Voice-over-IP in Unternehmen
Kein Anschluss unter dieser Nummer?
„Die Sonne ist von Kupfer“ und „Das Pferd frisst keinen Gurkensalat“; das waren die ersten Worte, die der deutsche Philipp Reis vor rund 150 Jahren in den Prototyp des ersten Telefons gesprochen haben soll. Mittlerweile kommuniziert man über Voice-over-IP-Systeme, die herkömmliche Telekommunikationssysteme immer weiter ablösen. Wie aber kam es zu dieser Entwicklung und was sind die Vorteile von VoIP-Lösungen?

Die Anfänge der Telefonie funktionierten über die Umwandlung von Schallwellen in elektrische Signale, welche mit Hilfe von in Schwingung versetzten Membranen den Stromkreis durchbrachen und durch einen hölzernen Resonanzkörper so verstärkt wurden, dass diese als Sprachsignale identifiziert werden konnten. Im Laufe der Entwicklung wurden mehr und mehr Telefonzellen der Post installiert. Öffentliche Fernsprecher wurden durch die Erfindung des Mobiltelefons jedoch aus dem Straßenbild verdrängt. Ein Telefonat an jedem beliebigen Ort zu führen war der nächste Schritt. Hierfür musste nur eine Funkverbindung zum Netzwerk zur Verfügung stehen und schon war dem pausenlosen Telefonieren und Kurznachrichten schreiben keine Grenzen gesetzt. Ständig, immer und überall erreichbar zu sein, ist heutzutage die Devise. Kaum einer kann sich vorstellen, sein Handy für einen Tag lang auszuschalten und damit die dauernde Erreichbarkeit zu kappen. War das erste mobile Telefon noch sehr unhandlich, wog 800 Gramm und musste bereits nach einer halben Stunde Sprechzeit wieder aufgeladen werden, wiegt ein Smartphone heute gerade mal um die 100 Gramm, hat eine Akkulaufzeit von bis zu zehn Stunden und ist zum zuverlässigen Alltagsbegleiter geworden.
Revolution: Internettelefonie
Nach der Erfindung des Anrufbeantworters und des Fax ist nun in Zeiten des Internets die Kommunikation noch leichter, schneller und vor allem günstiger geworden. Per E-Mail, Chat und Videogespräch werden Daten schnell und effizient ausgetauscht. Und vor allem in der Arbeitswelt werden die Vorzüge des Internets genutzt, um die Kosten gering und die Flexibilität und Schnelligkeit aufrecht zu halten. Home-Office-Arbeitsplätze sind immer mehr im Kommen und das Internet als Übertragungsmedium macht diese möglich. Die Kommunikationstechnologie Voice over IP (VoIP) bedeutet nichts anderes als die Übertragung von Sprache über Datennetzwerke. Vorwiegend von Unternehmen zur internen und externen Kommunikation genutzt, verfügt diese über erhebliche Vorteile gegenüber herkömmlichen Telekommunikationslösungen. Revolutionär an dieser Art der Telefonie ist, dass nicht, wie bei herkömmlichen Telefonanrufen, eine Telefonleitung zur Übertragung genutzt wird, sondern die Sprache über das Internet Protocol in Paketen übermittelt wird. So kann nicht nur kostengünstig in alle Teile der Welt telefoniert werden, sondern auch Kosten für Installation und Wartung der Telefonanlage sowie Zeit für die Suche nach Kontakten eingespart werden.
Warum VoIP?
