08.10.2012
Social Business
Von: Axel Oppermann

Enterprise-2.0-Technologien im Mittelstand

Neue Organisationsformen

Die Verbreitung von Social-Collaboration-Plattformen in Unternehmen ist Teil des Vormarsches der Enterprise-2.0-Technologien in betriebswirtschaftliche Zusammenhänge.


Social Collaboration und Social Business werden am Markt oftmals synonym verwendet, um die „soziale“ Komponente als Grundthema zu betonen. Social Business ist eine Chance für Unternehmen, die Arbeitswelt und Interaktion mit den Akteuren flexibler und offener zu gestalten. Das Ziel ist Effizienzsteigerung. Dabei steht Social Business für Unternehmen, die Strategien, Kompetenzen, Kultur und Prozesse vereinen, um Mehrwerte für sich, das Unternehmen und die Gesellschaft zu erreichen. Dabei gilt, dass die Änderungen im Bereich Technologie, Unternehmenskultur und Prozesse die bestehenden Wertesysteme unterbrechen und/oder beenden sowie durch neue Leit- und Leistungsdimensionen ersetzen oder erweitern. Im Grundverständnis wird davon ausgegangen, dass IT ein Produktionsfaktor für das Unternehmen ist und Social Business einen Wettbewerbsfaktor darstellt.

Social Collaboration bzw. Social Business sind von vornherein darauf ausgelegt, die Kraft der Massen zu entfesseln; diese macht Arbeitsprozesse möglich, die mit anderen Methoden gar nicht oder nur unvollkommen durchführbar sind. Aufgegriffen werden tief verankerte Verhaltensmuster des Menschen. Die kollaborative – die gesellschaftliche – Arbeit geht schneller vonstatten und die Arbeitsleistung ist verhältnismäßig größer als die isolierter Mitarbeiter oder statischer Teams.

Das Aufgreifen von Verhaltensmustern

Enterprise 2.0 kann grundsätzlich als eine Bewegung von unten nach oben eingestuft werden. Viele Anwender haben bereits im privaten oder geschäftlichen Umfeld die für sie relevanten Vorteile der Collaboration-Technologien realisiert und nutzen diese regelmäßig. Quasi en passant entsteht bei diesen Anwendern ein Verständnis für die Nutzung dieser Technologien.

Zwei Tendenzen beim Einsatz von Social Business sind zu erkennen: Auf der einen Seite gibt es Initiativen, die zentral aus der IT-Abteilung oder durch die Organisationsabteilung bzw. Unternehmensentwicklung getrieben werden. Diese sind mit den Projekt- und Beschaffungsprozessen klassischer IT-Projekte zu vergleichen. Die Herausforderung wird hierbei nicht in der technischen Umsetzung gesehen, sondern in der organisatorischen Neugestaltung der Arbeitsabläufe. Auf der anderen Seite existiert eine sehr starke virale Verbreitung der Social-Software-Anwendungen und der damit verbundenen Denkmuster. Diese erfolgt in der Regel unstrukturiert aus den Fachabteilungen  heraus. Anders als bei der organisatorisch geplanten Einführung beginnt die partizipative Verbreitung durch konkrete Anforderungen einzelner Mitarbeiter oder Teams, die diese kurzfristig und pragmatisch befriedigen.

Die IT-Verantwortlichen stehen hierbei zum einen vor der Herausforderung, die Anforderungen der Fachbereiche zu erfüllen und die neuen Optionen anzubieten. Gleichzeitig muss jedoch auch ein Investitionsschutz für bereits erworbene Software sichergestellt werden.

Zahlreiche etablierte Anbieter – von Microsoft über IBM und SAP bis hin zu Cisco – tummeln sich in diesem Umfeld. Aber auch viele relativ junge und innovative Unternehmen wie Jive oder Socialtext bieten für einzelne Ausprägungen relevante Lösungen. Jedoch sind die Lizenz- und Servicebedingungen nicht zwingend ausgereift. Einige Anbieter wie IBM oder Neugründungen haben den Trend des „Social Business“ früh erkannt und bereits im Jahr 2007 Lösungen präsentiert. Andere Anbieter wie Microsoft werden erst in nächster Zukunft relevante Lösungen anbieten können.

