25.04.2012
Cloud Computing
Von: Ingo Steinhaus

Online-Speicher

Stürmische Entwicklung der Cloud

Google Drive ist da und die Konkurrenz verbessert ihre Services: Dropbox bietet jetzt Links und SkyDrive hat endlich einfach zu bedienenden Client.


Google Drive als Dokumentenzentrale: Filmstill aus dem Produktvideo

Bewegung im Markt der Online-Festplatten: Zum Start des lange erwarteten Dienstes "Google Drive" sind Dropbox und SkyDrive noch mit ein paar neuen Funktionen aufgewertet worden. Auch andere Konkurrenten wie Box.net ziehen nach und erweitern beispielsweise den kostenlosen Speicherplatz.
http://www.dropbox.com/

Dropbox ist trotz des recht geringen Gratisspeichers von zwei Gigabyte der Marktliebling und hat eine riesige Anwenderbasis. Die hat das Unternehmen jetzt mit einer interessanten und bisher nur von Sharehostern bekannten Funktion überrascht. Nun ist es möglich, Links zu Ordnern, Bildern, Videos, PDFs oder anderen Dokumenten zu erzeugen. Die Links zeigen die Inhalte auf einer speziellen Seite im Browser an und erlauben den Download der Dateien - auch von Leuten, die keine Dropbox-Kunden sind.

Der größte Vorteil des Dropbox-Angebots war bisher die Verbreitung auf allen Geräten und die unkomplizierte Bedienung. Für alle wichtigen Betriebssysteme (Desktop und mobil) gibt es Dropbox-Clients. Unter Windows zum Beispiel erscheint einfach ein neuer Ordner namens Dropbox, der mit Dateien und weiteren Ordnern befüllt werden kann. Sein Inhalt landet dann online in der Dropbox.

Diese Funktion ist so praktisch, dass es eigentlich unverständlich ist, warum Microsoft sein SkyDrive nicht schon längst damit aufgewertet hat. Erst seit wenigen Tagen gibt es einen speziellen Client für Windows, der die Dateiverwaltung mittels Ordner erlaubt. Immerhin: Auch Clients für den Mac und iOS sind auf dem Markt, aber leider nicht für Android. Das hauseigene Windows Phone besitzt natürlich ebenfalls eine eigene App.

Bisher überzeugte SkyDrive vor allem durch seinen wahrhaft gigantischen Gratisspeicher von 25 Gigabyte. Dies hat Microsoft nun korrigiert und auf sieben Gigabyte heruntergesetzt. Das ist nur auf den ersten Blick unverständlich, denn Microsoft bereitet sich offensichtlich auf den (erhofften) Massenandrang durch Windows 8 vor. Da SkyDrive ein automatisch konfigurierter Bestandteil von Windows 8 ist, muss Platz für die zahlreichen Neulinge geschaffen werden.

Ein Tipp am Rande: Bisherige SkyDrive-Nutzer können im Moment ein kostenloses "Backgrade" auf 25 Gigabyte anmelden, ein Klick auf die entsprechende Upgrade-Funktion reicht. Außerdem hat Microsoft seine Preispolitik angepasst: Zusätzliche 20 Gigabyte kosten lediglich acht Euro im Jahr (!), das Maximum von 100 Gigabyte ist ebenfalls recht günstig: 37 Euro pro Jahr.

Das neue Google Drive ist da schon deutlich teurer: 25 GB kosten etwa 22 Euro und 100 GB 45 Euro im Jahr. Da wenigstens im Moment in Dollar berechnet wird, können die Preise aber etwas schwanken. Microsoft hat also im Preiskampf die Nase vorn, auch gegenüber der recht teuren Dropbox. Doch Google wäre nicht Google, wenn es sich bei dem neuen Dienst nur um einen Dropbox-Klon handeln würde.

Google Drive ist ein stark mit Google Docs verknüpfter Online-Dateispeicher. Die Nutzer können innerhalb von Google Drive Office-Dokumente anlegen und Bilder, Dokumente oder Videos mit Google+-Freunden oder anderen Personen teilen. Eine interessante Funktion ist die Möglichkeit, Apps für Google Drive zu nutzen. So wird es möglich sein, bestimmte andere Dienste gemeinsam mit Google Drive zu nutzen - zum Beispiel Mindmeister, AutoCAD Webservice, Cloud-Dienste für Bildbearbeitung und vieles mehr.

Google Drive zielt also auf zwei Märkte: Einerseits auf den Markt der Online-Festplatten und andererseits auf den größtenteils noch unerschlossenen Markt der Online-Officepakete. Dabei nutzt es einen einfachen Trick: Mit Browser-Apps für externe Dienste wie Mindmeister (Mindmaps) wird Google Docs attraktiver. Auch ein elegant-simpler Client in Ordnerform unter Windows dürfte dem Dienst auf die Beine helfen.

Beide Wege ist auch Dropbox gegangen, aber vorwiegend auf dem Smartphone und dem Tablet. Grund für die enorme Popularität des Tools ist die Anbindung zahlreicher populärer Apps, die Dropbox als externes Speichermedium anbieten oder ein Backup wichtiger Daten in der Dropbox erlauben. Die Reaktion des Marktführers auf den Nachzügler Google Drive könnte interessant werden ...

Bildquelle: Google / Produktvideo


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