28.06.2012
Business-Software
Von: Dr. Thomas Tosse

Wagner GmbH mit ERP-System von Sack EDV-Systems

Termintreue erhöht – Lagerkosten gesenkt

Seit Anfang 2011 setzt Wagner auf ein neues ERP-System. In Verbindung mit einem modernen MES-System und BDE-Terminals verringerte das Unternehmen u.a. die Kapitalbindung im Lager.


Dank MES-System werden die hochwertigen Bearbeitungszentren bei der Wagner GmbH rund um die Uhr ausgelastet.

Die Wagner GmbH in Mannheim war viele Jahre als Dreherei bekannt, konzentrierte sich dann auf die Herstellung von Werkzeugen und Sondermaschinen für die Getränkeindustrie. Mit ständigen Investitionen in einen hoch effektiven Maschinenpark wuchs das Unternehmen seit der Gründung Schritt für Schritt. So arbeiten die Mitarbeiter in drei bis fünf Achsbearbeitungszentren, zum Teil mit Palettenwechsler, Drehzentren mit angetriebenen Werkzeugen, CNC-Rundschleifmaschinen sowie Draht- und Senkerodier-Maschinen im Dreischichtbetrieb rund um die Uhr. Die Produktion von Einzelteilen und Komponenten, bestehend aus 200 bis 2.000 Bauteilen, erfordert präzise Kalkulation, Materialwirtschaft, Fertigungssteuerung und Terminplanung. „Wir wollen die Anforderungen unserer Kunden erfüllen und entwickeln uns deshalb zügig weiter“, sagt Roland Kirchner, Geschäftsführender Gesellschafter des mittelständischen Unternehmens.

ERP-System in drei Monaten eingeführt

Dabei muss die Organisation mitwachsen. Ein vorhandenes ERP-System erfüllte zwar die Aufgaben, doch aus seiner früheren Tätigkeit im Werkzeug- und Formenbau wusste Roland Kirchner, welche Potentiale ein fertigungsnahes ERP-System erschließen kann. Als vor drei Jahren im Rahmen eines Updates hohe Kosten anstanden, evaluierte das Unternehmen verschiedene Alternativen führender Anbieter am Markt. Die Wahl fiel auf das ERP-System Bios2000 – branchenkundig präsentiert von der Sack EDV-Systeme GmbH. Diese speziell auf Fertigungsbetriebe ausgerichtete Lösung überzeugte mit einer benutzerfreundlichen Oberfläche, die allen Unternehmensbereichen umfangreiche Funktionen auf einen Blick bietet und ein integriertes BDE-System mitbrachte. Ein wichtiger Erfolgsfaktor war der Fertigungsleitstand ProMExS: „Damit erreichen wir einen vollständigen Informationsfluss – von der Wurzel bis ins Blatt“, sagt Benjamin Kirchner, zuständig für Beschaffung und IT.

Der ERP-Server und die gemeinsame Datenbank beider Systeme wurden bei einem externen IT-Dienstleister installiert – sieben Clients im Unternehmen greifen per Standleitung darauf zu. „Diese Lösung spart IT-Investitionen und einen internen Spezialisten“, freut sich Benjamin Kirchner. Da die Daten im Altsystem nicht mehr den Anforderungen der modernen Lösung entsprachen, baute Wagner mit der Einführung einen komplett neuen Datenstamm mit neuen Nummernkreisen auf. „Der hohe Arbeitsaufwand für diesen Neustart hat sich im Nachhinein rentiert“, sagt Roland Kirchner. Trotz dieser Belastung dauerte die gesamte Implementierungsphase nur drei Monate. „Als erfahrener ERP-Verantwortlicher in einer früheren Firma wusste ich, worauf ich achten muss“, sagt Roland Kirchner. „Unser Partner Sack EDV-Systeme unterstützte uns dabei. So konnten wir Termine und Budget einhalten.“

