07.10.2011
Branche, IT-Dienstleistung
Von: Steffen Bäuerle

Michael von Uechtritz und Steinkirch, Detecon

Fitness-Check für die IT von Mittelständlern

Im Gespräch mit Michael von Uechtritz und Steinkirch, Managing Consultant bei Detecon International, über Fitness-Checks für die IT von Mittelständlern, die Grenzen von Software-Werkzeugen und die Beständigkeit alter Gewohnheiten


ITM: Mittelständische Geschäftsführer sind wirtschaftlich denkende und gegenüber IT-Innovationen offene Kaufleute. Sie fordern trotzdem Fitness-Checks für die mittelständische IT. Warum?
Michael von Uechtritz und Steinkirch:
Unserer Erfahrung nach lassen viele Mittelständler in der Tat viel IT-Potential brach liegen, allerdings – und das ist entscheidend – nicht bewusst. Geschäftsführer von mittelständischen Unternehmen wissen zwar zumeist, auf welchem Buchhaltungs-, CRM-, ERP- oder SAP-System ihre Mitarbeiter arbeiten, aber sie kennen und nutzen vielfach nicht die Potentiale, die sich in den vielfältigen IT-Komponenten verbergen. IT wird selten als Kernprozess gesehen und läuft nebenher. Doch die Zeiten, in denen das Business rein kaufmännisch dominiert werden kann, sind vorbei. Heutzutage wird der zukünftige unternehmerische Erfolg stark durch die IT bestimmt.

ITM: Können Sie das konkretisieren?
von Uechtritz und Steinkirch:
Nicht nur viele zukunftsweisende Veränderungen, wie die Virtualisierung von Geschäftsprozessen oder die globale Mobilität mit Echtzeittransaktionen unter Käufern und Verkäufern sowie sich schnell ändernde fragile Märkte sind technologiebasiert, auch immer mehr Produkte enthalten IT-Komponenten, seien es Autos, Haushaltsgeräte, Kinderspielzeuge oder medizinische Apparate. Daher müssen wir auf Managementebene ein stärkeres Technologie-Bewusstsein schaffen. Es muss keine Affinität sein, aber ein Bewusstsein, damit die Geschäftsführung die Potentiale ihrer IT kennt, sie nutzt und so das Business vorantreibt.

ITM: Zum Beispiel?
von Uechtritz und Steinkirch:
Beispielsweise durch Cloud-Lösungen. Stellen Sie sich einen Vertriebsmitarbeiter vor, dessen Aufgabe es ist, schnellstmöglich neue Absatzmärkte zu erschließen weil auf dem heimischen Markt Absatzeinbrüche festgestellt wurden. Heutzutage unterstützen dabei Cloud-basierte Lösungen. Diese kann der Vertriebler mit dem ERP-System, auf dem er ohnehin schon arbeitet, nutzen. Beispielsweise indem er – vereinfacht dargestellt – bei Bedarf für einige Monate Vertriebskanäle in einer neuen Geographie per Kreditkarte hinzubucht. Fehlen ihm aber die Qualifikation und das Wissen zu derartigen Prozessmodellen, kann er die im ERP-System schon angelegten Lösungen nicht nutzen und keine Prozesse in eine Cloud-Umgebung auslagern.

ITM: Wären dann nicht eher Mitarbeiterschulungen anstelle eines IT-Fitness-Checks gefragt?
von Uechtritz und Steinkirch:
Beides. Ein IT-Fitness-Check macht zunächst bislang verborgene Potentiale der Informations- und Kommunikationstechnologie transparent. In einem abschließenden IT-Fitness-Report und einem offenen Abschlussgespräch mit dem Management fassen wir die Untersuchungsergebnisse zusammen. Darin zeigen wir der Geschäftsleitung bisher ungenutzte Potentiale ihrer IT auf und geben konkrete Handlungsempfehlungen.

ITM: Könnte ein elektronisches Software-Werkzeug einen solchen Check nicht effizienter, günstiger und schneller durchführen?
von Uechtritz und Steinkirch:
Ein elektronisches Tool könnte die Tiefe und Breite der Analyse nach unseren Recherchen zurzeit nicht abgreifen. Wir setzen auf die persönliche Erfahrung unserer Berater und das Gespräch mit dem Kunden. Für einen effizienten Prozessablauf nutzen wir vorstrukturierte Fragebögen, die wir auf die jeweilige Rolle der befragten Person im Unternehmen, die Größe der Organisation, die Geschäftsfelder und den Reifegrad zuschneiden. So lassen sich individuelle Herausforderungen als auch strategische Ziele und Visionen des jeweiligen Unternehmens in die Befragung einbeziehen.

Erst der direkte Vergleich von Selbst- und Fremdwahrnehmung der IT lässt Rückschlüsse auf die Leistungsfähigkeit, den Leistungsbedarf und auch die aktuelle technologische Position der Organisation zu.

ITM: Wo ist Ihrer Erfahrung nach die IT-Fitness am schwächsten?
von Uechtritz und Steinkirch:
In vielen Fällen identifizieren wir ungenutztes Potential, also fehlendes Alignement von Business und IT, in mangelhaft aufgesetzten Prozessen oder durch nicht vorhandene innovative Technologien, die es auf dem Markt bereits gibt. Die wenigsten Unternehmen forcieren gezielt strategische Innovationen. Sie scheuen die Kosten, die zunächst dabei auf sie zukommen. Zudem fehlt oftmals eine gewisse Experimentierfreudigkeit. Auch die Qualifikationen der Mitarbeiter sind häufig nicht mehr zeitgemäß. Ihre Fähigkeiten reichen meistens zwar aus, um den IT-Betrieb im Unternehmen aufrechtzuerhalten, aber nicht um ihn zu verbessern oder zukunftsweisend und vor allem nachhaltig und stringent auszurichten. Teilweise liegt das an der untergeordneten Funktion der IT-Organisation, deren Ausbildungsbudgets deshalb entsprechend gering ausfallen.

ITM: Was unterscheidet einen IT-Fitness-Check von anderen am Markt angebotenen IT-Analysen?
von Uechtritz und Steinkirch:
Im letzten Jahr haben wir uns mithilfe einer Vergleichsanalyse den Markt angeschaut: Zwar gab es Analyseverfahren zu einzelnen IT-Bereichen wie dem IT-Controlling oder der ERP-Strategie, aber keine umfassende und breite Analyse der gesamten IT eines mittelständischen Unternehmens. In einigen Fällen dauerte eine weitaus weniger umfangreiche Analyse mehrere Monate. Der IT-Fitness-Check hingegen ist so konzipiert, dass die Unternehmen innerhalb weniger Wochen erfahren, was sie vorrangig und konkret brauchen, um auch zukünftig am Markt bestehen zu können.

Michael von Uechtritz und Steinkirch...

...ist Managing Consultant bei der Detecon International GmbH. Dort leitet und verantwortet er internationale Projekte im Bereich Verkauf und Absatzförderung mit transformatorischem Charakter. Dies umfasst sowohl Change Management, Geschäftsmodelle als auch die Implementierung von Synergieeffekten, Kommunikation sowie Organisationsänderungen und Strategieentwicklung.


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