06.08.2012
IT-Dienstleistung
Von: Michael Sudahl

IT-Versicherungen mindern potentielle Störfälle

IT-Risiken ab- und versichern

Hackerangriff, Stromausfall oder Brand – Gründe für einen Datenverlust gibt es viele. Doch Mittelständler wappnen sich zusehends gegen Störfälle. Obendrein mindern spezielle IT-Versicherungen die Schäden.


Der Ypsator von Bürkle ist ein mehretagiger Laminator, auf dem Solarmodule hergestellt werden, wie sie in Photovoltaikparks oder auf Hausdächern zu finden sind.

Am Karfreitag klingelte das Telefon. Als Burkhard Zentgraf ans Handy geht, spricht am anderen Ende ein Arbeitskollege, der direkt aus Rumänien anruft. Er beschreibt seinem deutschen Kollegen, dass verschiedene Programme nicht mehr funktionieren. Als Folge droht die Produktion in Cisnadie still zustehen. In der rumänischen Stadt fertigt Zentgrafs Arbeitgeber, die Schorndorfer Firma Hartmann-Exact, Schalter und Sensoren für die Automobilindustrie. Und weil in der Nähe von Sibiu (Hermannstadt) die Werker an sieben Tage in der Woche im Mehrschichtbetrieb arbeiten, drohen dem Unternehmen Konventionalstrafen, wenn die EDV ausfällt. Denn Hartmann-Exact ist als Topzulieferer bei allen europäischen Autoherstellern unter Vertrag. Diese verhängen Geldstrafen, die binnen Tagen in die Hunderttausende schnellen können. Weil IT-Leiter Zentgraf selbst am Feiertag unterwegs ist, kann er das Problem nicht lösen. Da hilft nur ein Anruf bei einem seiner Mitarbeiter, der über Ostern Bereitschaftsdienst hat. Dieser fährt ins Werk und kümmert sich per Fernwartung um die IT-Panne in Siebenbürgen.

Stromausfall, ein Brand oder einfach eine veraltete Hardware sorgen immer wieder für Produktionsausfälle. Fritz Meckler vom Mannheimer Finanzdienstleister Confina beziffert diese: Zusätzlicher Schaden entsteht, weil Konventionalstrafen greifen oder Unternehmen in Regress genommen werden. Da sind mehrere 100 Mio. Euro pro Jahr. Hinzu kommen Umsatzeinbußen durch IT-Ausfälle. Generell beziffern Experten diese auf jährlich mehr als 4 Mrd. Euro – alleine in Deutschland.

Meckler verdeutlicht anhand eines Falles, um wie viel Geld es gehen kann: Durch einen Kurzschluss brennt ein Rechner aus, der die Produktionstechnik steuert. Die Fertigungsstraße steht still. Kosten für  den Ersatzcomputer: 4.000 Euro. Einrichten des Servers und der Produktionslinie: 9.000 Euro. Entgangener Gewinn und fortlaufende Kosten für Mitarbeiter für eine Dauer von drei bis fünf Tagen: 26.000 Euro. „Neben einer Elektronik- erstatten eine Mehrkosten- sowie eine Ertragsausfallversicherung die angefallenen 39.000 Euro“, erklärt der Finanzexperte. Demgegenüber stehen Jahresbeiträge von nicht einmal 600 Euro. Noch fataler sei allerdings, wenn durch einen unerkannten Softwarefehler weiter produziert werde oder falsche Teile ausgeliefert und eingebaut würden. „Dann gehen unter Umständen sämtliche Kosten für Rückruf und Fehlerbeseitigung zulasten des Lieferanten“, verdeutlicht der Leiter der Confina-Serviceabteilung. Hier helfe eine Produkthaftpflichtversicherung.

Sicherungskopien extern lagern

„Dabei ist Datensicherung machbar, wenn ein paar Maßnahmen ergriffen werden“, sagt Burkhard Zentgraf. Der gelernte DV-Kaufmann und Programmierer beschäftigt sich seit 28 Jahren mit den Tücken der Informationstechnologie. Als Erstes richtete er bei Hartmann-Exact einen zweiten Serverraum ein. Wichtig hierbei: Die Zimmer müssen in voneinander getrennten Brandschutzzonen liegen. Beim Zulieferer, der rund 400 User hat, sind das unterschiedliche Gebäudetrakte. Zudem nimmt täglich ein IT-Mitarbeiter Sicherungskopien nach Feierabend mit nach Hause, „so dass extern immer eine Kopie gelagert wird“, so Zentgraf.

Auch beim Freudenstädter Maschinenbauer Robert Bürkle gehört die Datensicherung zur Hauptaufgabe der IT-Abteilung. Dort umfasst das Maßnahmenpaket eine Kühlung der Serverzimmer und der Serverschränke, den Modulsafes. Auf 24 bis 28 Grad pendelt sich das Thermometer ein. Denn Temperaturen von mehr als 35 Grad schaden der Hardware und führen zu Ausfällen. Daneben stellen beim auf Pressen und Laminatoren spezialisierten Anlagenhersteller Akkus rund 45 Minuten eine durchgehende Stromversorgung sicher, damit im Falle des Falles nicht sofort alle Bildschirme schwarz werden, wie Wilfried Vogt verdeutlicht. Der 55-Jährige leitet die IT-Abteilung bei Bürkle. Wie bei Hartmann-Exact lässt auch er Bänder mit Sicherungskopien außerhalb lagern. Und zwar im Schließfach einer örtlichen Bank. Den umfassenden IT-Schutz hat sich Bürkle einiges kosten lassen. Knapp 200.000 Euro investierte das Schwarzwälder Unternehmen in den vergangenen Jahren in die Sicherung der Daten.
Die automatische und doppelte Speicherung von Bits und Bytes, das Klimatisieren der IT-Räume sowie das externe Lagern habe bei Hartmann-Exact die Angst vor Daten- und damit Produktionsausfall gemildert, berichtet Zentgraf. Doch der Automobilzulieferer hat weitere Notfallszenarien abgesichert. Etwa in einem Vertrag mit einem Dienstleister, der sich verpflichtet, binnen 24 Stunden ein adäquates Ersatzgerät zu liefern, falls ein Server in die Knie geht.

Bei Bürkle meldet ein Notfallsystem hierarchisch gestaffelt erst per E-Mail, dann per SMS und schließlich via autarker Telefonanlage per Anruf Störungen, wenn diese im Serverraum auftauchen. Außerdem liegt, ganz profan als Papierausdruck, ein Handbuch bereit, in dem ein Notfallkonzept niedergeschrieben ist. Es regelt etwa, welche fünf der rund 60 Server im Unternehmen immer laufen müssen. Ebenfalls enthalten ist eine Liste mit Telefonnummern von Lieferfirmen, IT-Kollegen, die des Chefs oder des Stromanbieters. „Denn was nützt der beste Notfallplan als Datei, wenn die EDV streikt“, begründet Vogt die Handfibel. Zudem greift beim Anlagenbauer eine Elektronikversicherung mit einer Deckungssumme von 1,5 Mio. Euro für Hardware, allerdings mit einem Selbstbehalt von zwei Tagen. Das Risiko bleibe bis dahin zwar bestehen, doch durch das Band im Banksafe könne bei Datenverlust innerhalb von ein bis zwei Tagen der Stand des Vorabends wieder hergestellt werden, verdeutlicht Vogt.


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