28.06.2012
Interview, IT-Dienstleistung

Benjamin Deglmann, ODN

Kniffe und Tricks

Interview mit Benjamin Deglmann, Marketing-Experte bei der ODN OnlineDienst Nordbayern GmbH & Co. KG


„Die Relevanz des Webhosting wird konstant immer mehr an Gewichtung bekommen“, ist sich Marketing-Experte Benjamin Deglmann von der ODN OnlineDienst Nordbayern GmbH & Co. KG sicher.

ITM: Herr Deglmann, der Markt wird von Internet-Service-Providern (ISP) regelrecht überflutet. Wie ist es da noch möglich, sich gegenüber der Konkurrenz abzuheben?
Benjamin Deglmann:
Man muss hier wohl noch eine Unterscheidung zwischen dem klassischem ISP und dem Webhoster treffen, denn der ISP-Markt im klassischen Sinne wird seit vielen Jahren von den gleichen Namen getragen. Die ISP-Dienstleistung in ihrer gesamten Bandbreite benötigt Kapital, denn das Vorhalten entsprechender Technik, die Anbindung an die Upstream-Provider, um die Versorgungsbandbreite sicherzustellen, und die Manpower muss finanziert sein.

Wir als ODN setzen auf Service und Qualität sowie Ansprechpartner, die telefonisch erreichbar sind und bei kleinen und großen Problemen direkt helfen können. Das ist ein USP, den nicht mehr viele anbieten können und wollen. Wir kennen unsere Kunden und wissen, welches Business diese betreiben, welche Speziallösungen sie einsetzen und welche Wünsche sie haben. Das ist wichtig, denn nur so kann ich dem Kunden die optimale Lösung anbieten. Unsere Kunden schätzen diesen Service und wissen, dass sie, mit dieser für sie oft schwierigen Materie, nicht alleine gelassen werden.

ITM: Was sind die typischen Aufgabenfelder eines Internetdienstleisters?
Deglmann:
Die Aufgabenfelder haben sich seit Anbeginn des Internets nicht verändert. Sie sind nur komplexer geworden und die Gewichtung hat sich verlagert. War es früher schick, eine Webseite zu haben, ist dies heute unumgänglich geworden. Wen Google nicht kennt, der existiert nicht! Daher liegen die Aufgabenfelder ganz klar darin, den Kunden ins Netz zu bringen – egal ob das der kleine Kunde ums Eck ist oder eine Plattform wie z.B. Kicker.de, die mit 42 Millionen Visits im Monat dementsprechend dimensioniert sein muss. Neben der Betreuung dieser Plattformen gehören natürlich die Überwachung, der Schutz und der ständige Ausbau zum Alltagsgeschäft.

Wir haben ein festes Portfolio, das bei Kunden zum Einsatz kommt. Grundsätzlich stellen wir aber drei Fragen an unsere Kunden: "Was brauchen Sie?", "Was haben Sie sich vorgestellt?" und "Was setzen Sie bisher ein?". Selten lässt sich aus diesem Ergebnis eine Standardlösung ableiten. Wir pressen unsere Kunden nicht in unser Produktportfolio. Bei ODN bekommt jeder das, was er braucht, um sich sorglos um sein Business kümmern zu können.

ITM: Wie äußert sich das derzeitige Interesse von mittelständischen Firmen an Webhosting-Projekten?
Deglmann:
Das ist durchaus eine spannende Frage. Denn hier zeichnen sich zwei Wege deutlich ab. Viele Unternehmen behandeln dieses wichtige Marketinginstrument noch immer wie Stiefkinder. Der Trend geht aber glücklicherweise in die andere Richtung, und zwar Vollgas in die Zukunft. Web 2.0 und Cloud Computing haben dem Markt neuen Aufwind gegeben und die Türen für Neuinvestitionen geöffnet und treiben den Ausbau bestehender Infrastruktur an.

