ERP-Software bei Aton-Solar und Carl Stahl
Planspiele mit Folgen
Wie rentabel ERP-Programme für Unternehmen sind, zeigen zwei Beispiele aus dem Mittelstand.

Das Küchenstudio Helmut Hauck aus Schelklingen setzt auf Solarwatt mit Hilfe von Aton-Solar.
Manchmal ärgert sich Michael Aigner über seine Software. Der Großhändler sitzt im württembergischen Laichingen und verkauft bundesweit Solarmodule. Damit diese auf Hausdächern oder Energieparks Sonnenstrahlen in Strom umwandeln können, läuft bei Aigners Firma Aton-Solar eine rasante Prozessschleife. Lkw-weise kauft sein Team die rund zwei Quadratmeter großen Aluminiumrahmen an, in deren Mitte eine Verklebung aus Glasplatte, Folie und Solarzelle ein kleines Kraftwerk bildet. Am Fuße der Schwäbischen Alb wandern die Module ins firmeneigene Lager, wo sie kommissioniert werden und versandbereit auf ihre Auslieferung innerhalb der nächsten Tage warten.
Damit der Chef alle Warenflüsse überblickt und weil das mittelständische Unternehmen, das 2005 gegründet wurde, in 2012 auf mehr als 24 Mio. Euro Umsatz mit PV-Anlagen für Einfamilienhäuser und kleine Gewerbebetriebe wachsen will, kaufte Aigner vor vier Jahren ein ERP-Programm. Das bündelt neben den üblichen Angebots-, Auftragsbestätigungs-, Rechnungs- und Lieferdaten auch den Warenbestand und sortiert Bestellungen den 140 Stammkunden zu. Das sind Handwerksbetriebe und Solarfirmen, die die Module auf die Dächer montieren.
„Ärger gibt es mit dem Programm immer wieder bei Streckengeschäften“, sagt Aigner. Wenn etwa Speditionen Solarmodule direkt vom Hof des Herstellers auf die Baustelle liefern, andere Waren aber aus dem Lager hinzukommen. „Dann rutschen die Bestandsveränderungen durcheinander“, schimpft Aigner, weil die Software hier nicht alle Eventualitäten berücksichtige.
Immer wieder Ärger mit der Software
Wünschenswert wäre auch, wenn die Software Geldflüsse und Bankdaten abgleichen könnte. „So planen wir unsere Liquidität eben parallel zum Programm“, raunzt der Sonnenmodul-Großhändler. Hier soll ihn das ERP-System unterstützen. Mit Übersicht und regelmäßig gepflegt, liefere es Informationen über das Kaufverhalten der Kunden. „Wir sehen etwa, welche Betriebe ihr Zubehör nicht bei uns kaufen und können diese darauf ansprechen“, erklärt der Chef.
Ein anderes Beispiel: Seit 2004 setzt der Seil- und Hebetechnik-Spezialist Carl Stahl aus Süßen ein ERP-Programm ein. Inzwischen arbeiten alle 20 deutschen Service- und Produktionsstandorte mit der integrierten Software. Die Module decken praktisch alle Unternehmensbereiche ab. „Lagerware wie Seile oder Karabiner liefern wir um bis zu 50 Prozent schneller aus als früher“, sagt Controlling-Leiter Tobias Kehrer.
Rasantes Wachstum nicht ohne ERP
Hintergrund für die Automatisierung der Administration ist wie bei Aigner das rasante Wachstum. „Das wäre in diesem Tempo nicht ohne ERP gegangen“, meint Kehrer. Inzwischen hätten sich Lagerbestände um bis zu 15 Prozent reduziert, weil durch Auswertungen deutlich wurde, dass größere Zentrallager rentabler arbeiten als viele kleine Lagereinheiten.
In der Fertigung sieht es etwas anders aus. Kehrer schätzt, dass rund 70 Prozent der Produktion ERP-gestützt fertigt. Die Serien mit hohen Stückzahlen würden über das ERP-System abgewickelt, weil etwa Seile für die Türschlösser in Autos nach immer gleichen Regeln, mit denselben Maschinen, Kalkulationen, Stücklisten und Ressourcen gefertigt würden. Im Sonderbau, wenn es etwa um speziell konstruierte Lastaufnahmemittel geht, sei die ERP-Software derzeit noch nicht effektiv. Immer wenn geringe Stückzahlen aus unterschiedlichen Komponenten gefertigt würden, die man separat berechnen müsse, siegen herkömmliche Hilfsmittel wie Excel-Listen oder technische Zeichnungen gegenüber der pflegeintensiven ERP-Lösung.
Bildquelle: © Aton-Solar
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mit Dr.-Ing. Eggert de Weldige, Technischer Geschäftsführer der Maschinenfabrik Köppern, und IT-Leiter Andreas Engelbrecht
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