28.06.2012
Interview, IT-Dienstleistung

Thomas Plünnecke, 1&1

Rechtzeitig starten!

Interview mit Thomas Plünnecke, Pressereferent der 1&1 AG


„Eine Herausforderung kann der Umzug von Webseiten mit dynamischen Inhalten sein“, weiß Thomas Plünnecke, Pressereferent der 1&1 AG.

ITM: Herr Plünnecke, der Markt wird von Internet-Service-Providern (ISP) regelrecht überflutet. Wie ist es da noch möglich, sich gegenüber der Konkurrenz abzuheben?
Thomas Plünnecke:
Bei der Entwicklung unserer Angebote legen wir Wert auf komplette Lösungspakete mit hohem Nutzwert und niedrigen Einstiegshürden. Unsere Kunden profitieren außerdem von hoher Sicherheit. Alle Daten werden in unseren Hochleistungsrechenzentren gespeichert, die Schutzvorkehrungen vor Stromausfällen, Feuer oder anderen Gefahrenquellen bieten. Als einer der ersten Provider weltweit haben wir beispielsweise den doppelten Schutz einer georedundanten Servertechnologie für Budget-Hosting eingeführt. Diese aufwändige standortübergreifende Absicherung garantiert an 365 Tagen pro Jahr eine maximale Verfügbarkeit, weil jeder Online-Auftritt in zwei unterschiedlichen Hochleistungsrechenzentren gleichzeitig existiert. Sollte an einem der Standorte unerwartet ein Server ausfallen, werden die anstehenden Aufgaben automatisch von dessen Pendant übernommen. Durch das jederzeit mögliche Schwenken zwischen den beiden identischen Plattformen können wir u.a. auch Updates und planmäßige Wartungsarbeiten vornehmen, ohne dass es zu Beeinträchtigungen kommt.

ITM: Was sind die typischen Aufgabenfelder eines Internetdienstleisters?
Plünnecke:
1&1 ist ein Full-Service-Anbieter, der kleinen und mittelständischen Unternehmen alles zur Verfügung stellt, was sie für ihren Geschäftserfolg im Internet benötigen. Unsere Produktpalette reicht von dedizierten Servern über Business-Homepages und E-Shops bis hin zur elektronischen Zahlungsabwicklung, Mail-Lösungen, Groupware oder Cloud-Applikationen.

ITM: Welche Abrechnungsmodelle und Vertragslaufzeiten gibt es?
Plünnecke:
Im klassischen Webhosting bieten wir verschiedene Homepage-Lösungen im Abo-Modell an. Die Mindestvertragslaufzeit beträgt dabei jeweils sechs Monate.

ITM: Unter welchen Umständen kann der Anwender bereits vor Vertragsende den Provider wechseln?
Plünnecke:
Bei uns haben Anwender die Möglichkeit, jedes Produkt einen Monat lang ohne Risiko zu testen. Wer nicht überzeugt sein sollte, kann während dieses Zeitraums ganz einfach kündigen. Ein kurzer Anruf, eine E-Mail oder ein Brief genügen uns bereits – eine nähere Begründung ist nicht nötig.

ITM: Was sind typische Gründe für einen Providerwechsel?
Plünnecke:
Viele Anwender wechseln beispielsweise zu uns, weil ihnen der bisherige Provider zu teuer war, der Service nicht ihren Vorstellungen entsprach oder die Verfügbarkeit zu wünschen übrig ließ.

ITM: Welche Hausaufgaben haben Anwender und Anbieter zu erledigen, damit ein Wechsel reibungslos über die Bühne geht? Welche einzelnen Schritte sind notwendig?
Plünnecke:
1. Rechtzeitig starten: Es ist ratsam, die erforderlichen Schritte nicht erst kurz vor knapp einzuleiten. Idealerweise sollte man den Umzug gut einen Monat vor dem Auslaufen der Domain starten.

2. Kontaktmöglichkeiten prüfen: Damit man Nachrichten vom neuen Provider oder der zuständigen Vergabestelle erhalten kann, ist es wichtig, eine aktuelle E-Mail-Adresse anzugeben. Wer einen Domain-Umzug plant, sollte daher die hinterlegten Kontaktmöglichkeiten lieber zweimal prüfen.

3. Zustimmung einholen: Um den Umzug technisch in die Wege leiten zu können, benötigt der neue Anbieter natürlich eine Erlaubnis. In der Regel wird die Zustimmung in Form eines Autorisierungscodes erteilt, der je nach Domain-Namen aus sechs bis 32 Zeichen besteht. Den Code erhält man vom aktuellen Anbieter, der zur Herausgabe an den Domain-Inhaber oder administrativen Ansprechpartner verpflichtet ist. Bei .de-Domains gibt es die Besonderheit, dass der Code nur 30 Tage gültig ist. Außerdem dürfen bestimmte Zeichen nicht verwendet werden. Dies betrifft u.a. den Großbuchstaben O wie Otto, weil eine Verwechselung mit der Ziffer 0 (Null) möglich ist.