ITM: Mit welchem zeitlichen, personellen und finanziellen Aufwand sind jene Projekte i.d.R. verbunden?
Deglmann:
Auch hier zeichnen sich die beide Seiten der Medaille deutlich ab. Während einige Unternehmen noch zögerlich reagieren, schlägt uns immer häufiger der Schlusssatz "am besten gestern" entgegen. Das freut uns natürlich und wir haben entsprechend Ressourcen geschaffen.

ITM: Welche Abrechnungsmodelle und Vertragslaufzeiten gibt es?
Deglmann:
Wir sind in den letzten Jahren dazu übergegangen, viele unserer Produkte auf Flat-Tarife umzustellen bzw. die inkludierten Mengen so zu dimensionieren, dass für die meisten Kunden immer ausreichend Ressourcen zur Verfügung stehen. Das erleichtert uns die Abrechnung und der Kunde hat fixe Kosten, die er nicht ständig im Auge behalten muss. Wir arbeiten mit den klassischen zwölf Monaten Erstvertragslaufzeit, die sich danach quartalsweise verlängern. Für Kundenprojekten die kürzere Laufzeiten erfordern, passen wir das entsprechend an.

ITM: Unter welchen Umständen kann der Anwender bereits vor Vertragsende den Provider wechseln?
Deglmann:
Die inkludierten Domains können auch während der Vertragslaufzeit zu einem anderen Provider umgezogen werden.

ITM: Was sind typische Gründe für einen Providerwechsel?
Deglmann:
Die meisten Kunden wechseln aufgrund technischer Features oder eines vermeintlich besseren Preis-Leistungs-Verhältnisses.

ITM: Welche Hausaufgaben haben Anwender und Anbieter zu erledigen, damit ein Wechsel reibungslos über die Bühne geht? Welche einzelnen Schritte sind notwendig?
Deglmann:
Die Hausaufgaben sind relativ einfach, wenn wir als Provider wissen, wo der Kunde hinzieht. Man kennt die Probleme und Schwierigkeiten bei einem Umzug zu den großen Hosting-Providern und hat sich über die Jahre hinweg Kniffe und Tricks zurechtgelegt, um für den Kunden den Umzug so reibungslos wie möglich zu gestalten.

Grundsätzlich immer wichtig sind:

- zu wissen, was man bei dem bisherigen Provider produktiv gebucht hat
- Webseiten
- Skripte
- Datenbanken
- Mailserver
- Postfächer
- Domains
- Subdomains
- DNS-Server
- man braucht die Zugangsdaten zum neuen Anbieter
- den Authcode des Registrars

Wenn man diese Dinge hat und weiß, wie man damit umgeht und wie etwas zusammenhängt, dürfte eigentlich beim Umzug nichts danebengehen.

ITM: An welchen Punkten treten dennoch häufig Probleme auf?
Deglmann:
Der Kunde selbst – und man kann ihm hier keinerlei Vorwürfe machen – kennt sich mit der Materie meist nicht aus bzw. hat für einen Umzug nur oberflächliches Wissen. Gerne kann man das mit der Do-It-Yourself-Laufbahn der Baumärkte vergleichen, denn in ähnlicher Form verhält es sich beim Webhosting. Selbstverständlich kann sich jemand mit Kenntnis bei einem der Selfservice-Anbieter einen Webspace mieten. Für Kunden, die sich lieber um nichts kümmern möchten, macht es durchaus Sinn, einige Euro mehr zu investieren, um den persönlichen Service nutzen zu können.

ITM: Inwiefern gibt es bereits Standardisierungen, die einen Umzug nicht nur der Domain, sondern mit sämtlichen Inhalten erleichtern?
Deglmann:
Es kann in unseren Augen keine Standardisierung geben. Jeder Umzug muss jedes Mal neu analysiert werden. Es gibt nur ganz selten den Standard-Fall, der 1:1 umgezogen werden kann.

Wie wird sich der Hosting-Markt Ihrer Ansicht nach in den nächsten zwei bis drei Jahren entwickeln?
Deglmann:
Die Relevanz des Webhosting wird konstant immer mehr an Gewichtung bekommen und irgendwann die klassischen Medien ablösen. Ich bin überzeugt davon, dass dies ein generationsgesteuerter Prozess ist.


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