29.07.2009
Software, Aktuelle Ausgabe
Von: Diana Haar

Für die Zukunft gewappnet

Im Zuge eines übergeordneten Business-Intelligence-Projekts führte der Elektronikspezialist Häusermann eine zentrale Auswertungs- und Analyseplattform für unternehmensrelevante Kennzahlen ein.


Die Häusermann GmbH ist ein mittelständisches Industrieunternehmen in der Elektronikbranche. Rund 190 Mitarbeiter stellen für mehr als 600 Kunden Leiterplatten und Folientastaturen her, zumeist Spezialentwicklungen für die Medizintechnik, Mess- und Regeltechnik oder spezielle Industrieelektronik. Pro Jahr werden mehr als 17.000 unterschiedliche Fertigungsaufträge abgewickelt, individuelle Aufträge können gar innerhalb von zwei Arbeitstagen umgesetzt werden.

„Die Elektronikbranche steht unter einem hohen Preisdruck und der Wettbewerb nimmt stetig zu. Die Produktentwicklung unserer Kunden verläuft so rasant, dass wir im Schnitt alle zwei Jahre vor neuen Herausforderungen in unserer Produktion stehen“, berichtet Horst Huber, IT- und Projektleiter bei Häusermann. „Deshalb sind für uns die optimale Betreuung jedes einzelnen Kunden und die genaue Kenntnis der unternehmerischen Vorgänge in Form von Kennzahlen und situationsbezogenen Analysen so wichtig.“

Lange Zeit hatte sich Häusermann erfolgreich auf ein selbst aufgebautes Kennzahlensystem gestützt. Es setzte sich zum Großteil aus verteilten Excel-Auswertungen zusammen, als Datenbasis diente das in allen Unternehmensbereichen integrierte ERP-System Infor Baan IV. Eine erste Datenverdichtung fand durch eigens programmierte Berichte im ERP-System statt. Diese verdichteten Daten wurden über Makros weiter aufbereitet und in einem zentralen Portal visualisiert. Diese gewachsene Lösung war zwar hochgradig automatisiert, ließ sich aber nur schwer an die schneller wechselnden Anforderungen des dynamischen Markts anpassen. Zudem stellte sich die Kennzahlenermittlung als zunehmend aufwändig heraus und es mangelte an der Stimmigkeit des Zahlenmaterials untereinander, nicht zuletzt, weil die Verdichtungslogik dahinter dezentral war.

Schnellere Entscheidungen


Aus diesem Grund entschied sich Häusermann, im Zuge eines übergeordneten Business-Intelligence- und Datawarehouse-Projekts, eine zentrale Auswertungs- und Analyseplattform für unternehmensrelevante Kennzahlen zu schaffen. Sie sollte es Häusermann ermöglichen, schneller operative, taktische oder strategische Entscheidungen zu treffen und so die einzelnen Organisationseinheiten besser zu steuern. Dabei standen die Steigerung der Effizienz im Standardreporting und Berichtswesen sowie die Schaffung einer Plattform für Ad-hoc-Analysen mit intuitivem User Interface im Vordergrund. Wichtig waren Häusermann auch der Wissensaufbau und -transfer auf eigene Mitarbeiter sowie der Aufbau eines Datawarehouse samt notwendiger Infrastruktur.

Nach einer umfassenden Systemauswahl und verschiedenen Evaluierungsworkshops der Anbieter Oracle, Cognos und Infor, entschied sich Häusermann Ende des Jahres 2007 für eine BI-Plattform in drei Architekturschichten inklusive Datenhaltung, Anwendungs- und Präsentationsschicht. Dazu gehörten auch der Aufbau und das Design eines kleinen Datawarehouse inklusive Schnittstellen zu operativen Vorsystemen. Da Häusermann bereits seit Jahren zufrieden mit seiner ERP-Lösung gearbeitet hatte, setzte das Unternehmen auch bei diesem Projekt auf Infor und die Perfomance-Management-Lösung PM 10. Ausschlaggebend war dabei das gewohnte Excel-Interface, um den Anwendern Bedienerfreundlichkeit und eine gewohnte Arbeitsumgebung zu bieten. Zudem hatte die Entscheidung den Vorteil, dass beide Systeme miteinander problemlos kompatibel sind. Weiterhin entschied sich Häusermann für ein Datawarehouse auf Oracle 10g und das Cubeware Importer ETL-Werkzeug.

