22.02.2012
IT-Finanzierung

Jürgen Mossakowski, CHG

Leasing kann nicht alles lösen

Interview mit Jürgen Mossakowski, Vorstandsvorsitzender der CHG-Meridian AG, Weingarten


Jürgen Mossakowski ist Vorstandsvorsitzender der CHG-Meridian AG.

ITM: Herr Mossakowski, inwiefern wirken sich negative Konjunkturnachrichten derzeit auf die Stimmung und das IT-Investitionsverhalten im Mittelstand aus?
Jürgen Mossakowski:
Es wird viel über eine Rezession geredet und geschrieben. Einige Unternehmen melden auch bereits niedrigere Auftragseingänge. Allerdings nehmen wir ein Abflauen der Investitionsneigung im IT-Bereich derzeit noch nicht wahr. Und wir sind auch nach wie vor optimistisch, dass dies noch eine Weile so bleibt. Die Investitionszyklen im IT-Bereich folgen aus unserer Erfahrung immer mit einer gewissen Verzögerung. Zudem laufen bestimmte Investitionen in neue Technologien, beispielsweise „Cloud“, gerade erst so richtig an.

ITM: Ist für Sie als Anbieter die Beeinflussung spürbar? Wie groß schätzen Sie die Investitionsbereitschaft im Vergleich zum Vorjahr ein?
Mossakowski:
Wir sind kein Anbieter von IT-Systemen, sondern beraten und unterstützen unsere Kunden bei der Umsetzung und Finanzierung ihrer Investitionsentscheidungen. CHG-Meridian hat für 2011 soeben ein Plus beim Neuinvestitionsvolumen von fast einem Viertel gegenüber 2010 vermeldet. Im Moment hält die Investitionsnachfrage, die sich bei uns in Form von Leasing-Volumina niederschlägt, an. Ich sehe keinen Grund dafür, weshalb sich das grundlegend ändern soll.

ITM: In welche Technologien wird der Mittelstand Ihrer Meinung nach 2012 am meisten investieren?
Mossakowski:
Nach wie vor wird viel in die Technologien am Arbeitsplatz investiert. Das sind dezentrale Strukturen wie PCs und Notebooks. Daneben gibt es aber einen starken Trend in zentrale Serverstrukturen und damit einhergehend Investitionen in die so genannten Thin-Clients wie Tablet-PCs oder auch leistungsfähigen Smartphones. Die Anzahl der genutzten Geräte pro Mitarbeiter steigt dabei.

ITM: Investitionen müssen finanziert werden. Was sind gute Gründe für eine IT-Finanzierung anstatt eines Barkaufs?
Mossakowski:
Wir sind seit 30 Jahren spezialisiert auf IT-Leasing und halten dieses Finanzierungsmodell nach wie vor aufgrund der flexiblen Möglichkeiten für die beste Variante gegenüber einem Barkauf oder auch gegenüber einer klassischen Finanzierung. Leasing wird außerhalb der Bilanz geführt, belastet also nicht das Eigenkapital. Leasing garantiert den Kunden zudem den regelmäßigen Austausch des IT-Portfolios bei stabilen, monatlichen Kosten – wenn gewünscht sogar zu nutzungsabhängigen Kosten nach dem Muster „pay as you use“ oder auch kombiniert mit anderen Kosten nach dem Muster „price per seat“. Kombiniert mit leistungsfähigen Service-Paketen sind Leasing-Angebote sowohl bei der Leistung wie auch beim Preis im Vorteil gegenüber Barkauf- oder Finanzierungsvarianten.

ITM: Was sollten die Unternehmen bei der Entwicklung ihrer Finanzierungsstrategie berücksichtigen?
Mossakowski:
Die Frage lautet: Glaube ich, dass leistungsfähige IT-Systeme auf dem neuesten Stand ein Wettbewerbsvorteil sind, oder lasse ich meine Mitarbeiter mit veralteter Technik die Herausforderungen der Zukunft bewältigen? Wer finanziert oder kauft, spart sich in der Regel notwendige Erneuerungsschritte in der IT und nimmt dadurch bewusst oder – noch schlimmer – unbewusst Wettbewerbsnachteile in Kauf. Leasing funktioniert anders. Die Refinanzierungslinien, die ich für das tägliche Geschäft brauche, werden durch die Anschaffung eines neuen und damit modernen IT-Portfolios nicht belastet. Außerdem erhalte ich durch ein transparentes Asset Management die volle Kostenkontrolle. Und schließlich wäre da noch die Wiedervermarktung der Geräte: Wenn ich die nicht alleine stemmen kann oder will, sollte ich auf einen Barkauf oder auf eine Finanzierung in jedem Fall verzichten.

