Interview
Von: Gesa Müller

Bei IT-Konsolidierungen ist Virtualisierung in 90 Prozent der Fälle das Mittel der Wahl

Je mehr Nutzer, desto größer der Effekt

Im Gespräch mit Dirk Backofen, Leiter Segmentmarketing Geschäftskunden bei der Telekom Deutschland GmbH, über Virtualisierungstrends für den Mittelstand.


Dirk Backofen, Leiter Segmentmarketing Geschäftskunden bei der Telekom Deutschland GmbH

ITM: Herr Backofen, in welchen Bereichen lohnt sich für den Mittelstand eine Virtualisierung?
Dirk Backofen:
Generell können mittelständische Betriebe in allen Kernbereichen ihrer IT-Infrastruktur wie Desktop, Server, Speicher und Netzwerk auf Virtualisierung setzen. Unsere Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen, dass bei Konsolidierungsprojekten – wie zum Beispiel beim Austausch von Servern – die Virtualisierung in 90 Prozent der Fälle das Mittel der Wahl ist.

ITM: Worauf müssen Firmen dabei achten?
Backofen:
Sie sollten sich einen strategischen Partner suchen, der sie bei der Planung, Umsetzung und Schulung der Mitarbeiter unterstützt. Gemeinsam gilt es dann, die passende Lösung zu finden, die zu den Prozessen und Anforderungen passt. Wir selbst bieten den Kunden daher im ersten Schritt immer einen Beratungsworkshop an und analysieren die aktuelle IT-Umgebung.

ITM: Welche Trends beobachten Sie aktuell im Virtualisierungsmarkt?
Backofen:
Im Bereich Server sind Virtualisierungen schon fast Standard. Wir sehen hier jedoch noch Optimierungspotenzial. Viele Unternehmen wählen als Ersteinstieg kleinere Projekte und nutzen deshalb noch nicht alle Funktionalitäten, wie zum Beispiel virtuelle Schnittstellen.
Desktops zu virtualisieren, ist der zweite Trend. Davon profitieren in erster Linie Firmen mit Filialen oder Remote Offices für mobile Mitarbeiter. Sie reduzieren damit die Kosten für ihre IT-Infrastruktur. Außerdem managt der Dienstleister die Desktopumgebung zentral im Rechenzentrum. Das erleichtert die Arbeit der internen IT-Abteilung. Generell gilt bei solchen Projekten: Je mehr Nutzer und je einheitlicher die Nutzerprofile, desto größer der Einspareffekt.
Als dritten Trend sehen wir die Speichervirtualisierung. Im Vergleich zu einem klassischen Speichersystem bietet virtueller Speicher deutlich mehr Flexibilität und Effizienz. Vorhandene Kapazitäten werden optimal ausgenutzt und lassen sich leichter verwalten.

ITM: Stichwort Desktopvirtualisierung für Außendienstmitarbeiter: Welche Möglichkeiten bieten sich hier?
Backofen:
Generell gibt es hier zwei Möglichkeiten. Bei der ersten Variante liegen die virtuellen Desktops komplett im Rechenzentrum und werden über ein Display-Protokoll auf die Arbeitsplätze übertragen. Für den mobil arbeitenden Mitarbeiter heißt das: Um auf seinen Desktop zuzugreifen, benötigt er immer eine Online-Verbindung. Dazu reichen in der Regel Bandbreiten von 164 bis 384 kbit/s je Nutzer. Die Herausforderung bei dieser Variante: Je mehr Nutzer darauf zugreifen, desto mehr müssen sich auch die Bandbreite teilen. Bricht die Online-Verbindung ab, hält der Dienstleister die aktuelle Session im Rechenzentrum aufrecht. Wählt sich der Nutzer wieder ein, greift er auf seinen noch geöffneten Desktop zu. Daten gehen zu keinem Zeitpunkt verloren.
Zweite Möglichkeit ist, den Desktop dem mobilen Nutzer offline verfügbar zu machen. Mittels Streaming-Verfahren werden etwa sämtliche Applikationen auf den Desktop übertragen, so dass ihm quasi eine lokale Kopie seines Desktops vorliegt. Damit steigen automatisch die Anforderungen an die Hardware. Das heißt, der Mitarbeiter benötigt einen vollwertigen Laptop. Sobald er wieder online ist, werden automatisch alle Änderungen, die er lokal vorgenommen hat, zentral im Rechenzentrum gespeichert. Alternativ lädt sich der Nutzer nur einen Teil der benötigen Anwendungen herunter. Das entlastet die Hardware.

ITM: Können Sie ein Beispiel für ein gelungenes Virtualisierungsprojekt nennen?
Backofen:
Die Osiandersche Buchhandlung in Tübingen beispielsweise hat mit unserer Unterstützung ihr IT-Betriebsmodell verändert und setzt auf eine virtuelle Serverlandschaft. Bislang hatte sie immer wieder Server zugekauft, um ihr steigendes Datenvolumen zu bewältigen. Doch die Datenflut führte zu Leistungsengpässen. Jetzt stehen nur noch sieben statt 20 Server in der IT-Abteilung. Der Wartungsaufwand ging deutlich zurück und der Kunde gewann an Flexibilität. Bei Bedarf lassen sich jederzeit neue virtuelle Server bereitstellen.  

Bildquelle: © Medienhaus-Verlag


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