03.08.2012
Interview, Netz- Systemmanagement

Christian Glatschke, Splunk

Kontrolle erwünscht

Aktuelle Technologien wie Cloud Computing oder Mobility müssen adäquat in die vorhandene Infrastruktur eingebunden werden. Gerade für die personell eher weniger starken IT-Abteilungen mittelständischer Unternehmen ist dies kein leichtes Unterfangen wie Christian Glatschke, Manager Technical Services bei Splunk, im Interview erklärt.


Christian Glatschke, Manager Technical Services bei Splunk

ITM: Herr Glatschke, wie müssen sich Netzwerkmanagement und -sicherheit im Zuge der steigenden Nutzung von mobilen Geräten und Cloud-Anwendungen verändern?
Christian Glatschke: Daten sind heutzutage überall. Früher hatte man einen internen Server und jeder besaß sein Share-Laufwerk. Backup gab es vielleicht noch in Form von Disks oder Tapes. Heute befinden sich die Daten auf dem Rechner, auf USB-Sticks, dem Handy und auch in der Cloud.

Eine Kontrolle des Datenflusses ist kaum mehr möglich. Auch wenn es diverse Ansätze wie Verschlüsselung oder gesicherte Partitionen gibt, besteht immer eine potentielle Schwachstelle beim Anwender selbst. Von daher muss es das Ziel sein, mobile Geräte ins Monitoring einzubeziehen oder zumindest deren Zugriff zu kontrollieren und einzuschränken. Die am Markt erhältlichen Lösungen sind keinesfalls ausgereift und bedeuten vor allem für mittlere Unternehmen einen inakzeptablen Overhead. Solange man aber feststellen kann, wer sich wann eingeloggt, was angeschaut bzw. heruntergeladen hat, sind die Grundlagen für eine effiziente Analyse erfüllt.

ITM: Worauf sollten Mittelständler achten, wenn sie eine Netzwerk-Management-Lösung einsetzen?
Glatschke: Wichtig ist, dass mittelständische Unternehmen eine Lösung wählen, die nicht „nur“ Netzwerkmanagement kann. Die Lösung sollte in heterogenen Umgebungen einsetzbar sein und beispielsweise auch Server-, Applikations- und Sicherheitsmanagement abdecken. Das bedeutet, man setzt eine einzige Lösung für verschiedene Aufgaben ein, statt viele parallel am Laufen zu halten. Die Lösung sollte zudem anwenderfreundlich und intuitiv nutzbar sein. Sind diese Bedingungen erfüllt, reduziert sich der Schulungsaufwand enorm, gerade auch für den Fall, dass neue Mitarbeiter ins Unternehmen kommen. Eine einfache Implementierung, Kosteneffektivität und Skalierbarkeit sind weitere wichtige Faktoren, die bei der Wahl entscheidend sein sollten.

ITM: Vor welchen Herausforderungen stehen Mittelständler bei der Integration von Netzwerk-Management-Lösungen?
Glatschke:
Kleinere Unternehmen können es sich kaum leisten, ein Know-how über eine heterogene Produktlandschaft aufzubauen. Daher bevorzugen sie es, alles aus einer Hand bzw. von einem Hersteller zu bekommen. Dies führt jedoch zu Abhängigkeiten. Kosten und Aufwand sind ebenfalls Gründe, warum eine Integration verschiedener Lösungen kaum möglich ist. Solche Projekte sind für mittelständische Unternehmen meist nicht sinnvoll. Es werden daher in der Regel vorgefertigte Integrationswege genutzt. Hier gibt es zwei Möglichkeiten: Zum einen eine möglichst heterogene IT-Umgebung, die mit den angebotenen Herstellerlösungen arbeitet. Diese bieten zwar im Zweifelsfall umfassendere Möglichkeiten, können allerdings zu einem eingeschränkten „Siloblick“ führen. Zum anderen der Einsatz von Lösungen, die mehr als nur Netzwerkmanagement können. Der Vorteil ist hier, das man mehrere Teile oder gar die komplette IT damit managen kann. Dieser Rundum-Einblick ist für die Fehleranalyse optimal, wird aber mit einer geringeren Funktionstiefe bezahlt.

ITM: Durch die zunehmende Verbreitung von Virtualisierungstechnologien stellt heute auch die Auswertung von Daten aus virtuellen Maschinen eine wichtige Aufgabe dar. Wie kann man virtuelle Daten in das Netzwerkmanagement einbeziehen?
Glatschke:
Die Virtualisierung ist eine Technik, mit der sich die Kapazitäten von Hardware steigern lassen. Leider geht dies stark auf Kosten der Transparenz. Die Überwachung der verschiedenen virtuellen Instanzen ist meist nur über Herstellerlösungen möglich. Leider gehen diese oft nicht so in die Tiefe, wie es ein Administrator braucht. Applikationsmonitoring oder vollständige Einblicke in die virtuellen Maschinen fehlen oft ganz. Ziel sollte es sein, eine Lösung zu haben, die detaillierte Performance- und Statusdaten jeder einzelnen virtuellen Instanz und der Applikation darauf liefert. Auch hier gilt „weniger ist mehr“. Eine IT-Management-Lösung, die übergreifende Einblicke bietet, sollte das Ziel für Mittelständler sein. Dies hält die Kosten und den administrativen Aufwand in Grenzen.  

Bildquelle: Splunk


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