20.12.2011
IT-Dienstleistung
Von: Julian Priebe

Netzsch-Gruppe setzte auf Interim-Manager

IT-Leiter auf Zeit: Gestatten, Mr. Auftrag

Ein Anruf, ein Auftrag, ein Mann – oder immer öfter eine Frau: Interim-Manager werden immer dann gerufen, wenn ein gewöhnlicher Einstellungsprozess zu langwierig wäre. In der Geschäftswelt geht es manchmal unverhofft zu und schnelle Reaktionen sind erforderlich. Gesucht: IT-Leiter. Auftrag: Drei Tochtergesellschaften auf IT-Ebene zusammenführen.


Die mittelständische Netzsch-Gruppe sah sich im Juli 2010 vor der Herausforderung, die Geschäftsstrukturen neu zu ordnen. Im Zuge dessen wollte die Geschäftsführung der Netzsch Holding vor allem die IT-Bereiche der drei Tochtergesellschaften harmonisieren. Dafür suchte man einen übergeordneten IT-Leiter. Eine Position, die es bisher so noch nicht gab. Die Zeit drängte und Netzsch konnte sich keinen Verzug erlauben, denn die Arbeiten wurden in diesem Bereich immer zeitaufwendiger und konnten nach dem Ausscheiden eines Vorstandsmitgliedes nicht weiter von Dr. Otto Max Schaefer mit betreut werden.

Deshalb wandte sich das Unternehmen an die ZMM Zeitmanager München GmbH, die Interim-Manager vermittelt – vorwiegend im Mittelstand. Sie helfen Führungsvakanzen umgehend zu überbrücken. Da möglichst sofort jemand den Job antreten soll, müssen Provider wie ZMM über umfangreiche, gut gepflegte Datenbanken mit geeigneten Kandidaten verfügen. Eine elementare Voraussetzung, wenn das Procedere reibungslos verlaufen soll. Denn dazu wird zunächst das Jobprofil mit dem Kandidatenpool abgeglichen, um einen möglichen Kandidaten ausfindig zu machen. Den fand man innerhalb weniger Tage in Person von Franz X. Müller.

Für Müller ging es an einem Dienstag zum Vorstellungsgespräch. Müller erinnert sich: „Da ging es Schlag auf Schlag. Ich war ja nicht der einzige Bewerber.“ Am Donnerstag der gleichen Woche kam schließlich der Anruf  von Netzsch an ZMM, Müller habe den Job. Der Vertrag wurde sofort zugeschickt und am Tag darauf stand für Müller um 10 Uhr das erste IT-Treffen mit den Führungskräften an. Die erste Zeit ist für Interim-Manager nicht gerade einfach, denn sie müssen in kürzester Zeit ihr Tätigkeitsfeld überblicken und einschätzen können. „Nach vierzehn Tagen müsse man am Fliegen sein“, erklärt Müller. Das heißt, man muss wissen, wie die Firma organisiert ist und welche Hard- sowie Software verwendet wird. An und für sich schon eine Herausforderung. Aber in so kurzer Zeit beinahe unmöglich. Mit den Jahren spüre man, auf was man sich als Erstes fokussieren müsse. Diese Anfangszeit sei sehr anstrengend, man spiele ständig Mäuschen. „Die ersten vier Wochen sind hart“, gesteht Müller.

Die Fettnäpfchen kennen

Zunächst sollte Müller bis Ende des Jahres, also fünf Monate, die Position innehaben und ein Stellenprofil entwerfen, auf dessen Basis anschließend ein Nachfolger gesucht wird. Zudem lag der Fokus auf der Führung des bestehenden IT-Teams, welches sich aus den drei IT-Leitern der jeweiligen Geschäftsbereiche zusammensetzte, die wiederum ihre Abteilung eigenständig führten. Die Herausforderung hierin bestand in der Standardisierung und Harmonisierung einer teilweise heterogenen Systemlandschaft. Die Mannschaft wurde auf ein geschäftsbereichsübergreifendes Denken und Handeln eingestimmt. Weiter war Müller mit dem Erstellen und Entwickeln von IT-Richtlinien und einem Regelwerk betraut, da es so etwas noch nicht im Unternehmen gab.

Für externe Manager kann es schwierig sein, über genug Autorität zu verfügen, da sie bewusst befristet geholt werden, doch zeichnet Müller eine natürliche Autorität aus, wie viele seiner Kollegen bestätigen. „Die Fachkompetenz allein reicht nicht als Einstellungskriterium“, dessen ist sich ZMM-Geschäftsführer Dr. Anselm Görres bewusst. Der Typ Mensch muss zum Unternehmen passen und ein gewisses politisches Gespür mitbringen. Dafür muss man als Provider stets das Zwischenmenschliche kennen. „Man muss sich politisch bewegen können und Fettnäpfchen kennen“, gibt Müller zu. Die Mischung aus Sach- und Sozialkompetenz ist ausschlaggebend. Da ist es besonders wichtig, die Mitarbeiter ernst zu nehmen und ihre Vorschläge zu prüfen und sie nicht einfach abzutun.

Die Suche nach einem Nachfolger dauerte länger als gedacht, so dass der Vertrag im Januar verlängert wurde. Seitdem arbeitete Müller nur noch an zehn Tagen pro Monat. Die Nachfolgersuche wurde forciert und im Juli 2011 mit Michael Petersen der passende neue IT-Leiter gefunden. Dies zeigt, wie schwierig und zeitlich aufwendig es ist, auf herkömmlichem Wege für diesen Aufgabenbereich eine geeignete Person zu finden. Es lässt sich erahnen, wie anspruchsvoll die Kandidatensuche sein mag. Und wenn man nicht ein Ass im Ärmel hat, wie bei ZMM in diesem Fall, fällt das Kartenhaus schnell zusammen. Die Übergabefrist von Müller an Petersen betrug einen Monat, in dem man sich intensiv über den aktuellen Stand der IT-Landschaft austauschte. Der nächste Auftrag wird kommen. Ein Anruf und er ist da, wenn in der IT-Welt Engpässe überwunden werden müssen und sein Provider in ihm den passenden Mann für den Job sieht.

Das Anwenderunternehmen:
Seit 1873 entwickelt und fertigt die Netzsch-Gruppe entwickelt Geräte und Maschinen für Forschung und Industrie. Sie beherbergt drei weltweit tätige Geschäftsbereiche und beschäftigt mehr als 2.500 Mitarbeiter.
www.netzsch.com

Bildquelle: Paul-Georg Meister/Pixelio.de


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