25.04.2012
Interview, Dokumentenmanagement

Jürgen Biffar, Docuware AG

Hunderte, tausende und mehr

Interview mit Jürgen Biffar, als Vorstand der Docuware AG in Germering verantwortlich für die Bereiche Finanzen und Produkt, über die neue Software-as-a-Service-Lösung „Docuware Online“


„Die Softwarewelt wird sich ändern – und zwar dramatisch. So wie damals, als der PC die Großrechner verdrängte. Und wenn wir jetzt nichts tun, werden wir als traditionelle Softwarehersteller spätestens in drei bis sechs Jahren untergehen“, so Jürgen Biffar, Vorstand der Docuware AG.

ITM: Herr Biffar, was zeichnet eine gute SaaS-Lösung für das Dokumentenmanagement aus?

Jürgen Biffar: Die Lösung muss mandantenfähig sein, damit sich mehrere Unternehmen ein System teilen können. Dokumentenmanagement aus der Cloud muss sich zudem ohne großen Aufwand in bestehende Anwendungen integrieren lassen. Dabei muss das Dokumentenmanagement sowohl geeignete Standard- als auch Programmierschnittstellen mitbringen, über die individuelle Anpassungen vorgenommen werden können. Außerdem muss die Lösung entsprechend skalierbar sein.

Nicht zuletzt besitzt der Sicherheitsaspekt einen hohen Stellenwert: Das gilt zum einen für den Schutz vor Daten- und Dokumentenverlust, zum anderen vor unberechtigtem Zugriff durch andere Kunden und auch durch die Administratoren.

ITM: Wie können Hersteller den Endanwendern eine gleichbleibend hohe Performanz garantieren?

Biffar: Indem sie eine auf das Internet optimierte Client-Technologie verwenden: Diese muss auf Browser-Technologie oder schlanken Apps basieren. Sie muss den Datenverkehr zwischen Client und Webplattform minimieren. Und sie muss die Rechenlast so intelligent zwischen dem lokalen Gerät und der Internetplattform verteilen, dass der Benutzer ein tolles Nutzungserlebnis hat und die Ressourcen der Webplattform optimal genutzt werden.Überdies sollte eine einfache Benutzerführung existieren.

ITM: Inwieweit haben Sie diese Vorgaben für Ihr eigenes SaaS-Angebot beherzigt?

Biffar: Bereits vor sechs Jahren haben wir konsequent mit der Entwicklung eines neuen Web Clients begonnen. Während der Markt nach immer neuen, sinnigen und unsinnigen Funktionen verlangt, mussten wir unsere Ressourcen darauf verwenden, erst einmal das, was unsere Software mit traditioneller Technik schon leistete, nun mit der neuen Webtechnologie nachzubilden. Als vor über zwei Jahren der Cloud-Hype einsetzte, haben wir zunächst frohlockt. Zeichnete sich doch nun der Lohn unserer Arbeit in naher Zukunft ab.

Also haben wir eine Infrastruktur aufgebaut und unsere SaaS-Lösung umfangreichen Tests unterzogen. Dabei mussten wir schnell feststellen, dass wir die Mandantenfähigkeit an der einen oder anderen Stelle doch nicht ganz konsequent durchgezogen hatten und es auch an der Skalierbarkeit noch etwas haperte. Gleichzeitig benötigten wir ein neues Portal für die Online-Registrierung unserer Kunden. Es sollte ermöglichen, dass ein Vertriebspartner oder ein Interessent direkt über das Internet ein Docuware-System buchen und innerhalb von wenigen Minuten mit der Nutzung beginnen kann. Und natürlich sollte das Portal auch die automatische Rechnungsstellung beherrschen. Nachdem wir diese Hausaufgaben gründlich gemacht haben, fiel vor einigen Wochen der offizielle Startschuss unseres Software-as-a-Service-Angebot.

ITM: Derzeit spricht alle Welt von „Bring your own device“. Wird man bald nicht eher von „Bring your own software“ sprechen müssen?

Biffar: Wenn wir diese Fragen ehrlich beantworten, müssen wir sagen: Jawohl, die Softwarewelt wird sich ändern. Und wenn wir jetzt nichts tun, werden wir als traditionelle Softwarehersteller spätestens in drei bis sechs Jahren untergehen. Und mit uns die Systemadministratoren, die an den alten Technologien festhalten und im schlimmsten Fall die Anwenderunternehmen, die wertvolle Effizienzpotentiale nicht nutzen.

Ein Beispiel für „Bring your own software“ ist Salesforce.com, ein erfolgreicher Anbieter von CRM in der Cloud. Ein Teil des Erfolgs baut darauf auf, dass Vertriebs­teams großer Unternehmen mit ihrem Siebel- oder SAP-System nicht zurechtkamen. Sie haben stattdessen selbständig Salesforce.com im Web gebucht und damit innerhalb kürzester Zeit ihr Kundenmanagement verbessert.


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