25.05.2012
Unternehmen
Von: Peter Koller

Eurocloud Deutschland Conference 2012

Hürden und Potentiale beim Cloud Computing

Am 23. Mai 2012 bot die Konferenz von Eurocloud Deutschland zahlreiche Informationen zu den Schwerpunkten Interoperabilität, Innovation und Internationalität.


Am 23. Mai fand die diesjährige Konferenz von Eurocloud Deutschland wie im Vorjahr in der Kölner Wolkenburg statt.

Die Nutzung von Cloud Computing fängt hierzulande nun auf breiter Basis an und das Potential ist riesig, lautete der Tenor auf der Veranstaltung. Neben interessanten Studien zur Marktanalyse wurden Maßnahmen gezeigt, die der Überwindung bestehender Hürden dienen und konkrete Praxisprojekte zur Hilfestellung an die Hand gegeben. In der ersten Keynote präsentierte Bruno Wallraf, Partner bei KPMG, den Cloud Monitor 2012 – eine KPMG-Studie, die auf einer repräsentativen Unternehmensbefragung in Deutschland durch Pierre Audoin Consultants basiert.

Zwei Kernaussagen hätten sich dabei herauskristallisiert: Bislang werden Cloud-Lösungen in Deutschland nur gering genutzt – aber diejenigen, die sie nutzen, sind überdurchschnittlich zufrieden. 27 Prozent der deutschen Unternehmen setzen demnach bereits Private Clouds ein, 60 Prozent davon beurteilen ihre Erfahrung als positiv. Von den sechs Prozent der Public-Cloud-Nutzer zeigten sich sogar 80 Prozent zufrieden.

Für die Hälfte der Firmen sei das neue IT-Konzept allerdings noch kein Thema und Wallraf mahnte: „Unternehmen, die nicht in das Thema investieren, werden erhebliche Schwierigkeiten haben.“ Vor allem kleine und mittlere Unternehmen seien die Potentiale von Cloud Computing offenbar nur unzureichend bewusst. Die Nutzer hingegen erhoffen sich vor allem schnellere Skalierbarkeit der IT-Leistungen, höhere Innovationsfähigkeit, bessere Performance der IT-Leistungen und den mobilen Zugriff auf IT. Als Hürden standen ganz oben auf der Liste: die Befürchtung, IT-Know-how zu verlieren, die Angst vor Datenverlust und die unklare Rechtslage. Hier lobte Wallraf explizit die Zertifizierungslösung von Eurocloud, um Bedenken der Anwender auszuräumen.

„Das ist die fundierteste Studie, die ich in zwei Jahren zu dem Thema gesehen habe, und es gibt keinen Punkt, dem ich widersprechen kann“, eröffnete Lutz Kohler von Google seinen Vortrag „Cloud Computing für Unternehmen – der ,100 Prozent Web‘-Ansatz“. Dabei ist er davon überzeugt, das Cloud Computing gerade für kleine Unternehmen ein ganz großes Thema sei. Wenn sie sich aber einzig Kosteneinsparungen durch Public Cloud Computing versprächen, sei das langfristig keine geeignete Lösung für sie. Cloud Computing stelle einen fundamentalen Wandel dar, der letzte dieser Größenordnung war laut Kohler die industrielle Revolution. Schöner Nebeneffekt ist die höhere Energieeffizienz für die Cloud: „Der CO2-Ausstoß einer Google-Suchanfrage ist 850-mal geringer als der Druck einer Tageszeitung“, erklärte Kohler und betonte, dass sein Unternehmen die Wichtigkeit von Transparenz erkannt hat.

Alle Voraussetzungen für Cloud Computing sind nach Worten des Google-Experten vorhanden, doch gerade deutsche Unternehmen würden nur zögerlich auf den Zug aufspringen. Einen Grund verdeutlichte er genauer: „Cloud Computing macht nicht an Ländergrenzen halt, im Moment machen es aber die Gesetze. Eine europäische Rechtsnorm ist notwendig, sie kommt aber erst circa 2015.“ Der Schritt in die Cloud führt aus seiner Sicht über Anwendungen – zunächst die externer Anbieter und schließlich eigens entwickelte. Unternehmen müssten sich genau überlegen: Was mache ich selbst, was kaufe ich ein?

Verleihung der Cloud-Awards

Im Rahmen der Konferenz fand zudem die Verleihung der "Eurocloud Deutschland Abwarts" statt. In vier Kategorien wurden die besten Cloud-Services ausgezeichnet. Die Jury hat in Abhängigkeit von der Kategorie Faktoren wie Zukunftsorientierung, Geschäftsmodell oder Vorteile für den Kunden bewertet. Die diesjährigen Sieger und Nominierten der Awards zeigen, welches enorme Potential in Cloud-Services steckt und wie diese die verschiedenen Marktanforderungen hervorragend erfüllen““, sagt Bernd Becker, Vorstandsvorsitzender von Eurocloud Deutschland_Eco. „Das Niveau der eingegangenen Einreichungen war sehr hoch und hat es der unabhängigen Jury nicht leicht gemacht.“

Die besten Cloud Services in den einzelnen Kategorien sind:
    •    Best Cloud Service Product: Logisticsplatform AX4 (AxitAG)
    •    Best Start-up: E-Mail Migration Service (Audriga GmbH)
    •    Best Case Study Commercial Sector: Cloud Express (Infopark AG)
    •    Best Case Study Public Administration: kiv.TrustedCloud (KIVBF und Comparex)

Die Logisticsplatform AX4 hat die Jury vor allem in den Punkten Datensicherheit, Datenschutz und Compliance überzeugt sowie mit der gebotenen Funktionalität. Desweiteren erhielt die Audriga GmbH als bestes Start-up in der Cloud mit ihrem E-Mail-Migration-Service eine Auszeichnung. Die Infopark AG konnte mit Cloud Express in der Kategorie „Best Case Study Commercial Sector“ besonders durch den erreichbaren Kundennutzen bei der Jury punkten. Nicht zuletzt konnten KIVBFund Comparex mit Kiv.Trustedcloud  laut Jury zeigen, dass der Service besonders hohe Vorteile für die öffentliche Verwaltung bietet.
ecd-conference.de


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