23.06.2009
Aktuelle Ausgabe
Von: Katharina Weber

Hier spielt die Musik

Die Adam Hall GmbH, einer der größten Hersteller und Händler von ­Musikzubehör, setzt in ihrem neuen Logistikzentrum in Neu-Anspach auf eine Lagerverwaltungssoftware. Mit dem integrierten System sollten die ­Personalkosten gesenkt und die Lieferzeiten verkürzt werden.


Adam Hall beschäftigt weltweit über 120 Mitarbeiter und unterhält Niederlassungen in Deutschland, Frankreich, Spanien, Polen, Dänemark und Großbritannien. Hauptgeschäftsfeld des Unternehmens ist Technikzubehör rund um Veranstaltungen. Die Produktpalette reicht dabei von Flightcase-Hardware und Fittings über Musikzubehör bis hin zu Kabelbrücken. Das gesamte Sortiment umfasst ca. 5.000 Artikel. „Täglich verlassen mehr als 250 Sendungen unser Lager – das sind rund 15 Tonnen Ware“, rechnet der kaufmännische Leiter Sven Wagner vor. Früher waren alle Artikel auf sechs Lager verteilt. Kommissioniert wurde papiergebunden. Ein Großteil der Abläufe war manuell organisiert und der Aufwand entsprechend hoch. „Bei der Planung des Neubaus hatten daher optimierte Lagerprozesse und maximaler Durchsatz für uns oberste Priorität“, erläutert Dennis Böhmer, Logistikleiter bei Adam Hall.

Mitte 2008 begann die Softwareauswahl. Zu den Evaluierungskriterien zählten u.a. funktionale und technische Kriterien, wie eine flexible Softwarearchitektur und transparente Prozesse, aber auch die Themen Projekt- und Integrationssicherheit waren entscheidend. Nach verschiedenen Workshops entschied sich Adam Hall für die Anwendung Unitop LVS des Anbieters GOB Software & Systeme, die auf Microsoft Dynamics NAV basiert. Das war vor allem in Hinblick auf die kurze Realisierungsphase von Bedeutung. Darüber hinaus war auch die Bereitschaft zu kundenspezifischen Anpassungen durch den Anbieter wichtig. „Wir machen für unsere Kunden auch das Unmögliche möglich. Das bedeutet, dass wir auch softwaretechnisch viele Sonderlösungen benötigen“, so Wagner. Sein Kollege Born ergänzt: „Deshalb waren für uns die Leistungsfähigkeit, der große Funktionsumfang und natürlich der hohe Parametrisierungsgrad der Lösung zentrale Kriterien.“ Ein weiteres ausschlaggebendes Argument für die Lösung war das Know-how der GOB im Logistiksektor.

Effiziente Lagerprozesse

Innerhalb von zweieinhalb Monaten erfolgte die Implementierung in das neue Adam Hall Logistikzentrum. Die neue Lösung ermöglicht Adam Hall ein Controlling über die gesamten Lager- und die damit verbundenen Unternehmensprozesse – und zwar ohne einen Bruch im Daten- und Informationsfluss.

Das neue, 7.000 Quadratmeter große Logistikzentrum verfügt über insgesamt ca. 8.000 Plätze. Bereits nach kürzester Zeit erzielte Adam Hall durch den Einsatz der Lagerverwaltungssoftware eine höhere Transparenz und realisiert im Vergleich zur vorherigen Lösung eine viel höhere Bestandsgenauigkeit. Durch die Möglichkeit, mehrere Aufträge parallel zu kommissionieren, wird zudem ein deutlich höherer Lagerdurchsatz erreicht. Für beschleunigte Ein- und Auslagerungen sorgt das Staplerleitsystem mit Doppelspiel – hier profitiert Adam Hall auch vom automatischen Auffüllen der Lagerplätze. „Für unsere 26 Lagermitarbeiter waren Überstunden früher an der Tagesordnung. Jetzt fallen nur noch in Ausnahmefällen Zusatzschichten an“, erklärt Wagner. Im Ergebnis erzielt Adam Hall durch die Überstundenreduzierung eine Einsparung der Personalkapazitäten von rund 25 Prozent.

Außerdem können nun alle Bildschirmmasken nach individuellen Bedürfnissen zusammengestellt werden. Das gilt auch für den Logistikleitstand, der speziell für Adam Hall konfiguriert wurde. Eine besondere Herausforderung stellten dabei die fünf verschiedenen Auftragsprioritäten dar, die von „niedrig“ über „normal“ und „eilt sehr“ bis hin zu „heute raus“ und „sofort“ reichen. „Bestellungen, die bis 15.45 Uhr bei uns eingehen, werden – wenn nötig – noch am selben Tag bearbeitet und verschickt. Deshalb ist es für uns wichtig, auf einen Blick zu sehen, was im Lager los ist. Wir müssen auch in der Lage sein, Prioritäten flexibel zu verändern“, so Wagner.

Zudem war der Versand ein großes Thema, da Adam Hall in diesem Bereich viele Sonderlösungen benötigt. Das beginnt bei der Versendungsart, geht über die Frachtkostenermittlung und endet bei den Zollformalitäten. GOB integ­rierte ein Versandsystem, mit dem u.a. der Etikettendruck für KEP-Dienstleister realisiert wird. Wichtig ist für den Fachhändler z.B. der Paketinhaltsschein. „Wir können bis zu fünf Aufträge in einen Karton packen und benötigen deshalb einen Nachweis, der den gesamten Inhalt detailliert aufführt. Das ist bei Sendungen nach Russland sogar Vorschrift“, führt Böhmer aus. Des Weiteren gewährleistet der Inhaltsschein eine lückenlose Nachvollziehbarkeit bei Reklamationen – Packfehler sind mit der neuen Lösung fast unmöglich. 

 

Das ist Adam Hall

Standort: Neu-Anspach
Gründung: Mitte der 70er Jahre in England, 1980 Gründung der deutschen Adam Hall GmbH
Mitarbeiter: weltweit über 120
Branche: Hersteller und Händler von Musik­-
zubehör, täglich verlassen ca. 250 Sendungen das Lager
Internet: www.adamhall.com


Aktuelle Ausgabe

Titelinterview
mit Dr.-Ing. Eggert de Weldige, Technischer Geschäftsführer der Maschinenfabrik Köppern, und IT-Leiter Andreas Engelbrecht

IT-Finanzierung
Althardware als Finanzierungsquelle

Virtualisierung
Weiter auf Wachstumskurs