„Excel ist nach wie vor das bevorzugte Werkzeug unserer Mitarbeiter. Deshalb waren für uns neben einem Excel-Interface auch ein straffer Zeitplan und die Definition der Key Performance Indicators (KPI) große Herausforderungen im Projektverlauf“, so Huber. „Diese mussten wir in Ableitung der Anforderungen aus den Geschäftsprozessen überarbeiten und zum Teil neu definieren.“ Nach einigen Prototypen-Workshops und Grundlagenschulungen nahmen die IT-Mannschaft von Häusermann und jeweils ein Key-User aus allen Fachbereichen den Aufbau des gesamten BI-Systems fast komplett selbst in die Hand. Nach zehn Monaten ging das System Ende 2008 live.

Manuelle Prozesse abgeschafft


Heute blickt Häusermann auf die erreichten Projektziele zurück: Die Effizienz im Berichtswesen ist inzwischen um über 50 Prozent und mehr gestiegen. So benötigten Mitarbeiter im Bereich Qualitätswesen etwa 80 Stunden pro Quartal für die Erstellung der Rohdaten für Monats- und Quartalsberichte. Die Datenaufbereitung für Wochenberichte dauerte wöchentlich etwa fünf Stunden. Über das neue Portal sind diese Auswertungen heute automatisch und immer tagesaktuell verfügbar. Auch das Controlling profitiert von den Neuerungen: Die Erstellung der Rohdaten für Kosten und Erlöse pro Fertigungsprojekt dauerte bisher etwa zwei Arbeitstage. Die Generierung der kundespezifischen Deckungsbeitrags- und Prozesskostenrechnungen läuft nun im System automatisch und ist über das Datawarehouse auch auf Artikelebene abrufbar.

Zudem wurden im Berichtswesen früher alle Daten von unterschiedlichen Excel-Dateien manuell in Winword-Tabellen übertragen. Mit den hauseigenen programmierten Schnittstellen zwischen Datawarehouse, OLAP-Würfeln und der Office-Plattform können Tabellen und Grafiken heute automatisch für die Ursachenanalyse und Kommentierung der Werte im Berichtswesen erstellt werden.

Da Häusermann vielfach tiefer gehende Abfragen mit Daten aus Warehouse und/oder operativen DV-Systemen zur Entscheidungsfindung benötigte, wurden zusätzlich individuelle Schnittstellen geschaffen, die einfachen und raschen Datenzugriff unter Verwendung der fachspezifischen Anforderungen und deren Verdichtungslogik bieten. „Bisher waren bei uns hoch qualifizierte Mitarbeiter der Fachabteilungen mit der Aufbereitung von Daten beschäftigt, was wertvolle Ressourcen verschwendete“, fasst Huber die frühere Situation zusammen. „Dank der neuen Lösung können wir diese Aufgaben automatisch durchführen und unsere Mitarbeiter haben mehr Zeit, sich um Ursachenanalyse und das Einleiten entsprechender Maßnahmen zu kümmern.“

Durch die aufrecht erhaltene dezentrale Verantwortung der Dateneinsicht werden Informationen weiterhin dort generiert, wo sie benötigt werden. Der Prozess der Auswertung von Geschäftszahlen, von der Datenerhebung bis zur Handlungsempfehlung, ist somit unverändert geblieben. Und auch weitere Zukunftspläne hat Häusermann bereits: „Im nächsten Schritt wollen wir Realtime Dashboards und eine integrierte Finanzplanung umsetzen“, so Huber.

Die Häusermann GmbH
Geschäftsfeld:
Herstellung von Leiterplatten und Folientastaturen, zumeist Spezialentwicklungen für die Medizintechnik, Mess- und Regeltechnik oder spezielle Industrieelektronik
Hauptsitz: Gars am Kamp/Österreich
Gründung: 1907
Mitarbeiter:
rund 200
Internet: www.haeusermann.at


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