28.06.2012
Interview, IT-Dienstleistung

Interview mit Christian Vollmert, Geschäftsführer der Kölner SEO-Agentur Luna-Park

Ohne Inhalt keine Optimierung

In der Regel spiegelt sich das eher klassische und familiär geprägte Erscheinungsbild eines Mittelständlers auch in der unternehmenseigenen Internetpräsenz wider. Im Interview erklärt Christian Vollmert, Geschäftsführer der Kölner SEO-Agentur Luna-Park, warum sich Mittelständler ein Stück weit von klassischen Strukturen lösen sollten und welche Suchoptimierungsmaßnahmen Erfolg versprechen, um online im richtigen Maße positioniert zu sein.


„Mittelständler sollten manchmal ruhig ‚um die Ecke‘ denken und bereit sein, sich von klassischen familiären Strukturen und Denkweisen zu lösen“, meint Christian Vollmert, Geschäftsführer der Kölner SEO-Agentur Luna-Park

ITM: Herr Vollmert, aus welchen Beweggründen kommen mittelständische Unternehmen auf Sie zu?

Christian Vollmert: In den meisten Fällen kommen Unternehmen aus dem einfachen Grund zu uns, dass sie mit ihrer Internetpräsenz nicht zufrieden sind. Dies hängt weniger damit zusammen, dass ihnen ihre eigene Website optisch missfällt, als vielmehr damit, dass nur wenige Besucher die Seite aufrufen und die Homepage nur schwer über Suchmaschinen, im Vordersten natürlich Google, gefunden wird.

ITM: Entschließt sich ein Unternehmen, seinen Internetauftritt zu optimieren, wie sollte vorgegangen werden?

Vollmert: Ein mittelständisches Unternehmen sollte sich bei der Wahl der SEO-Agentur nicht auf Versprechungen verlassen, dass das Unternehmen am nächsten Tag unter den Top-Drei bei Google rangiert. Vielmehr sollten Fragestellungen im Vorfeld geklärt werden: Wie geht die Agentur in der Arbeitsweise vor, welche Referenzen weist sie auf und kennt sie sich  in der Unternehmensbranche aus? Dazu sollte man im Vorfeld mehrere unterschiedliche Angebote einholen, um überhaupt ein Gefühl für die Preise zu bekommen.

ITM: Wie sollten die ersten Schritte nach der Entscheidung für eine SEO-Agentur aussehen?

Vollmert: Nach dem Zuschlag sollte eine Leistungsübersicht eingefordert werden, um nachvollziehen zu können, welche Optimierungsschritte wann und in welchem Umfang durchgeführt werden. Wichtig ist, dass der Kunde weiß, was die Agentur macht.

Wir gehen so vor, dass wir zunächst eine Komplett­analyse durchführen, bei der wir uns die aktuelle Seite anschauen und herausfinden, wo die größten Hemmnisse für Google liegen. Im nächsten Schritt wird abgesprochen, welche Maßnahmen aus unserer Sicht am wichtigsten sind und welche in zweiter Instanz abgearbeitet werden können. Meistens gibt es noch einen Workshop mit dem Kunden und der Internetagentur, wo wir die Maßnahmen gemeinsam einmal durchgehen. Im Anschluss folgt die kontinuierliche Pflege der Seite, in die auch je nach Bedarf und Zielgruppe das Thema „Social Media“ einfließt.

ITM: Wie gehen Sie ein solches Projekt an? Am Anfang einfach einmal mit dem großen Besen drüber?

Vollmert: Das gesamte Thema Suchmaschinenoptimierung ist ein kontinuierlicher Prozess, dessen sich ein potentieller Kunde bewusst sein muss. Verschiedene Agenturen gehen am Anfang sehr wohl, wie Sie so schön sagen, „mit dem großen Besen drüber“ und listen alles auf, was durchgeführt werden sollte – daraus entsteht dann meist eine Checkliste mit 50 bis 100 Änderungspunkten. In der Praxis sieht es dann nur so aus, dass diese Checkliste gar nicht direkt von einer einzigen Agentur umgesetzt werden kann, weil oftmals zusätzliche Leistungen, beispielsweise Programmierleistungen, fällig werden. Das sprengt bei einem Mittelständler schnell den Budgetrahmen.

Am Anfang zählt es, genaue Begrifflichkeiten (Keywords) zu definieren, die auf der Internetseite präsent sein sollten, um letztendlich häufiger und schneller gefunden zu werden. Im Anschluss sollte man schauen, was man mit der bestehenden Seite erreichen kann, und dann untersuchen, inwieweit Optimierungen Sinn ergeben. Als letztes kann ermittelt werden, wo durch ganz gezielte Optimierungen eine höhere Google-Platzierung erreicht werden kann. Als Kunde sollte man der SEO-Agentur auch immer die Frage stellen, ob die Seite komplett neuprogrammiert werden muss oder ob man durch eine gezielte Optimierung von Inhalten unter Umständen sogar mehr erreichen kann.

ITM: Wie oft ist es der Fall, dass eine Unternehmens-website komplett neu programmiert werden muss?

