26.01.2012
Storage / Speichermanagement
Von: Ingo Steinhaus

Windows 8

Unter der Haube arbeitet der Datenturbo

Die Marketingprofis von Microsoft haben den Blick der Öffentlichkeit auf die Oberfläche von Windows 8 gerichtet. Doch das System hat außerdem interne Neuerungen.


Windows 8 bringt den Datenturbo auf den PC.

In den letzten Wochen standen eher die Veränderungen und Ergänzungen der Benutzeroberfläche von Windows 8 im Mittelpunkt. Doch auch unter der Haube tut sich eine Menge. Wie bei jeder Version modernisiert Microsoft sein Betriebssystem kräftig.

Drei wichtige Neuerungen in der Client-Version von Windows dürften dafür sorgen, dass Microsofts System im Business-Bereich noch für etliche Jahre zur ersten Wahl gehört. Die Änderungen sind nicht besonders sexy, aber haben enorme Konsequenzen für den professionellen Einsatz.

Konkret geht es um die folgenden drei Punkte: Erstens erhält Windows 8 ein neues Dateisystem, das vor allem für große Datenfestplatten geeignet ist. Zweitens gibt es eine Möglichkeit, Speicherplatz "on the fly" mit beliebigen Laufwerken zu erweitern. Drittens nutzt jetzt auch das Client-Windows die Virtualisierungs-Software Hyper-V.

Dateisystem für "Big Data"

Das neue Dateisystem von Windows 8 heißt ReFS ("Resilient FS") und ist besonders auf die schnelle und fehlerfreie Bearbeitung von Datenmassen jenseits der 2-Terabyte-Grenze ausgerichtet. Es ist nicht startfähig, ergänzt also den Windows-Standard für Festplatten (NTFS) lediglich.

ReFS ist auf Ebene der Programmierschnittstelle zu dem älteren Windows-Dateisystem kompatibel. Außerdem ist eine Konvertierung von vorhandenen NTFS-Laufwerken nicht vorgesehen. ReFS wird in der Praxis in erster Linie wohl bei Datenfestplatten eingesetzt werden. Hier hat es enorme Vorteile, da es unter anderem große Festplatten mit drei oder vier Terabyte am Stück verwalten kann.

Die nackten Zahlen des Systems sind beeindruckend. So reizt das neue Dateisystem die Möglichkeiten von Windows 8 völlig aus und erlaubt Volumes ("Laufwerke") mit einer Größe von 16.384 Petabyte. Auch eine einzelne Datei kann (fast) bis auf diese Größe anwachsen. Kurz gesagt: Die Anforderungen von "Big Data" dürften in den nächsten Jahren erfüllt sein.

Auch eine zweite Neuerung in Windows 8 ist vor allem für "Data Crunching" sinnvoll: Die Storage Spaces. Dahinter verbirgt sich eine Funktion, die vor allem im Zusammenhang mit ReFS die Leistung verbessert. Storage Spaces erlauben es, beliebig viele interne und externe Festplatten unterschiedlicher Kapazitäten zu einem "Volume" zusammenzufassen. Dadurch wirkt es in Windows wie ein einzelnes Laufwerk.

Doch das ist nicht alles, die Funktion erlaubt auch das "Striping" und "Mirroring" von Daten. Beim "Striping" werden hintereinander liegende Dateiabschnitte stückweise auf mehreren Laufwerken gespeichert, so dass beim Lesen der Daten immer mehrere Abschnitte gleichzeitig im Hauptspeicher landen - eine enorme Beschleunigung gegenüber der Leserate von Einzellaufwerken.

Datensicherheit und Riesenlaufwerke

Das "Mirroring" ist eine unkomplizierte Möglichkeit, den Storage Space gegen den Ausfall eines Laufwerks abzusichern: Daten werden immer doppelt auf verschiedenen Laufwerken innerhalb des Storage Space abgespeichert. Sollte einmal eine Festplatte defekt sein, muss sie lediglich ausgetauscht werden.

Aus Sicht eines reinen Anwenders bedeutet dies: Microsoft hat sehr viel für Datensicherheit und Arbeitsgeschwindigkeit getan. Vor allem die Kombination aus ReFS und Storage Spaces dürfte erhebliche Leistungsreserven in einem PC heben.

Den Vorteil werden vor allem kleinere und mittlere Unternehmen haben, da sie ihren Datenspeicher recht einfach erweitern können. So entfällt zum Beispiel lästiges Umkopieren von der kleineren auf eine größere Festplatte. Auch das Gefummel mit zahlreichen Laufwerksbuchstaben dürfte in Zukunft der Vergangenheit angehören.

Für die meisten Fälle ist ein NTFS-Startlaufwerk für das System und alle Anwendungen sowie als Daten-"Festplatte" ein Storage Space mit ReFS ausreichend. Wie viele unterschiedliche Laufwerke sich hinter dem letzteren verbergen ist zweitrangig.

Die dritte Neuerung in Windows 8 hat auf den ersten Blick wenig mit "Big Data" oder Small Business" zu tun. Die Microsoft-Virtualisierungstechnik ist für Anwender der Server-Version von Windows nichts Neues. Doch auf dem Client? Auf den ersten Blick sieht das aus wie die Sache mit den Kanonen und den Spatzen.

Virtualisierung auf jedem PC

Virtualisierung bedeutet in diesem Fall, dass ein vollständiger, simulierter PC in Form eines speziellen Programms auf dem eigentlichen PC gestartet wird. Das Ergebnis ist ein Computer, auf dem zwei technisch vollkommen getrennte PCs mit Windows 8 als Betriebssystem gleichzeitig arbeiten. Der erste ist das Gastsystem für den zweiten. Der wirkt aus Anwendersicht wie ein handelsüblicher Windows-PC mit einer eigenen Festplatte.

Wer braucht die Option, einen oder mehrere virtuelle, also nur als Software existierende PCs auf seiner Hardware zu starten? Die Antwort lautet: Praktisch jeder. Vor allem auf professionell genutzten Rechnern gibt Virtualisierung den Anwendern die Möglichkeit, bestimmte Aufgaben auf einen anderen PC auszulagern. Dadurch entfällt die Anschaffung von zusätzlicher Hardware und die Daten auf dem eigentlichen Hauptrechner sind nicht gefährdet.

Zu solchen Aufgaben gehört das Testen neu entwickelter Software oder die Probeinstallation bestimmter Programme. Es ist ebenso möglich, Virtualisierung zu nutzen, um Aufgabenbereiche vollkommen zu trennen. Warum nicht ein virtueller Firmen-PC im Homeoffice, der die Business-Software vom privaten Rechner separiert?

Diese Option wird vermutlich vor allem für Freiberufler und kleine Dienstleistungsunternehmen interessant sein, die für eine überschaubare Anzahl von Kunden arbeiten. Es ist in diesem Fall sehr leicht möglich, jedem Kunden eine eigene virtuelle Maschine zuzuordnen. Damit lässt sich kundenspezifische Software unkompliziert einsetzen - ganz ohne Jonglieren mit mehreren Hardware-PCs.

Bildquelle: Andy Barrass/www.sxc.hu


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