28.11.2011
Business Intelligence
Von: Michael Umlauf

Logica verweist auf BI-Analysen

Restrisiko Kreditklemme

Kaum ist die Finanz- und Wirtschaftskrise vorbei, scheint sie schon wieder vor der Tür zu stehen. Die neue Bankenregulierung Basel III, eine der Konsequenzen aus der Krise, sollte das eigentlich verhindern. Stattdessen führen die geforderten höheren Eigenkapitalquoten zu einer Kreditklemme, die vor allem den Mittelstand betrifft. Doch der kann darauf offensiv reagieren.


Wer nach Basel III einen Kredit bekommen will, muss Geschäftszahlen transparent machen.

„Auch die mittelständischen Kunden werden sich anpassen müssen“, beschrieb der Bundesverband der deutschen Banken die Situation für den Mittelstand, angesichts von Basel III, der neuen Bankenregulierung nach der Finanzkrise. Diese fordere von den Instituten erhöhte Eigenkapitalquoten und zwinge sie zu einer Minimierung der Kreditrisiken, weshalb sie mehr Sicherheiten von den Unternehmen einfordern würden, so der Verband drei Monate nach dem Beschluss zu Basel III. Das Regelwerk geht auf den Baseler Ausschuss für Finanzaufsicht zurück, den die G-10-Länder Mitte der 1970er Jahre gegründet haben, um eine einheitliche Kontrolle über die Finanzbranche zu ermöglichen.

Was „mehr Sicherheiten“ im Detail heißt, zeigt eine Studie. Bisher mussten Finanzinstitute für einen durchschnittlichen Mittelstandskredit über 10 Millionen Euro 200.000 Euro hartes Kernkapital („Core-Tier-1“) und fast eine halbe Million Euro Kernkapital („Tier-1“) vorhalten. Mit dem Inkrafttreten von Basel III steigen diese Anforderungen ab 2013 auf 700.000 Euro und 850.000 Euro, errechnet die vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft beauftragte Studie. Dieser Zuwachs von stolzen 250 Prozent bzw. 112,5 Prozent schmälere den Umsatz im Mittelstand um ganze zwei Prozent, so Martin Uzik, einer der Autoren der Studie.

Paradoxe Kapitalanforderungen

Ein alarmierender Ausblick für den Mittelstand, verursacht durch widersprüchliche Regularien. Gemäß den aktuellen Vorschlägen des Basler Ausschusses für Bankenaufsicht entfallen zwei Drittel des höheren Kapitalbedarfs auf das Kreditgeschäft, das Unternehmen mit neuem Geld versorgt. Ein Drittel entfällt auf das Handelsgeschäft, das in Geschäften mit Verbriefungen, Derivaten und ähnlichen Produkten besteht. Diese Geschäftsart bescherte den Banken während der Finanzkrise zwei Drittel ihrer Nettoverluste. Doch obwohl die Handelsgeschäfte mehrheitlich für die Krise verantwortlich waren, müssen sie mit Basel III geringere Kapitalanforderungen aufweisen als die Kreditgeschäfte. Das wiederum trifft unmittelbar mittelständische Unternehmen.

Den durch Basel III erzeugten Druck auf die Banken geben die Institute an den Mittelstand weiter, indem sie größere Sicherheiten verlangen. Die Sicherheit der Unternehmen bewerten die Banken auf Basis eines Ratings, das die Kreditwürdigkeit der Unternehmen quantifiziert. Die Ratings leiten sich aus den Unternehmensbilanzen der vergangen Jahre ab und berücksichtigen somit auch die Einbußen durch die Krise, was die Sicherheiten der Unternehmen mindert. Während Basel III mehr Eigenkapital von den Banken und damit mehr Sicherheiten von Kreditnehmern verlangt, kommen krisengeschüttelte Unternehmen nicht an neues Geld, weil sie ihre Sicherheiten nicht ausreichend nachweisen können. Im schlimmsten Fall wird der Kredit selbst dann abgelehnt, obwohl sich die wirtschaftliche Situation bereits wieder erheblich verbessert hat. Diesen Teufelskreis kann der Mittelstand am schnellsten durchbrechen, indem er sich nicht den Ratings der Banken ausliefert, und stattdessen selber Analysen anstellt, die seine Kreditwürdigkeit aussagekräftig belegen.

