03.08.2012
Business-Software
Von: Hanna Greve

FEV setzt auf ERP-System von IFS

Projektübersicht als Schlüssel zum Erfolg

Das Engineering-Unternehmen FEV steuert seit mehr als zehn Jahren seine projektbezogenen Geschäftsprozesse mit einem ERP-System, dessen neueste Version die Prozesse weiter standardisiert und weltweite Rollouts durch Einführung eines FEV-Templates ermöglicht.


Am Standort Aachen gehören unter anderem 50 Motor- und Antriebsstrangprüfstände, ein Strömungslabor sowie drei Rollenprüfstände zum Inventar.

Die Automobilindustrie entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten insbesondere in Deutschland zu einer Branche, die die technologische Entwicklung maßgeblich prägt. Viele dieser technischen Errungenschaften wurden allerdings nicht von den Automobilherstellern selbst entwickelt, sondern von Zulieferern und speziellen Engineering-Unternehmen, deren Aufgabe es ist, als Entwicklungsdienstleister bestehende Komponenten weiterzuentwickeln.

Die in Aachen ansässige FEV ist eines der führenden Unternehmen für Engineering. Das Unternehmen, das heute weltweit vertreten ist, befasste sich anfangs primär mit Antriebstechnik. Ein Schwerpunkt lag bei der Entwicklung von Kraftfahrzeugkomponenten – daneben wurden auch andere Antriebssysteme entwickelt, beispielsweise für Schiffe und Züge. In den letzten Jahren hat FEV das Spektrum der angebotenen Dienstleistungen erweitert, es umfasst heute neben der Motorentechnik auch Fahrzeugintegration, Getriebetechnik, Fahrwerk, Elektronik und Elektroantriebe. Dazu beschäftigt sich das Unternehmen mittlerweile auch mit Entwicklungsprojekten auf Gebieten wie der Energietechnik oder der Windenergie.

Den Projektbezug abbilden

Gemeinsam ist allen Aufgabengebieten der starke Projektbezug. Selbst von FEV gefertigte Geräte werden in Projektstrukturen abgebildet und gesteuert. Die Entwicklungsprojekte haben je nach Aufgabenstellung eine Laufzeit von mehreren Wochen oder Monaten, in manchen Fällen auch von mehreren Jahren. Dieser starke Projektbezug war ein wesentliches Kriterium, als das Unternehmen vor etwa 13 Jahren sein neues ERP-System aussuchte.

Die FEV entschied sich damals nach gründlicher Evaluierung für den schwedischen Anbieter IFS. Dessen Lösung „Applications“ bildet langjährige Erfahrungen mit projektorientiert arbeitenden Unternehmen ab, beispielsweise im internationalen Anlagenbau bei der Herstellung von Kraftwerken oder Ölplattformen, und enthält bereits im Standard Projekt-Management-Funktionalität. „Mit Applications wurde die Differenzierung und Gliederung der Projekte möglich, die FEV bei einer ERP-Lösung benötigte“, erklärt Marianne Gillessen, Teamleiterin für MIS und ERP-Systeme bei FEV in Aachen.

So verfügt das System etwa über ein Rollenkonzept, das vom Projektverantwortlichen über den Teilprojektleiter bis zum Teammitglied reicht. Die Zugriffsrechte orientieren sich an der Aufgabenverteilung im Projekt und am aktuellen Status eines Prozesses. Für FEV ist diese Differenzierungsmöglichkeit zentral, da sich das Unternehmen in eine Vielzahl von technologisch ausgerichteten Business Units und branchen- beziehungsweise kundenspezifisch orientierten Business Regions gliedert. Das integrierte Projekt-Management-System erlaubt dabei die Vergabe von Kompetenzen, etwa bei der Planung der Budgets oder der Bestätigung des Projektfortschritts. Hierzu werden den Projektaktivitäten auf der untersten Planungsebene Zeiten und Kosten zugeordnet – Projektverantwortliche erhalten somit jederzeit eine aktuelle Budgetkontrolle.

Umstrukturierung berücksichtigt

Nach der Implementierung der ERP-Lösung im Jahr 2003 arbeitete FEV für einen längeren Zeitraum mit derselben Version des Systems. In der Tochtergesellschaft in Leipzig wurde 2008 die neue Version 7.0 mit siebenmonatiger Laufzeit implementiert. Eine im Jahr 2010 durchgeführte Neuordnung der Unternehmensstruktur musste zusätzlich im laufenden Projekt mit berücksichtigt werden. Bei dieser Umstrukturierung wurden die nationalen Gesellschaften in funktionell orientierte Business Units gegliedert, beispielsweise für „Konstruktion“ oder „Gerätebau“, um auf diese Weise das Controlling über die wachsenden internationalen Aktivitäten besser synchronisieren zu können. Das Unternehmen kann so besser ermitteln, welche Leistungen an welchem Standort am effizientesten erbracht werden können. „Unser Ziel war dabei auch, ein einheitliches ERP-System in allen Ländergesellschaften einzusetzen“, erläutert Gillessen. „Und diese Harmonisierung sollte natürlich mit der aktuellen Programmversion erfolgen.“ Auf Basis dieser Vereinheitlichung kann die Software von der Aachener Unternehmenszentrale aus zentral administriert und gewartet werden.

Natürlich hatte sich in der langen Nutzungsdauer seit 2003 auch die ERP-Lösung weiterentwickelt. Viele Funktionen, die FEV bisher über spezielle IFS-Anpassungen nutzte, wurden in dieser Zeit von IFS in den Standard-Funktionsumfang der Lösung übernommen. Insbesondere unterstützt die Lösung das proaktive Projektmanagement durch die Abfrage eines Estimate to completion (ETC). Durch die Migration auf die aktuelle Version konnte die Zahl der Anpassungen von insgesamt 128 auf etwa 30 verringert werden, so dass auch in funktioneller Hinsicht eine höhere Standardisierung erfolgte. Diese Strategie unterstützt heute Applications durch seine erweiterten Möglichkeiten beim Customizing durch den IFS Solution Manager. „Damit können wir individuelle Prozesse abbilden, ohne Modifikationen an der Software vornehmen zu müssen“, ergänzt Gillessen.

Die Herausforderung bei der Einführung der neuen Version bestand für FEV vor allem darin, dass der Wechsel innerhalb nur eines Monates erfolgen sollte. In diesem Zeitraum mussten sich mehr als 300 Ingenieure mit neuen Funktionen und teilweise auch mit neuen Bedienkonzepten vertraut machen. Die Standardisierung und die Vereinfachung des Rollouts durch das FEV-Template sind für FEV auch im Hinblick auf die Zukunft wichtig. Für die nächsten beiden Jahre ist geplant, weitere Komponenten der ERP-Lösung einzuführen, etwa den kompletten Bereich HR und das Risikomanagement in der Projektsteuerung. „Künftig werden wir mit der Implementierung neuer Versionen jedoch nicht mehr so lange warten“, meint Gillessen.

FEV GmbH

  • Branche: Engineering, Entwicklungsdienstleister für die Antriebs- und Fahrzeugtechnologie
  • Gründung: 1978
  • Sitz: Aachen, dazu Standorte u.a. in Leipzig, Detroit/USA, Dalian/China, Pune/Indien
  • Mitarbeiter: rund 1.000 in Deutschland

www.fev.com

Bildquelle: © FEV GmbH


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