02.08.2012
Interview, Cloud Computing

Evangelos Kopanakis, Best-Practice Innovations GmbH

Kompatibel mit der Cloud?

Im Gespräch mit IT-MITTELSTAND berichtet Evangelos Kopanakis, Geschäftsführer der Best-Practice Innovations GmbH (b-pi), über organisatorische, technische und vertragliche Herausforderungen beim Cloud Computing.


„Nutzt man Services unterhalb der Betriebssystemebene, muss man mit dem

ITM: Herr Kopanakis, wann profitieren Unternehmen besonders von Cloud-Services?
Evangelos Kopanakis:
Indem sie sich darauf vorbereiten! Um einen Cloud-Service effektiv zu nutzen, muss man neben einem hohen Grad an Standardisierung verstärkt an den internen Prozessen arbeiten. Ansonsten läuft man Gefahr, dass die Kosten für Cloud Computing höher sind als bei einer herkömmlichen IT-Umgebung.

ITM: Gibt es weitere Herausforderungen?
Kopanakis:
Jedes Audit stellt beim Cloud Computing eine Herausforderung dar. So muss ein Pharmahersteller die regelmäßige Validierung seiner IT-Systeme vornehmen. Beispielweise ist aufgrund von US-Vorschriften für jedes an der Produktion beteiligte IT-System eine schriftliche Dokumentation erforderlich. Da die Ressourcen in der Cloud an verschiedenen Stellen vorliegen, gestaltet sich eine genaue Dokumentation schwierig. Vor diesem Hintergrund sollte ein Cloud-Provider ein Portal anbieten, das dem Kunden ermöglicht, genaue Informationen über seinen Cloud-Service abzurufen. Der Dienstleister, der Konfigurationsinfos in Echtzeit, anpassbare IT-Prozesse und aussagefähige Reports liefern kann, wird sich am Markt durchsetzen.

ITM: Wie kann er dies realisieren?
Kopanakis:
Der Cloud-Provider benötigt offene Schnittstellen zu den internen Prozessen und Werkzeugen seiner Kunden. Über diese können Änderungs-, Problem-, Störungs- oder Konfigurationsvorgänge ausgetauscht werden. Überdies sind entsprechende Monitoring- und Reportingmöglichkeiten notwendig.

ITM: Inwiefern ändern sich dabei die Aufgaben des Servicedesks?
Kopanakis:
Aus Sicht des Endnutzers ändert sich nichts. Denn für ihn ist es nicht wichtig zu wissen, ob er einen Service nutzt, der auf einem physikalischen bzw. virtuellen System im Unternehmen selbst oder in der Cloud eines externen Dienstleisters vorgehalten wird. Wichtig ist, dass Servicedesk über alle wichtigen Informationen verfügt. Ein entsprechendes Konfigurationsmanagement muss diese Informationen ohne Verzögerungen bereitstellen. Deshalb ­be-
nötigt der Servicedesk des Kunden einen zeitnahen ­Zugriff auf ­die Konfigurationsdaten des Cloud-Providers.

ITM: Wie laufen Änderungen an Cloud-Komponenten ab?
Kopanakis:
Die Kunden müssen überprüfen, ob ihre Standards mit denen des Cloud-Providers kompatibel sind. Deshalb sollten in den Cloud-Verträgen Kompatibilitätsmatrixen definiert und als gelebte Dokumentation mitgeführt werden.

ITM: Von welchen Standards sprechen wir?
Kopanakis:
Nutzt man Services unterhalb der Betriebssystemebene, muss man mit dem Cloud-Provider nur die Virtualisierungssoftware abstimmen. Demgegenüber muss man bei Cloud-Services auf Betriebssystemebene deutlich mehr abstimmen, da z.B. bestimmte Versionsstände von Windows oder Unix benötigt werden. Auf Applikationsebene besteht wiederum wenig Abstimmungsbedarf, da die Softwarelandschaft vom Provider umfänglich bereitgestellt wird. Auf technische Standards kann der Anwender hier keinen Einfluss nehmen, dafür auf regulatorische Fragen. Ist ein Kunde in einer stark reglementierten Branche unterwegs, muss der Cloud-Provider den Compliance-Vorgaben des Kunden entsprechen können. Dies ist jedoch sehr komplex, weshalb in vielen Unternehmen die Notbremse bei Cloud-Projekten gezogen worden ist.

ITM: Worauf sollte man beim Abschluss eines Cloud-Vertrags besonders achten?
Kopanakis:
Die wichtigsten Bestandteile sind Beschreibung der Rechte und Pflichten beider Vertragspartner, Standards, Prozesse und Schnittstellen sowie Leistungseinheiten, Preise, Servicelevel und Reporting. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder übernimmt der Kunde die AGB und Servicebeschreibungen des Providers, etwa im Rahmen von Public-Cloud-Services. Oder man handelt mit dem Provider einen individuellen Vertrag aus.


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