22.02.2012
IT-Finanzierung

Kai-Otto Landwehr, SFS

Raum für Optimismus

Interview mit Kai-Otto Landwehr, Geschäftsführer der Siemens Finance & Leasing GmbH


Kai-Otto Landwehr ist Geschäftsführer der Siemens Finance & Leasing GmbH.

ITM: Herr Landwehr, inwiefern wirken sich negative Konjunkturnachrichten derzeit auf die Stimmung und das IT-Investitionsverhalten im Mittelstand aus?
Kai-Otto Landwehr:
Angesichts der labilen Weltwirtschaftslage und der Staatsschuldenkrise in Europa mögen einige Unternehmen bei ihren Investitionstätigkeiten etwas zurückhaltend sein. Das Gesamtbild sieht allerdings positiv aus. Laut der Unternehmerumfrage 2011/2012 des Bundesverbandes für die mittelständische Wirtschaft (BVMW) empfinden nahezu 70 Prozent der Befragten die gegenwärtige Geschäftslage als gut oder sehr gut. Mehr als 30 Prozent der Unternehmen glauben zudem, dass sich ihre Geschäftslage in den kommenden sechs Monaten noch günstiger entwickeln wird. Die Rahmenbedingungen für Investitionen sind generell gegeben, und es bleibt Raum für Optimismus.

ITM: Ist für Sie als Anbieter die Beeinflussung spürbar? Wie groß schätzen Sie die Investitionsbereitschaft im Vergleich zum Vorjahr ein?
Landwehr:
Aktuellen SFS-Studienergebnissen zufolge, hat die Investitionsbereitschaft im letzten Jahr eine deutliche Aufwärtsbewegung verzeichnet. In welchem Ausmaß diese auch 2012 anhält, lässt sich momentan schwer abschätzen. Umfragen zufolge, bleibt der Investitionswunsch aber ungebrochen. Für den Mittelstand wird demnach erwartet, dass rund 30 Prozent der Unternehmen ihr Investitionsvolumen 2012 steigern, knapp die Hälfte der Betriebe möchte genauso viel investieren wie in 2011.

ITM: In welche Technologien wird der Mittelstand Ihrer Meinung nach 2012 am meisten investieren?
Landwehr:
Mittelständische Unternehmen wollen effizienter, kundenorientierter und kostensparender arbeiten. Daher werden sie voraussichtlich in Softwarelösungen sowie Systeme zu Customer-Relationship-Management (CRM) und Dokumentenmanagement (DMS) investieren. Auch Cloud Computing und mobile Technologien finden immer mehr Anhänger im Mittelstand.

ITM: Investitionen müssen finanziert werden. Was sind gute Gründe für eine IT-Finanzierung anstatt eines Barkaufs?
Landwehr:
Eine IT-Finanzierung durch Leasing macht aus mehreren Gründen Sinn. Wer heute investiert, will flexibel bleiben und sich nicht langfristig an Systeme binden, die durch den technischen Fortschritt bald schon überholt sind. Mit Hilfe alternativer Finanzierungslösungen können Unternehmen frühzeitig technologische Weiterentwicklungen einführen. Neben kalkulierbaren monatlichen Zahlungen, können so Anpassungen an betriebliche Anforderungen gewährleistet sowie eine unnötige Bindung von Kapital in Anlageninvestitionen vermieden und die Wettbewerbsfähigkeit gesteigert werden.

ITM: Was sollten die Unternehmen bei der Entwicklung ihrer Finanzierungsstrategie berücksichtigen?
Landwehr:
Der eingeschränkte Zugang zu Finanzierung hemmt das Wachstum deutscher Unternehmen. Die Kreditklemme zeigt, wie wichtig es für Unternehmen ist, sich nicht auf eine einzige Finanzierungsquelle zu verlassen. Unternehmen sollten daher versuchen, ihre Abhängigkeit von der Kreditfinanzierung zu verringern und alternative Wege zur Beschaffung des benötigten Kapitals aufzutun. Nur wer eine breitere Palette an Methoden der Anlagenfinanzierung in Betracht zieht, kann flexibel auf Marktschwankungen reagieren und sichert sich so einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

ITM: Welche Bedeutung schreiben Sie in diesem Zusammenhang der Innenfinanzierung zu?
Landwehr:
Die Innenfinanzierung ist im Mittelstand eher ein seltenes Finanzierungsinstrument. Für die Beschaffung von Kapital greifen Unternehmen hier vielmehr auf Bankkredite zurück. Dies stellte sich durch die Krise oftmals als Nachteil heraus. Eine wirksame Finanzierungsstrategie sollte daher eine breite Palette an Finanzierungsmethoden umfassen. Unternehmen müssen aus mehreren Finanzierungsquellen schöpfen können und nicht nur auf eine Hausbank oder auf die Finanzierung durch eigene Betriebsmittel setzen.

ITM: Welche Vorteile bieten alternative Finanzierungsmodelle gegenüber der Kreditfinanzierung?
Landwehr:
Generell hat der Kunde natürlich die Möglichkeit, entweder mit Hilfe seiner Hausbank oder von SFS gewünschte Anlagen und/oder Equipment zu finanzieren. Als Teil eines Industriekonzerns hat SFS aber den Vorteil, das Geschäft und die Herausforderungen der Kunden zu kennen. Aufgrund unseres Industrie-Know-hows als auch unserer Finanzierungsexpertise können wir den Kunden ein passendes und individuelles Finanzierungspaket gestalten und flexible und nutzungsbasierte Finanzierungen bieten, z.B. in Form von Pay-per-Use-Modellen.

ITM: Sind die jeweiligen Finanzierungsmodelle branchenabhängig?
Landwehr:
Generell sind die Finanzierungsmodelle branchenunabhängig. Der Fokus unserer Aktivitäten liegt jedoch in den Bereichen Gesundheitswesen, Industrie sowie Informations- und Kommunikationstechnologie. Neben den Unternehmen aus der Privatwirtschaft zählen wir auch den öffentlichen Sektor zu unseren Kunden.

ITM: Welche Finanzierungsmöglichkeiten offerieren Sie konkret mittelständischen Kunden?
Landwehr:
Wir bieten gemeinsam mit unseren Vendoren Fujitsu und SAP immer wieder auch auf den Mittelstand gerichtete Aktionen an, wie z.B. eine 0%-Finanzierung oder PC-Programme für Mitarbeiter. Generell richtet sich unser Angebot an  Unternehmen aller Größen mit einem umfangreichen Spektrum an innovativen Finanzierungslösungen wie beispielsweise Finanzierungs-Leasing, Operating Lease, Mietkauf, Miete, Softwarefinanzierungen sowie Managed Services.


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