchem Weg sie mit einem Unternehmen in Kontakt treten. Zudem erwarten sie in jedem Fall eine umgehende und möglichst abschließende Bearbeitung ihres Anliegens. Parallel wollen Mitarbeiter zunehmend flexibel und mobil arbeiten. Insbesondere die nachrückende Generation an Mitarbeitern erachtet Kanäle wie Instant Messaging als selbstverständlich und will sie auch in der beruflichen Kommunikation nicht missen.


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