Bedarfsorientierte Bestellungen

Die auf Fertigungsunternehmen zugeschnittenen Funktionen von Bios2000 ergeben Verbesserungen der Arbeitsabläufe und ihrer Dokumentation, die etwa eine Zertifizierung des Qualitätssicherungssystems nach DIN ISO 9001 erleichtert haben. Zahlreiche Features führen zu Kostensenkungen. Die vielfältigen Rohmaterialien, von Kunststoffen bis zu hochlegiertem Werkzeugstahl, wurden früher nach Nettobedarfsliste mit dem Auftragseingang beschafft. Heute wird erst bei der Freigabe eines Fertigungsauftrags bedarfs­orientiert bestellt. Das System schlägt dazu nicht nur einen Lieferanten vor – es errechnet den genauen Bedarfszeitpunkt und berücksichtigt exakt die Wiederbeschaffungszeit. „So konnten wir die Liegezeiten und damit die Kapitalbindung im Lager reduzieren“, sagt Benjamin Kirchner. Eine Funktion zur Verwaltung von Abrufaufträgen erleichtert die wirtschaftliche Fertigung wiederkehrender Bauteile und Baugruppen. Verschiedene Möglichkeiten zur Angebotserstellung erhöhten die Treffsicherheit. Vorläufer oder ähnliche Aufträge werden schnell gefunden und abgewandelt. Genaue Werte aus der Nachkalkulation lösen einen Lerneffekt aus. Besonders wichtig ist die Chefübersicht: Hier werden Kennzahlen wie Auftragseingang, Zahlungseingang oder Umsatz in Echtzeit grafisch präsentiert. „Weil wir damit Veränderungen schneller voraussehen können, haben wir unser Rating verbessert“, meint Roland Kirchner.

 

Just in time

Als wertvolles Werkzeug für das wachsende Unternehmen erwies sich das neue MES-System für die Fertigungsfeinplanung. Alle Arbeitsgänge können vollautomatisch einem Arbeitsplatz zugewiesen werden. Dabei hat die Arbeitsvorbereitung die Möglichkeit, Alternativkapazitäten anzugeben. Der automatischen Planung im Echtzeitmodus können verschiedene Strategien vorgegeben werden, um beispielsweise die Rüstzeiten zu minimieren oder bestimmte Maschinen oder Maschinengruppen optimal auszulasten – immer mit dem Ziel, die Termintreue zu erhöhen. Die „Just in time“-Strategie verkürzt die Durchlaufzeiten und senkt die Lagerkosten. Auch die Verfügbarkeit der wichtigsten Ressourcen wird überprüft: Fehlt etwa für einen Arbeitsgang das Rohmaterial, wird dieser automatisch verschoben. Doch bei aller Automatik bleiben ausreichende Eingriffsmöglichkeiten erhalten: „Jedem Bauteil kann ich eine eigene Priorität zuordnen“, sagt Betriebsleiter Vedat Ülker. „Wenn ich etwas ändere, erkenne ich sofort alle Auswirkungen auf andere Aufträge.“ Jede Einplanung wird mit den Verantwortlichen an den Maschinen durchgesprochen. Wird die Änderung gespeichert, verschiebt sich die Auftragsreihenfolge automatisch an den Terminals im Betrieb. „Wir erkennen, wo Terminprobleme oder Engpässe auftreten und können rechtzeitig eingreifen“, sagt Roland Kirchner.
Bereits in der Angebotsphase zeigt ein Blick in die Fertigungsfeinplanung, zu welchem Termin eine gewünschte Lieferung bestätigt werden kann. Je nach Fragestellung lassen sich Arbeitsgänge nach Status, Termin oder Kunde kategorisieren. Die Abhängigkeiten in Baugruppen lassen sich ebenso erkennen wie der Arbeitsvorrat an einer bestimmten Maschine. „Durch ProMExS haben wir unsere Maschinenlaufzeiten erweitert“, sagt Roland Kirchner. „Die Schichtplanung ist keine kurzfristige Angelegenheit mehr, sondern wird rechtzeitig mit den Mitarbeitern durchgesprochen.“ Durch geringere Rüst- und Nebenzeiten konnte die Durchlaufzeiten an den Maschinen verkürzt werden.
Besonders in den Bürobereichen bemerkt man die Zeitersparnis bei der Erstellung von Arbeitsplänen, der Vor- und Nachkalkulation wie auch in der Materialwirtschaft. „Alles geht schneller, so dass wir einen höheren Umsatz mit der gleichen Mannschaft erzielen können“, sagt Roland Kirchner.

Wagner GmbH

  • Gründung: 1939
  • Branche: Fertigung, Ausrichtung auf Werkzeug-, Vorrichtungs- und Prototypenbau
  • Standort: Mannheim
  • Produkte: Fertigung von technisch hochwertigen Bauteilen für die Medizintechnik, Elektronik-, Automobil- und Getränkeindustrie

www.wagmbh.de

Bildquelle: © Wagner GmbH


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