4. Daten sichern: Bei einem Domain-Umzug wird lediglich die Domain selbst umgezogen, nicht die mit der Domain verbundenen Daten. Anwender sollten daher vor dem Domain-Umzug unbedingt eine vollständige Datensicherung vornehmen. Dazu gehört alles, was per FTP hochgeladen worden ist – z.B. die eigene Homepage. Bestehende Datenbanken sollten ebenfalls gespeichert werden.

5. Mailbetrieb gewährleisten: Besondere Aufmerksamkeit gilt auch den privat oder beruflich genutzten E-Mail-Accounts. Vor dem Domain-Umzug ist es empfehlenswert, eine detaillierte Aufstellung aller benötigten E-Mail-Adressen und Postfächer sowie eventueller Weiterleitungen zu machen. Darüber hinaus sollte der gesamte Mailverkehr vollständig archiviert werden. Spezielle Software hierfür steht im Netz zum Gratis-Download zur Verfügung. Nach dem erfolgreichen Domain-Umzug lassen sich dann neue Postfächer einrichten und die archivierten Nachrichten wiederherstellen. Ein Tipp: Um für Verwandte, Freunde oder Geschäftspartner erreichbar zu sein, können Anwender ihre E-Mails während des Umzugs auf eine externe Adresse umleiten (kostenlos z.B. bei GMX).

ITM: An welchen Punkten treten häufig Probleme auf?
Plünnecke:
Eine Herausforderung kann der Umzug von Webseiten mit dynamischen Inhalten sein. Auch der Umzug von Webseiten, die mit einem Baukasten erstellt wurden, ist nicht ganz so einfach, weil das System nicht von einem zum anderen Anbieter übertragen werden kann.

ITM: Inwiefern gibt es bereits Standardisierungen, die einen Umzug – nicht nur der Domain, sondern mit sämtlichen Inhalten – erleichtern?
Plünnecke:
Die Umzugsverfahren haben sich in den vergangenen Jahren insgesamt stark beschleunigt. Da die Verfahren mittlerweile bekannt und gut umgesetzt sind, beispielsweise eben durch standardisierte Prozesse, treten Probleme in der Regel nur noch in einigen wenigen Ausnahmefällen auf.

ITM: Was versteht man in diesem Zusammenhang unter der Konnektivitätskoordination?
Plünnecke:
Dieser Vorgang der Verhandlung eines Domain-Umzugs wurde von der Denic vor einiger Zeit abgeschafft. Heute werden Domain-Umzüge nach dem sogenannten Change Provider Process abgewickelt. Gibt ein Nutzer seine Domain für den Umzug frei, erhält er von seinem Provider einen Authcode. Versucht er nun bei einem anderen Anbieter diese Domain zu registrieren, wird er darauf hingewiesen, dass diese bereits registriert ist. Gleichzeitig wird abgefragt, ob ein Domain-Umzug durchgeführt werden soll. Bestätigt der Nutzer dies, wird er aufgefordert, den vorher generierten Authcode einzugeben. Nun wird die Domain zum anderen Provider umgezogen und der Prozess ist abgeschlossen.

ITM: Welche Absicherung/Rechte hätte ein Anwender, wenn der Webhoster aus unvorhersehbaren Gründen seinen Betrieb einstellt?
Plünnecke:
Wir haben Schutzvorkehrungen getroffen, um unseren Kunden an 365 Tagen pro Jahr eine maximale Verfügbarkeit von 99,99 Prozent garantieren zu können. Unsere Rechenzentren gehören zu den modernsten und sichersten in ganz Europa. Bei Baden-Baden nutzen wir beispielsweise einen ehemaligen Militärbunker der kanadischen Luftwaffe, dessen meterdicke Wände nicht nur Bomben, sondern sogar einem Boeing-747-Absturz standhalten können. Selbst für Katastrophenfälle wie ein Erdbeben haben wir vorgesorgt, indem wir die zugrunde liegende Basisinfrastruktur ausfallsicher über drei Rechenzentren auf zwei Kontinenten realisiert haben.

ITM: Wie wird sich der Hosting-Markt Ihrer Ansicht nach in den nächsten zwei bis drei Jahren entwickeln?
Plünnecke:
Cloud Computing ist und bleibt einer der wichtigsten IT-Trends der nächsten Jahre. 1&1 ist in diesem Zukunftsmarkt schon heute gut positioniert. Wir bieten kleinen und mittelständischen Unternehmen u.a. Online-Storage oder ein komplettes Office-Paket in der Cloud. Mit dem Dynamic-Cloud-Server stellen wir außerdem ein neuartiges Servermodell zur Verfügung. Das Besondere ist die Flexibilität: Arbeitsspeicher, Prozessorleistung und Festplattenplatz lassen sich während der gesamten Vertragslaufzeit an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Ein Up- oder Downgrade dauert in der Regel weniger als fünf Minuten. Wie für Cloud-Technologien üblich wird lediglich die tatsächlich gebuchte Leistung berechnet. Passend zum Dynamic-Cloud-Server haben wir eine App entwickelt, die mobiles Servermanagement ermöglicht.


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