Kommentar von Andreas Zilch, Vorstandsmitglied der Experton Group
Massenentlassungen bei IBM – ein glatter Unfug
Hohe Wellen schlägt das Gerücht, das IBM in Deutschland 40 Prozent der Belegschaft entlassen könnte. „Glatter Unfug!“, sagt IBM-Kenner Andreas Zilch, Vorstandsmitglied des Beratungsunternehmens Experton. Als unabhängiger Analyst kommentiert er diese Nachricht, die doch für viel Verwirrung bei IBM-Mitarbeitern, -Partnern und auch -Kunden gesorgt hat.

IBM-Kenner Andreas Zilch, Vorstandsmitglied des Beratungsunternehmens Experton Group AG
Mittwoch Abend, heute Journal: „ … IBM plant in Deutschland 8.000 von 20.000 Mitarbeitern zu entlassen … und diese durch freie Mitarbeiter zu ersetzen". Diese Nachricht zur besten Sendezeit basiert auf einem Bericht des Handelsblattes vom gleichen Tag, der sich auf das „IBM Liquid Challenge Program" bezieht und als Ziele dieser Maßnahmen Einsparung von Personalkosten und damit Steigerung des Aktiengewinns und des daraus resultierend Aktienwertes nennt.
IBM als Gesamtunternehmen weltweit ist sehr gut aufgestellt, was sich auch in den Finanzkennzahlen zeigt. Diese sind grundsolide. Der Preis der IBM-Aktie stieg im Jahr 2011 um etwa 27 Prozent und in den letzten drei Jahren insgesamt um etwa 90 Prozent. Im Jahr 2010 hat IBM 15 Firmen aufgekauft, im Jahr 2011 waren es weitere 8 und in diesem Jahr haben auch bereits wieder zwei Aufkäufe stattgefunden.
IBM veröffentlicht keine länderspezifischen Kennzahlen, so dass keine direkte Aussage für Deutschland möglich ist. Die Marktstellung von IBM in Deutschland wird von der Experton Group als „solide" beurteilt, könnte von den Voraussetzungen und dem Marktumfeld her aber noch wesentlich besser sein.
Ist das ein Grund, in Deutschland 8.000 Mitarbeiter und damit 40 Prozent der Belegschaft zu entlassen? Mit Sicherheit nicht. Es gibt sicher bei IBM und bei anderen (IT-)Unternehmen Überlegungen, wie künftige Modelle der Zusammenarbeit aussehen könnten. Bei dem Liquid Challenge Program geht es in erster Linie um das Thema Software-Entwicklung, und dabei um die Einbindung von „Nicht-IBM-Mitarbeitern" in die Software Development Prozesse. Ein außerordentlich interessantes Konzept, welches aus unserer Sicht nichts mit einem möglichen Stellenabbau in Deutschland zu tun hat.
Wenn man grundsätzlich neue Modelle der Zusammenarbeit mit entsprechend drastischem Personalabbau „testen" möchte, ist Deutschland – neben Frankreich – auch eines der global ungeeignetsten Länder. Das Arbeits- und Kündigungsrecht, entsprechende hohe Abfindungen und das Thema „Scheinselbstständigkeit“ erschweren ein solches Verhalten enorm.
Die gesamte Meldung hat also kaum Substanz. Umso erstaunlicher ist, dass sich dazu bereits sehr viele Stimmen gemeldet haben und die Nachricht teilweise unkritisch weiter verbreitet wird. IBM hat, wie auch andere IT-Unternehmen die Herausforderung, die Mitarbeiter-Ressourcen ständig an das sehr dynamische Marktumfeld und die Nachfrage der Kunden anzupassen. Dies ist in Deutschland, u.a. wegen der gesetzlichen Regelungen eher schwierig, trotzdem für alle Anbieter eher „Business as usual".
Unter dem Strich halten wir eine solche Entwicklung bei der IBM für sehr unwahrscheinlich.
Bildquelle: Experton Group AG
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