IT-Trends
Megatrends und Nontrends
Neues Jahr, neues Trendglück: Die IT-Auguren fluten wieder den Markt mit Ihren Prognosen. Höchste Zeit für einen Blick in die nicht so ferne Vergangenheit.

Nicht mehr im Trend: Second Life
Die Jahreswende ist die Zeit, in der die IT-Propheten von den analytischen Höhen herabsteigen. Mit Augurenstimme erklären sie, was sich hinter dem Horizont des IT-Fachlands abspielt. Oder anders ausgedrückt: die Toplisten von Gartner & Co. sind da.
Gartner sagt: So wird es kommen
Für dieses Jahr stehen die folgenden zehn Weissagungen auf den Gartner-Scrolls:
- Media-Tablets
- Mobile-zentrierte Anwendungen und Interfaces
- Kontextuelle und soziale Nutzererfahrungen
- Internet der Dinge
- App Stores & Marketplaces
- Next Generation Analytics
- Big Data
- In-Memory Computing
- Server mit niedrigstem Energieverbrauch
- Cloud Computing
Allerdings: Überraschungen finden sich nicht auf dieser Liste. Das Tablets, Apps und überhaupt alles rund um die mobile Welt im Trend sind, ist nichts wirklich Neues mehr. Das einzige, was vielleicht ein wenig Aufsehen erregen könnte, ist das viel zitierte "Internet der Dinge". Das ist dann tatsächlich mal ein Trend, der bisher vorwiegend als Marketingversprechen auffiel. Oder ist damit schlicht RFID gemeint?
Auch die anderen Trends sind nicht gerade "Hot of the Press". Big Data und die Entwicklung bei Business Analytics wurden bereits im ganzen vergangenen Jahr lang und breit diskutiert - auch im "IT-Director" oder in "IT Mittelstand". Und das Thema Energieverbrauch taucht unter dem inzwischen ziemlich abgenutzten Stichwort "Green-IT" seit Jahren in der Diskussion auf, zum Beispiel bereits in der Topliste für 2007.
Auch andere Begriffe sind alte Bekannte: Die beiden am häufigsten genannten Megatrends sind "Cloud Computing" und diverse Varianten von Social-Software. In beiden Fällen gehört nur eine relativ niedrige Prognosefähigkeit dazu, sie für trendverdächtig zu halten. Denn über nichts wurde in den letzten Jahren mehr diskutiert als genau über diese beiden Themen: Das Rechnen in der Wolke und alle Arten von kollaborativen Anwendungen mit Webtechnik.
Auch sonst ist es mit der IT-Astrologie so eine Sache: Im Frühjahr 2008 öffnete Apple die Pforten seines Appstores und war ein ebenso riesiger wie unerwarteter Erfolg. Im August desselben Jahres konnte Apple damit pro Tag etwa 1 Million US-Dollar Umsatz einstreichen. In den folgenden Monaten ging die Entwicklung in diesem Stil weiter, so dass man durchaus von einem Trend reden kann.
Toplisten verstärken Trends
Doch erst ein weiteres Jahr später, nämlich im Trendbericht für 2010, tauchen mobile Anwendungen in der Topliste von Gartner auf. Da war es aber für einen halbwegs informierten Durchschnitts-ITler bereits vollkommen klar, dass Apps eine große Sache sind. Kurz und gut: die Gartner-Topliste zeigt wohl eher keine Zukunftstrends an.
Die Liste ist vielmehr eine Art "Management-Summary" für all jene, die sich nicht täglich mit den Hypes und Innovationen bei Informationstechnologie und Telekommunikation beschäftigen. Was bei Gartner steht, scheint wirklich wichtig zu sein - das ist die Aussage des alljährlichen Toplisten-Rituals. So steigert die Topliste die Trends eher als sie zu erspüren. Doch selbst das Verstärken geht gelegentlich schief.
Für 2007 stand der unschuldig wirkende Trend "Virtuelle Welten" auf der Liste. Und tatsächlich: Genau zu Anfang dieses Jahres begann der Hype um das einschlägige "Second Life". Fast täglich erschienen Artikel in allen wichtigen Zeitungen und Magazinen. So entstand ein irrsinniger Run auf die 3-D-Welt. Die Nutzerzahl verelffachte sich binnen Jahresfrist auf elf Millionen. Zahlreiche Unternehmen öffneten Präsenzen in dem vermeintlich zukunftsträchtigen Spielfeld für den Webcommerce.
Doch so schnell der Hype begann, so schnell war er auch vorüber. Bereits Ende 2007 war die 3D-Welt ein Nontrend. Gähnende Leere in den virtuellen Städten, zu viele Sexmaniacs, ruckelige Grafik und zahlreiche Programmabstürze sorgten dafür, dass sich ein Großteil der angelockten Nutzer mit Grausen abwandten. Und auch die vorgepreschten Geschäftemacher verließen die Plattform mangels Nachfrage wieder. Nur der Kölner Dom ist noch da. Aber das konnten die Gartner-Auguren wirklich nicht wissen, sie sind ja keine Rheinländer.
Bildquelle: Linden Lab
Titelinterview
mit Ralf Ahamer, Vorstand der Hotel.de AG
Software
DMS: Durchblick im Dokumenten-Dickicht
Infrastruktur
Sicherheit: Ausspioniert und ausgeraubt!
Interview mit Ralf Ahamer, Vorstand der Hotel.de AG für Marketing, Produktmanagement und IT über über den Einfluss von Mobilität und Social Media auf das Konsumentenverhalten... mehr lesen »
Die Informationsflut in den Unternehmen steigt ununterbrochen. Auch Mittelständler haben mit
ihr zu kämpfen und setzen vermehrt auf ent-
sprechende Dokumentenmanagementsysteme (DMS). Doch was ist hier sinnvoller – der Einsatz einer Inhouse-Lösung oder die Cloud-Variante?... mehr lesen »
Nicht nur für Großkonzerne, sondern auch im Mittelstand stellt das Thema Industriespionage ein immer größeres Problem dar. Warum gibt es noch immer so viele Sicherheitslücken in der Unternehmens-IT und wo kommen die Angreifer her?... mehr lesen »
















