03.08.2012
Interview, Netz- Systemmanagement
Von: Sandy Wilzek

Steffen Rieger, IT-Novum

Open Source muss sich nicht verstecken

IT-MITTELSTAND befragte Steffen Rieger, Director of Infrastructure Solutions bei IT-Novum, über den sinnvollen Einsatz quelloffener Software im Netz- und Systemmanagement.


Steffen Rieger, Director of Infrastructure Solutions bei IT-Novum

ITM: Herr Rieger, warum sollten Mittelständler überhaupt auf ein Netz- und Systemmanagement mit Open Source setzen?
Steffen Rieger:
Die Anforderungen an Rechenzentrumsbetreiber werden zunehmend umfangreicher, denn Geschäftsprozesse müssen zur Sicherung des Unternehmenserfolges optimal unterstützt werden. Stabilität, Wirtschaftlichkeit, Flexibilität und Transparenz sind hierfür unabdingbar. Auf Open Source basierende Lösungen schaffen es, diese Eigenschaften eines erfolgreichen IT-Betriebes miteinander zu verbinden – ohne hohe Investitionskosten, abgespeckte Schnittstellen oder undurchschaubare Lizenzverpflichtungen.

ITM: Ist es möglich, mit Open-Source-Systemen auch Standardlösungen zu überwachen?
Rieger:
Gerade Open-Source-Lösungen zeichnen sich durch ihre Herstellerunabhängigkeit aus. Während die bekannten kommerziellen Anbieter schwerpunktmäßig eigene Produkte umfassend überwachen können, kann man mit einer quelloffenen Lösung nahezu alle Infrastrukturkomponenten oder Applikationen prüfen. Entsprechende Schnittstellen öffnen Tür und Tor für die Abfrage von Messwerten komplexer Netzwerk-, Server- oder Speichersysteme sowie von komplexen Anwendungen bis hin zu SAP-Transaktionen.

ITM: Was sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Einführung eines quelloffenen Monitoringsystems?
Rieger:
Für solche Projekte sind drei wesentliche Faktoren entscheidend: Know-how, Methode und Werkzeuge. Die Mitarbeiter bzw. der Dienstleister müssen, unterscheiden zwischen fachlichen Anforderungen, wie dem Reporting von technischen Verfügbarkeiten oder SLA-Verletzungen, und der technischen Integrationsschicht, wie der Anbindung von Ticketsystemen und Assetcentern. Zudem ist eine strukturierte Vorgehensweise nach Best Practices auf der Grundlage von langjährigen Projekterfahrungen im Monitoringbereich empfehlenswert ebenso wie die Implementierung der am besten geeigneten Open-Source-Werkzeuge.

ITM: Was sagen Sie den klassischen Nutzern von Tivoli, Openview und Patrol?
Rieger:
Ein Rechenzentrum betreibt viele Services. Closed-Source- und Open-Source-Werkzeuge erfüllen dabei unterschiedliche Aufgaben. Ein Geschäftsführer oder Endanwender interessiert sich nicht für die Technologie oder den Hersteller, sondern für die Erfüllung von bestimmten Fachanforderungen vor dem Hintergrund einer wirtschaftlichen Gesamtbetrachtung. Hier drängen sich Open-Source-Werkzeuge förmlich auf, die seit vielen Jahren in zahlreichen Produktivumgebungen erprobt eingesetzt und erweitert werden und von Organisationen durch Entwicklungs-, Projektierungs- und Supportleistungen geschäftstauglich gemacht werden. Open-Source-Lösungen haben einen hohen Reifegrad erreicht und müssen sich vor ihren kommerziellen Gegenspielern nicht verstecken. Im Gegenteil: In Sachen Wirtschaftlichkeit und Flexibilität ergeben sich oft deutliche Vorteile.


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