Alternative Analysen

Mit Lösungen aus dem Bereich Business Intelligence (BI), beispielsweise ein Kernthema des Beratungsunternehmens Logica, können mittelständische Unternehmen ihre Wirtschaftsdaten auswerten und so ihre Sicherheiten alternativ nachweisen. So können z.B. die Kennzahlen zur Lagerentwicklung und Umsatzstruktur je Kunde oder Zulieferer in Berichte eingebunden und automatisiert aufgezeigt werden. Aber auch die Auswirkungen von Risiken können simuliert werden, da Zusammenhänge regelbasiert modelliert werden können.

BI-basierte Analysen setzen sich aus zwei Komponenten zusammen: dem Reporting mithilfe eines Data Warehouse und der Risikobewertung, gestützt auf Planungsinstrumenten. Dabei darf man allerdings nicht der Vorstellung verfallen, die Kreditvergabe könne mit einem einzigen technischen System unterstützt werden. Vielmehr ist ein vielstimmiges Orchester an Planungstools nötigt, das exakt auf das Unternehmen zugeschnitten ist. Grundlegend sind drei Instrumente: erstens, ein Projekt- oder Maßnahmenmanagementinstrument. Zweitens, ein Berichtswesen, in das auch die Ergebnisse der laufenden Risikobeobachtung integriert werden können. Und drittens, ein Risikoaggregations- und Simulationsinstrument. Die BI-Analyse ist somit kein abgeschlossenes System oder technisches Instrument, sondern ist in alle Unternehmensprozesse und Systeme verankert und verändert sich mit sich wechselnden Umfeldbedingungen, Strategien und Prozessen des Unternehmens.

Mehr als nur Kreditinstrument

BI unterstützt das Unternehmensmanagement bei jeglichen Entscheidungsfindungen, weil Daten aus einer Vielzahl von Quellen gesammelt und analysiert werden und Mittelständler daraus unternehmensrelevante Informationen ziehen können. Somit kann BI nicht nur für die Umgehung der Kreditklemme genutzt werden, sondern stellt auch die Basis für die Lösungen zukünftiger Problem bereit. Denn Basel III wird nicht die letzte Regulierung gewesen sein – was dem deutschen Bankenverband bereits im Dezember 2010 bewusst war: „Das Bankgeschäft und insbesondere das Kreditgeschäft stehen vor einem weiteren Umbruch. Banking 2020 wird sich vom Geschäft im Jahre 2010 deutlich unterscheiden.“

Bildquelle: Logica


WEB-Special

SBS Software
dem prüfer einen schritt voraus


Mittels professioneller Werkzeuge kann sich ein Prüfer heutzutage recht schnell einen Überblick über komplexe Datenbestände verschaffen, um steuerlich relevante Sachverhalte....
   
mehr lesen »

            

             

Aktuelle Ausgabe

Titelinterview
mit Ralf Ahamer, Vorstand der Hotel.de AG

Software
DMS: Durchblick im Dokumenten-Dickicht

Infrastruktur
Sicherheit: Ausspioniert und ausgeraubt!

Ralf Ahamer, Vorstand der Hotel.de AG

Interview mit Ralf Ahamer, Vorstand der Hotel.de AG für Marketing, Produktmanagement und IT über über den Einfluss von Mobilität und Social Media auf das Konsumentenverhalten... mehr lesen »


Durchblick im Dokumentendickicht

Die Informationsflut in den Unternehmen steigt ununterbrochen. Auch Mittelständler haben mit
ihr zu kämpfen und setzen vermehrt auf ent-
sprechende Dokumentenmanagementsysteme (DMS). Doch was ist hier sinnvoller – der Einsatz einer Inhouse-Lösung oder die Cloud-Variante?... mehr lesen »


Ausspioniert und ausgeraubt!

Nicht nur für Großkonzerne, sondern auch im Mittelstand stellt das Thema Industriespionage ein immer größeres Problem dar. Warum gibt es noch immer so viele Sicherheitslücken in der Unternehmens-IT und wo kommen die Angreifer her?... mehr lesen »