ITM: Rezessionsängste, Börsenbeben, die aktuelle Schuldenkrise und das Misstrauen ins Bankensystem könnten zu zögerlicher Kreditvergabe an Unternehmen führen. Wie schätzen Sie die Situation ein? Wie sicher ist momentan die Kreditvergabe?
Mossakowski:
Wir haben bei der Refinanzierung unserer Leasing-Pakete keine Probleme. Wir sind bankenunabhängig und haben weltweit mehr als 60 Refinanzierungspartner, mit denen wir sehr eng und seit vielen Jahren – und vor allem partnerschaftlich – zusammenarbeiten. Wir sind bei der Refinanzierung für die Zukunft sehr gut aufgestellt. Unsere Kunden wissen das zu schätzen. Aufgrund unserer internationalen Ausrichtung wissen wir aber, dass viele Unternehmen in anderen Ländern da wesentlich mehr Schwierigkeiten haben.

ITM: Welche Anforderungen müssen Unternehmen mittlerweile für einen Kreditzugang erfüllen?
Mossakowski:
Es wird heute wesentlich stärker auf die Bonität der Kunden abgestellt. Wer bei den bankinternen Ratings schlecht abschneidet, tut sich schwer, an Kredite zu kommen. Auch hier können wir natürlich ein wenig helfen, denn sicherlich kann man die Bonität zum Teil durch die Werthaltigkeit der vermieteten Gegenstände ausgleichen. Das ist kein Allheilmittel, aber es hilft in dem einen oder anderen Fall doch, Investitionen zu realisieren.

ITM: Welche Bedeutung schreiben Sie in diesem Zusammenhang der Innenfinanzierung zu?
Mossakowski:
Ich glaube, es ist heute nicht mehr möglich, alle Investitionen fremd zu finanzieren. Da kann auch Leasing nicht viel helfen. Leasing kann weiterhelfen, aber nicht alles lösen. Ein ausreichendes Eigenkapital, das sicherlich je nach Branche variieren kann, ist absolut notwendig.

ITM: Welche alternativen Finanzierungsmodelle sind 2012 auf dem Vormarsch?
Mossakowski:
Die großen Innovationen gibt es nicht. Leasing ist und bleibt aber eines der attraktivsten Finanzierungsmodelle, weil es die Vorteile einer eigenkapitalschonenden Finanzierung mit dem Service-Aspekt und einer nutzungsorientierten Abrechnung verbindet. Und ich denke, dass wir in diesem Bereich uns in den nächsten Jahren weiterentwickeln werden von Finanzierungslösungen hin zu nutzenabhängigen Abrechnungsmodellen.

ITM: Welche Vorteile bieten alternative Finanzierungsmodelle gegenüber der Kreditfinanzierung?
Mossakowski:
Das Investitionsrisiko verringert sich für den Nutzer, in dem der Leasing-Geber gemeinsam mit dem Kunden auf die Sinnhaftigkeit und Wirtschaftlichkeit der Investition schauen wird.

ITM: Sind die jeweiligen Finanzierungsmodelle branchenabhängig?
Mossakowski:
Nein. Leasing gibt es ja vom Auto über Maschinen und Anlagen bis zur IT. Wir sind zwar auf IT-Leasing spezialisiert, bieten aber über ein Tochterunternehmen seit Kurzem auch Mobilien-Leasing an. Denn: Die Funktionsweise ist dieselbe – unabhängig vom Produkt.

ITM: Welche Finanzierungsmöglichkeiten offerieren Sie konkret mittelständischen Kunden?
Mossakowski:
Leasing-Pakete rechnen sich dann für mittelständische Unternehmen, wenn sie den mutigen Schritt wagen, die Finanzierung ihres gesamten IT-Bestandes neu aufzustellen. Kosmetische Teilfinanzierungen machen meist wenig Sinn. Eine Komplettumstellung hat ja nicht nur finanzielle Vorteile – dank der zentralen IT-Erfassung wissen die Administratoren endlich, welche Geräte wo stehen, welche Ausstattung sie haben, welcher Kostenstelle sie zuzuordnen sind und auf welchem technischen Stand sie sind. IT-Leasing ist also nicht nur eine komfortable, nutzungsgerechte Abrechnungsmethode, es vereinfacht auch die Abrechnung und das Handling des IT-Bestandes.

ITM: Von welchen Finanzierungsmöglichkeiten sollten Mittelständler lieber ihre Finger lassen?
Mossakowski:
IT-Investitionen gehören über die modernen Formen des IT-Leasings finanziert, die wir hier besprochen haben. Alles andere ist nicht effektiv und zu teuer, und es führt zur Überalterung ihrer Strukturen.

ITM: Welches IT-Finanzierungsvolumen erwarten Sie für 2012?
Mossakowski:
Die CHG-Meridian hat 2011 das Neuinvestitionsvolumen, also die Summe aller neu abgeschlossenen Leasing-Verträge, um fast ein Viertel gesteigert. Im Moment sehe ich keinen Grund dafür, weshalb diese Zahl wegen der anhaltenden Innovationsfreude im IT-Bereich nicht steigen soll. Wir peilen ein Neuinvestitionsvolumen von einer Milliarde Euro in unserer Firmengruppe an. Ob wir dieses Ziel bereits im nächsten Jahr oder erst 2013 erreichen, spielt für uns keine so übergeordnete Rolle.


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