Werner Merkel, Axa
Genügend Substanz bei Schlechtwetter
Interview mit Werner Merkel, Bereichsleiter Garantie & Kaution bei Axa, über die Rolle von Investitionsabsicherungen im Falle einer Kreditfinanzierung.

ITM: Herr Merkel, wie schätzen Sie vor dem Hintergrund der aktuellen Schuldenkrise das derzeitige Vertrauen der Mittelstandsunternehmen in Kreditfinanzierungen ein?
Werner Merkel: Wir beobachten im Mittelstand eine sehr konservative, traditionelle Haltung zur Unternehmensfinanzierung: Einbehaltung von Gewinnen, eine möglichst hohe Unabhängigkeit von Fremdfinanzierungen und eine stabile Liquidität genießen einen hohen Stellenwert. Sofern Finanzierungen und Betriebsmittelkredite erforderlich sind, erfolgen sie über langjährige Partner aus dem Kreditbereich. Neue Wege werden nur dann eingeschlagen, wenn man von der Zuverlässigkeit seines Partners überzeugt ist.
ITM: Welche Anforderungen muss ein Unternehmen heutzutage generell erfüllen, um einen Kredit der Bank zu erhalten?
Merkel: Es muss eine zukunftsweisende Perspektive haben, eine plausible Position in seinem Markt vorweisen können und genügend Substanz haben, auch bei „schlechterem Wetter“ den Kredit noch bedienen zu können.
ITM: Inwiefern spielt hier die Absicherung der Investition eine Rolle und ab wann ist sie erforderlich?
Merkel: Absicherung spielt heute für jeden Marktteilnehmer eine große Rolle – für den Lieferanten von Ware oder Dienstleistung genauso wie für jede Bank. Art und Höhe hängen immer vom Risiko und vom Vertrauen zum Marktteilnehmer ab. Versicherer in Form von Warenkredit- und Bürgschaftsversicherern (Kautionsversicherer) spielen hierbei eine wichtige Rolle, weil sie mit ihrer Leistung Vertrauen bilden.
ITM: Welche Arten der Absicherung sind von den Banken konkret gewünscht und kommen i.d.R. auch zum tragen?
Merkel: Eine adäquate Versicherungsdeckung stellt für den Kreditgeber ein wesentliches Kriterium dar. Ein Unternehmen ohne genau passenden Schutz ist ein höheres Kreditrisiko, das von der Bank nicht oder nur zu schlechteren Bedingungen akzeptiert wird. Generell sollte ein Unternehmer immer die Risiken auf eine Versicherung übertragen, die er nicht aus eigenen Mitteln tragen kann. Das gilt z.B. für die Zerstörung und Beschädigung von Gebäuden, Betriebseinrichtungen und Vorräten. Hier bietet eine sogenannte Sachsubstanzversicherung entsprechenden Versicherungsschutz. Auch eine Ertragsausfallversicherung ist unerlässlich, da sie Entschädigung für Umsatzausfälle und nicht abbaubare fortlaufende Kosten leistet. Ebenfalls wichtig für eine Bank kann eine Haftpflichtversicherung sein, die den Unternehmer von Schadenersatzansprüchen Dritter freistellt. Somit sind solche Versicherungen auch eine indirekte Finanzierungshilfe.
ITM: Welche Möglichkeiten offeriert Axa an dieser Stelle für mittelständische Unternehmen?
Merkel: Wir bieten die gesamte Bandbreite an Versicherungslösungen an – von der Haftpflicht-, über die Sachinhalts- und Gebäudeversicherung bis hin zu speziellen Elementardeckungen, die Schutz gegen die Folgen von Stürmen, Überschwemmungen und anderen Naturgefahren bieten. Welcher Versicherungsschutz für ein Unternehmen der richtige ist, muss immer in einer systematischen Analyse und Beratung geklärt werden.
ITM: Doch Absicherungen sind nicht nur von den Banken gewünscht: Auch Kunden möchten sich absichern, wenn sie beispielsweise in einen Auftrag investieren, dass dieser auch bis zum Ende ausgeführt wird. In welcher Form kann diese Absicherung erfolgen? Welche Rolle spielen hier Versicherungsunternehmen?
Merkel: Ab einer gewissen Größe müssen Unternehmen ihren Auftraggebern Sicherheiten dafür bieten, dass ein Auftrag auch bis zu Ende ausgeführt wird. In der Bauwirtschaft ist dies bereits gang und gebe, aber auch in der IT-Branche kann dies abgefragt werden und muss bei der Gesamtfinanzierung eines Unternehmens mitbedacht werden. Eine Bürgschaft bietet eine solche Sicherheit, denn sie deckt im Falle des Ausfalls einen Teil des dann entstandenen Schadens. Die Relevanz der Versicherer nimmt in diesem Bereich zu, denn Bürgschaften werden heute deutlich öfter über Versicherer und nicht mehr über Banken allein nachgefragt.
Bildquelle: © Medienhaus Verlag
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