Das Hauptargument aus Anwendersicht, das TK-System auf VoIP umzustellen, liegt für Stephan Leschke, Vorstand von Ferrari Electronic, im Nutzen für alle Seiten: „Die vollintegrierte vereinheitlichte Kommunikation gestaltet den Arbeitsalltag für Mitarbeiter einfacher und schneller.“ Aufgaben können mittels Unified Communications „flexibel zu jeder Zeit und von jedem Ort erledigt werden“ und mehr Mitarbeitereffizienz freue auch den Unternehmer, so Leschke weiter. Die heutzutage gewünschte Flexibilität und Mobilität sprechen aus Sicht des QSC-Produktmanagers Heinz-Jürgen Eßer, gegen eine klassische Telefonanlage, da diese „zum einen aufgrund ihrer Struktur einen hohen Erst-Invest darstellt. Zum anderen, da die grobe Hardware-orientierte Skalierbarkeit oftmals einen nicht zu unterschätzenden Kostennachteil im Erweiterungsfall mit sich bringt.“
Oliver Wasserkordt, Head of Business Unit Product & Customer Management bei Versatel, sieht zwei wesentliche Treiber zur Umstellung auf IP-basierte Telefonie: Der erste ist demnach „der Effizienz- und Produktivitätsgewinn durch die Integration des Sprachdienstes in eine einheitliche IT-Umgebung“; die sogenannte Computer Telephony Integration (CTI), durch welche die Möglichkeit einer Datenhaltung zu allen Kontakten, „die telefonische Kontaktaufnahme direkt über die Kommunikationssoftware und die Nutzung von Unified Communication Services“ entstehe, so Wasserkordt weiter. Sprach-, E-Mail-, Präsenz-, Video- und Social-Media-Anwendungen würden damit in einer Anwendung zusammenwachsen, was erhebliche Arbeitsaufwände einspare und die Geschwindigkeit im Kundenkontakt und der internen Zusammenarbeit signifikant erhöhe, erklärt Wasserkordt. Der zweite Vorteil liegt seiner Ansicht nach in der Kostenersparnis, da nur noch eine Hausverkabelung für die IT erforderlich sei und das separate Netzwerk für den ISDN-Dienst entfallen könne. „Neben der Kosteneinsparung besteht aus Anwendersicht der größte Vorteil von VoIP aus der Integrationsfähigkeit mit anderen Anwendungen“, ist sich auch Markus Gatzemeier, Marketingmanager von C4B, sicher. So könnten beispielsweise CTI- und Unified-Messaging-Dienste über das SIP-Protokoll an Telefonanlagen und mobilen Geräten angeschaltet werden.
Drum prüfe, wer sich bindet
Die Migration von herkömmlichen TK-Systemen auf VoIP sollte in Form einer sanften Migration erfolgen, mit der einzelne Arbeitsplätze schrittweise von VoIP-Technologie aus der Cloud abgelöst werden können. So dürften Probleme bei der Umstellung vermieden werden können.
Laut Wasserkordt liegt der „Schlüssel zu einer reibungslosen und schnellen Migration in der Existenz einer hochwertigen Vernetzungslösung der Unternehmensstandorte und einer qualitativ und breitbandseitigen optimalen Anbindung an das Internet“. „Mit S0 und S2M über VoIP können Geschäftskunden ihre herkömmlichen ISDN-Telefonanlagen mit allen gewohnten ISDN-Merkmalen über einen kombinierten Sprach-/Datenanschluss betreiben, ohne Neuinvestitionen durchführen zu müssen“, erklärt Eßer begeistert. „Die Migration sieht in der Praxis oft so aus, dass hybride TK-Systeme zum Einsatz kommen, die sowohl klassische Technologien als auch IP-Telefonie beherrschen“, womit es Unternehmen möglich sei, ganz, teilweise oder Schritt für Schritt auf VoIP umzustellen, erläutert Gatzemeier. Neben der Identifikation des richtigen IP-basierten Sprachdienstes und der Testphase desselbigen, sind gutes Consulting und Projektmanagement des Carriers Voraussetzungen einer erfolgreichen Migration, ist sich Wasserkordt sicher. „Der Regelfall ist ein Pilotprojekt und anschließend eine schrittweise Migration über ein vorgeschaltetes Gateway zwischen Amtsleitung auf der einen und IP-Telefonanlage sowie klassischer Telefonanlage auf der anderen Seite“, bekräftigt Leschke.
Erreichbarkeit durch Voraussicht
Während der Umstellung der TK-Anlage auf VoIP kann es passieren, „dass bisher genutzte Funktionen nicht mehr zur Verfügung stehen oder es zu Inkompatibilitäten mit Endgeräten und Anwendungen kommt“, erklärt der Marketingmanager von C4B, Markus Gatzemeier. Außerdem seien völlig neue Sicherheitsaspekte zu berücksichtigen. Leschke betont, dass die Projekte oft bei den Non-Voice-Funktionen haken, die bisher über ISDN- oder analoge Kanäle abgedeckt wurden, wie etwa Alarmanlagen, Wechselsprechanlagen, Türöffner, Frankiergeräte, an die man bei der Umstellung zunächst nicht denke, für die man aber auch ein Gateway in der Funktion des Übersetzers benötige. Hauptsache wäre, dass „der Netzanschluss WAN und das kundeninterne LAN VoIP-fähig“ seien, also „eine ausreichend hohe Bandbreite für die Datenübertragung zur Verfügung“ stehe und „Sprachdaten priorisiert werden können“, meint Heinz-Jürgen Eßer. Wenn die TK-Anlage allerdings an einen Provider ausgelagert werde, müsse man auf redundante Absicherung des Systems achten, um die Erreichbarkeit zu gewährleisten, bringt der QSC-Produktmanager die Lösungsmöglichkeiten für eventuell auftretende Stolpersteine bei der Umstellung auf VoIP auf den Punkt.
Bildquelle: © mevans/iStockphoto.com
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