Kommentar von Till Dengel, SAP AG
In Nachhaltigkeit investieren
Green Logistics, Risikoabsicherung und Fachkräftegewinnung sind in diesem Jahr wichtige Themen für das Logistik- und Transportgewerbe. Till Dengel, Head of Industry Business Unit Transportation & Logistics bei SAP AG, kommentiert die aktuelle Situation.

Mit ihrem Weißbuch zum europäischen Verkehrsraum verfolgt die EU-Kommission ambitionierte Nachhaltigkeitsziele. Um 60 Prozent will sie die verkehrsbedingten CO2-Emissionen bis 2050 senken. 30 Prozent der Straßentransporte sollen bis 2030 auf die Schiene oder in die Luft verlagert werden. Dies steht jedoch im Spannungsverhältnis zur erwarteten Verkehrsleistung im Güterverkehr – verglichen mit 2004 soll sie bis zum Jahr 2025 um mehr als 70 Prozent zunehmen.
Um nationale sowie internationale Vorgaben erfüllen zu können, müssen Logistikdienstleister also rechtzeitig reagieren. Frankreich fordert bereits ab Oktober 2013 per Gesetz die Ausweisung von CO2-Emissionen für Transporte in und aus dem Land. Dementsprechend benötigen Logistiker geeignete IT-Lösungen. Denn mit ihnen lassen sich Verbrauchsdaten nicht nur messen, sondern umfassend analysieren und transparent darstellen. Überdies zeigen sie konkrete Handlungsempfehlungen auf – etwa die optimale Auslastung der Fahrzeuge und Senkung des Energieverbrauchs durch intelligente Routenführung. Ein geringerer Verbrauch führt wiederum zu geringeren Kosten. Außerdem helfen Softwarelösungen mittels Festlegung von softwaregestützten Leistungskennzahlen (KPIs), den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Experten gehen davon aus, dass derartige KPIs künftig fester Bestandteil in Logistikverträgen werden.
Der Einsatz von geeigneter Software spielt auch eine Rolle, wenn es um die Vorhersagbarkeit und Planbarkeit von Branchenrisiken geht. Denn externe Risiken für die Lieferkette sind seit den 70er-Jahren stetig gestiegen. Beispiele hierfür sind die Globalisierung, politische Instabilitäten, Streiks, Piraterie und Naturkatastrophen. So brach aufgrund des Erdbeben- und Tsunami-Unglücks 2011 in Japan der Gewinn der 15 weltweit führenden Konzerne um 33 Prozent ein, weil ihre Lieferkette erheblich gestört wurde. Die aktive Überwachung der Logistikkette mittels eines ERP-Systems ist daher entscheidend. Und durch die Integration von Funktionen für das Supply Chain Event Management kann das System automatisch und rechtzeitig auf kritische Ausnahmeereignisse reagieren.
Dem Fachkräftemangel begegnen
Das Branchenklima in Deutschland zeigte sich von April bis Juni 2012 nach drei verhaltenen Quartalen wieder optimistisch. Auch für die nächsten zwölf Monate rechnet nahezu jeder zweite Logistiker mit zunehmenden Frachtraten, weil sich die Nachfrage aus Übersee und China anhaltend positiv auswirkt. Der prognostizierte langfristige Bedarfsanstieg an Produkten aus der chemischen Industrie bietet darüber hinaus strategisch wichtige und Erfolg versprechende Marktpotentiale für die mittelständische Transportwirtschaft. Aufgrund der positiven Lage plant laut dem Branchenverband Bundesvereinigung Logistik (BVL) mehr als jeder zweite Logistiker, in den kommenden Monaten Personal einzustellen, beklagt aber das Fehlen von Fachkräften. Die Tatsache, dass die steigenden Anforderungen im Logistikberuf einer höheren Qualifizierung bedürfen und die Altersgruppe der ab 50-Jährigen bis 2020 mit 39 Prozent den größten Anteil der deutschen Erwerbsbevölkerung ausmachen wird, stellt die Branche vor Herausforderungen. Verlässliche Prognosen zum mittel- und langfristigen Beschäftigungs- und Weiterbildungsbedarf lassen sich jedoch mit Hilfe geeigneter Software treffen und können die Personaleinsatzplanung optimieren.
Bildquelle: © iStockphoto.com/Mark Ryan
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mit Dr.-Ing. Eggert de Weldige, Technischer Geschäftsführer der Maschinenfabrik Köppern, und IT-Leiter Andreas Engelbrecht
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