Die Social-Business-Software und -Dienstleistungen von IBM bieten eine Kombination von Social-Networking-Funktionen mit Analysekomponenten, die es Unternehmen erlaubt, Informationen zu erfassen und Dialoge von Mitarbeitern und Kunden interaktiv zu unterstützen. Ansätze und Lösungen wirken – exemplarisch beim Tagging oder beim Sharing von Dokumenten – ausgereift. Auch bei der gerade vorgestellten Produktgeneration von Connections will IBM mit erweiterten Community-Metriken, Activity Streams sowie der Einbindung von Apps zusätzlichen Nutzen stiften.

Kombination klassischer Office- mit Social-Business-Lösungen
 
Microsoft dominiert gegenwärtig den Markt für Office-Produktivitätslösungen. Dies wird auch in Zukunft so bleiben. Microsoft profitiert von der hohen installierten Basis, der Kundenbindung und in Teilen auch von der Kundenzufriedenheit. Die Investitionen in die Weiterentwicklung der Produkte, in das Partnernetzwerk und in Zukäufe werden es ermöglichen, ein relevantes Portfolio anbieten zu können. Jedoch ist der gegenwärtig fehlende „Social Layer“ nicht zu übersehen. Die Herausforderung wird einerseits darin bestehen, die Maßnahmen in die kommende Produktgeneration zu integrieren. Auf der anderen Seite bedarf es einer umfassenden Bereitstellung von Social-Business-Funktionalitäten in die aktuelle Produktgeneration.

Auch aus diesem Grund kombinieren immer mehr Unternehmen die Lösungen von Microsoft mit denen Dritter. So setzen Firmen wie Bayer, Bosch oder Continental auf eine Koppelung der Produkte Sharepoint (2010) mit IBM Connections. Ziel ist es, durch eine Best-of-Breed-Strategie das Optimum für Anwender und IT-Management herauszuholen. Social Business als Strategie kann in Unternehmen als Schlüsselkonzept für den organisatorischen Wandel innerhalb des Unternehmens, in Wertschöpfungsnetzwerken oder einzelnen Branchen einen Mehrwert liefern. 


10 Thesen zu Social Media

  • IT wird als ein Produktionsfaktor verstanden.
  • Social Business ist kein Hypethema, sondern ein nachhaltiger Trend.
  • Social Business, Cloud Computing, Konsumerisierung (von IT), Mobile und Big Data sind disruptive Wettbewerbsfaktoren.
  • Eine Social-Business-Strategie kann ohne die Diskussion der Themen Cloud Computing, Konsumerisierung, Mobile und Analytics nicht erarbeitet werden.
  • Social Business ist in erster Linie ein Organisationsthema.
  • Dabei steht Social Business auch für die Nutzung von Medien, Software und Netzwerken.
  • Ziel ist es, Arbeitsumgebungen zu ermöglichen, in denen Menschen in kollaborativen und integrierten Arbeitswelten den Nutzen für sich, das Unternehmen und die Gesellschaft steigern.
  • Die Auswahl und der Einsatz bestimmter Softwarelösungen, beispielsweise Groupware, Unified-Communications- und -Collaboration-Lösungen, Office-Suiten etc. stiften Wettbewerbsvorteile, wenn deren Möglichkeiten durch entsprechende Arbeits- und Organisationsformen abgebildet werden.
  • Aktuell gibt es keinen Anbieter, der alle Bedürfnisse hinsichtlich Office-Produktivitätslösungen und Social-Business-Funktionalitäten erfüllt.
  • Anwenderunternehmen kombinieren zunehmend die Lösungen unterschiedlicher Anbieter.

Bildquelle: © iStockphoto.com/Nikada

 


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