Vollmert: Man muss ja auch realistisch bleiben, kaum ein Kunde wird alles umwerfen, wenn es um die Optimierung geht. Es bringt ja auch nichts, dass man nachher mehr in die Optimierung steckt und dafür dann nur eine bestimmte (geringe) Anzahl an Besuchern gewinnt. Neuprogrammierung kann erfolgen, wenn es um Seiten geht, die sehr visuell mit Javascript und Flash-Videos aufbereitet sind –  auch bei Onlinebroschüren mit vielen Grafiken ist es aus Optimierungssich schwierig, weil einfach der Inhalt für Google fehlt.

ITM: Sie sprachen die Begrifflichkeiten an. Gerade die Google-Thematik dürfte im Mittelstand nicht so verbreitet sein.

Vollmert: Da entstehen natürlich häufig Diskussionen, welche Begrifflichkeiten ausgewählt werden und welche nicht. Wir versuchen transparent zu arbeiten, indem wir dem Kunden bestimmte aktuelle Begriffe auf seiner Homepage zeigen, die die Internetnutzer weniger bis gar nicht suchen. Danach stellen wir Alternativbegriffe zur Verfügung, die die User nach unseren Analysen häufiger suchen. Viele Mittelständler sträuben sich dann zunächst, diese neuen Begriffe in ihre Homepage zu integrieren, weil die alten natürlich auch die Unternehmensbroschüren schmücken – mit den neuen Begriffen kann sich ein Mittelständler häufig nicht identifizieren. Hier bedarf es eines Umdenkens.
Wenn sich ein Mittelständler allerdings erst einmal von seinen klassischen Idealen gelöst hat und er fortan mit neuen Begrifflichkeiten arbeitet, wird er schließlich häufiger und schneller gefunden und dadurch gelangen auch mehr potentielle Kunden auf seine Homepage.

ITM: Gibt es weitere Optimierungsmaßnahmen?

Vollmert: Der entscheidende Faktor neben der inhaltlichen Optimierung ist die Vernetzung der jeweiligen Website. Gerade dies stellt bei den meisten Unternehmen im Mittelstand ein wirkliches Problem dar. Zwar besitzen viele Mittelständler eine Homepage, die oftmals auch gar nicht mal schlecht aussieht, die jedoch keinerlei Verlinkungen von und zu anderen Websites aufweist. Die Website steht also weder in Online-Branchen-Verzeichnissen noch wird sie bei Partnern oder Referenzkunden online erwähnt. Ohne Verlinkungen kommt man bei Google einfach nicht nach oben.

ITM: Die Verlinkungen müssen jedoch Sinn ergeben...

Vollmert: Auf jeden Fall, dies ist ja auch eine große Herausforderung für die jeweilige Agentur. Wenn man Verlinkungen generieren will, kann man praktisch bei jedem Mittelständler mit zwei Fragestellungen vorgehen. Zum einen: „Was suchen die Leute?“ Und zum anderen: „Wie kann ich Produkte und Themen möglichst individuell und klar strukturiert beschreiben?“ Mittelständler sollten etwa über Erfahrungen schreiben, also wo und für wen bestimmte Produkte einsetzbar sind. Diese Erfahrungen könnten sie dann in Verbindung mit der eigenen Homepage in speziellen Foren publizieren, um letztendlich Verlinkungen zu generieren.

Ein kurzer Exkurs zu einem plakativen Beispiel in Amerika: Ein Hersteller von Blenden für Standmixer stellte Youtube-Videos ein, in denen er verschiedene Alltagsprodukte in den Mixer warf. Angefangen hat er mit Lebensmitteln – doch dann kam er auf die Idee, ein iPhone in den Mixer zu stecken. Was anfänglich abstrus wirkte, wurde später millionenfach im Netz angeschaut – so tauchten natürlich sehr viele Links und Verlinkungen auf. Im Mittelstand ist das natürlich alles sehr klassisch und mit dem Mixerbeispiel nur bedingt vergleichbar. Aber es geht um die Idee. Mittelständler sollten manchmal ruhig „um die Ecke“ denken und bereit sein, sich von klassischen familiären Strukturen und Denkweisen zu lösen.

ITM: Wenn sich ein klassischer Mittelständler einen pseudomodernen Anstrich gibt, kann dies nicht in Peinlichkeiten enden?

Vollmert: Wenn man sich zu so einer gewagten Online-Marketing-Maßnahme entscheidet, wie der Mixerhersteller, muss man das natürlich richtig durchdenken und Experten damit beauftragen. Viele nehmen die Produktion jedoch in die eigene Hand, weil so ein Videofilmchen ja nichts kostet – das kann allerdings auch peinlich wirken und im schlimmsten Fall zu Kundenverlusten führen. Hier muss natürlich der Mittelweg gefunden werden: den klassischen Ansatz mit innovativen Ideen verbinden.

ITM: Gerade was Google betrifft, gibt es ja sehr viel Halbwissen und gewisse Mythen.

Vollmert: Google besitzt über 200 verschiedene Ranking-Faktoren, die auf eine Positionierung Auswirkungen haben können. Vielen schwebt ja immer noch der Gedanke im Kopf, weißen Text auf weißem Grund zu schreiben – aber das funktioniert mittlerweile nicht mehr, weil Google das in der heutigen Zeit erkennt und nicht drauf „hereinfällt“.

Prinzipiell kursiert alles bezüglich Google-Optimierung im Web – jedoch braucht man dafür eine gewisse Erfahrung, um nicht kontraproduktiv zu agieren. Es gibt viele IT-Abteilungen, die die eigene Unternehmens-Homepage selbst programmiert haben und dadurch auch selber beginnen, zu optimieren. Es kann nun passieren, dass herkömmliche Optimierungsvorschläge aus dem Web veraltet sind oder dass der Webauftritt durch eigenständige (falsche) Optimierungsmaßnahmen bei Google ganz herausfallen kann. Und wenn die Homepage einmal bei Google draußen ist, kommt sie so schnell auch nicht wieder rein.

ITM: Generell ist das ja schon ein ganz schönes Diktat, was Google da ausübt – zudem werden Unmengen an Daten gesammelt.

Vollmert: Google denkt: „Ich möchte meinen Nutzern ein tolles Sucherlebnis bieten“. Um dies zu gewährleisten, werden Besuche analysiert – es wird etwa untersucht, wie lange ein Besucher auf der Seite verweilt, ob er auf der Seite das Passende findet oder der Besucher mit Werbung zugeworfen wird. Das hat nur noch wenig mit der klassischen Keyword-Optimierung zu tun, jetzt rücken Themen wie „schnelle Ladezeit“, „Verweildauer“ und „saubere Programmierung“ in den Fokus. Natürlich werden dabei gewisse Daten gesammelt.

ITM: Wie kann Google denn feststellen, ob gewisse Inhalte interessant sind? Stichwort: Semantik und Syntax.

Vollmert: Google besitzt mittlerweile so viel Rechenpower und Technik, dass schon eine Seite im Gesamten gelesen werden kann – zudem kann Google eine bestimmte Seite mit einer Vielzahl von Referenzseiten vergleichen und so entsprechend kategorisieren.

Mittlerweile kann Google technisch bewerten, ob eine Seite inhaltlich für den Nutzer gestaltet ist oder nach willkürlichen Google-Vorgaben. So geht die Entwicklung also wieder in Richtung Lesefreundlichkeit und Verweildauer – es zählt weniger die bloße Umsetzung von Google-Vorgaben.

ITM: Welcher Zusammenhang besteht zwischen SEO-Optimierung und Social Media?

Vollmert: Google startete mit „Google+“ ein eigenes soziales Netzwerk, das aus SEO-Sicht wichtiger ist als Facebook, weil die Unternehmensaktivitäten auf einem Google+-Konto auch in die normalen Suchergebnisse einfließen. Aus Unternehmenssicht ist das eine Erweiterung zur eigenen Homepage – also sozusagen die Business-Homepage direkt bei Google. So wird das Unternehmen dementsprechend auch öfter über Google gefunden.

ITM: Gibt es denn auf absehbare Zeit irgendeine Konkurrenz für Google?

Vollmert: Ich sehe persönlich zwei Tendenzen für die Zukunft. Einerseits geht es weiter in Richtung der personalisierten Suche. Dort wird es spannend sein, ob Facebook zukünftig eine eigene Suche bereitstellt, denn Facebook ist nach Google bereits die zweitwichtigste Quelle, die User im Internet nutzen. Wenn Facebook diesen Schritt wagt, wird Google das mit Sicherheit zu spüren bekommen. Andererseits wird das Thema „Mobile“ immer wichtiger werden. Durch mobile Endgeräte wie iPhone und iPad ist man im Grunde rund um die Uhr vernetzt und online. Da kann ich mir vorstellen, dass ein neuer Anbieter auftaucht, der das Thema anders anfasst. Also, der noch schneller reagieren kann und mit neuen Startups und Ideen eine neue Form von „mobilen Suchen“ entwickelt.
Generell wird Google, bedingt durch die breite Marktpräsenz, in absehbarer Zeit sicher nicht vom Markt verschwinden und auch nicht zu verdrängen sein.

Checkliste zum SEO-Einstieg

  • Zuerst sollte im Web* herausgefunden werden, wie die eigene Unternehmens-Website gelistet ist.
  • Ist der Firmenname bei der Google-Suche ganz oben platziert?
  • Ist ein Google-Places-Maps-Eintrag vorhanden und wenn ja, ist dieser korrekt?
  • Findet der User auf jeder Inhaltsseite den Firmennamen mit Telefonnummer, Adresse und Kontaktmöglichkeit?
  • Reine Flash-, Grafik- oder Javascript-Inhalte sollten vermieden werden. Stattdessen lieber Textinhalte benutzen
  • Hilfreich sind auch Links und Verlinkungen der eigenen Homepage mit Partnern, Referenzen, in Verzeichnissen, Branchenbüchern, Blogs und Foren

* Eine erste Website-Analyse kann unter www.seitwert.de durchgeführt werden.
Quelle: www.luna-park.de


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