Matthias Schindler, Fujitsu
Energieeffizienz: Kleine Maßnahmen machen den Unterschied
Interview mit Matthias Schindler, General Manager Corporate und Midmarket Business Germany, Fujitsu Technology Solutions

Matthias Schindler, General Manager Corporate & Midmarket bei Fujitsu Technology Solutions
ITM: Wie kann ein mittelständisches Unternehmen sein Rechenzentrum bzw. seinen Serverraum schnell und ohne große Kosten energieeffizienter machen?
Matthias Schindler: Es sind oft schon kleine Maßnahmen, die hier den Unterschied machen: Beispielsweise einen Dampfbefeuchter abzustellen oder weniger Frischluft zuzuführen. Auch eine optimierte Rack-Aufstellung und die Verwendung von Blind Panels in den Racks wirken sich positiv aus. Mit einer Kaltgangeinhausung (Cold Aisle Containment), also der strikten Trennung der Warmluft- von den Kaltluftbereichen, wird die Kühlung ebenfalls optimiert. Zudem sollte ein RZ-Raum abgedichtet und thermisch gedämmt sein.
ITM: Am Markt gibt es dedizierte Software für das Energiemanagement in Rechenzentren. Was können solche Tools leisten?
Schindler: Diese Werkzeuge zeigen den Ist-Stand auf – anhand der Auswertungen und Ergebnisse werden Einsparpotentiale sichtbar und können dann umgesetzt werden.
ITM: Inwieweit lohnt sich der Einsatz von Tools für das Energiemanagement bereits für mittelständische Unternehmen mit kleineren Rechenzentren bzw. Serverräumen?
Schindler: Das ist abhängig vom Tool, der Messtiefe und dem Aufwand. In der Praxis liefern aber bereits einfache Messsysteme verwertbare Ansätze zur Energieersparnis.
ITM: Wie viel müssen die Kunden durchschnittlich für solche Tools bezahlen?
Schindler: Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Ein Beispiel: Bei einem einzelnen Elektroverteiler kann bereits die Investition in ein Multimessgerät von etwa 800 Euro vorteilhaft sein, um sich ein Bild der Situation zu machen. Bei komplexen Systemen kann der Aufwand ungleich höher sein, um verwertbare Ergebnisse zu erzielen. Hier ist aber unter Umständen auch eine temporäre Messung mit mobilem Equipment sinnvoll.
ITM: Wie kann man im RZ insbesondere in den Bereichen Kühlung und Klimatisierung für sinkende Energiekosten sorgen?
Schindler: Durch eine Erhöhung der Raumtemperatur im Rechenzentrum bzw. der Zulufttemperatur zur Kühlung der aktiven Hardware kann Energie eingespart werden. Zudem entsteht bei der Kühlung eine höhere Flexibilität. Jedes Grad Celsius mehr gegenüber der Ausgangstemperatur trägt zu einer Lastreduktion der Kühlanlagen und einer entsprechenden Energieeinsparung bei.
Der Einsatz von EC-Ventilatoren, die kontinuierlich auf variable Lasten reagieren und sich einem veränderlichen Luftbedarf anpassen, und eine Kaltgang- oder Differenzdruckregelung wirken sich ebenfalls auf die Energiekosten aus. Zudem hat die Reduzierung des Volumenstroms der Luft einen positiven Einfluss.
ITM: Welche Technologien werden das Rechenzentrum der Zukunft maßgeblich energieeffizienter machen?
Schindler: Hier sind eine direkte freie Kühlung, aber auch eine Uferfiltrat- und Brunnenwasserkühlung zu nennen. Zudem wird die Kühlung in der Tat verstärkt mit Hilfe von Geothermie, Fern- oder auch Absorptionskälte umgesetzt werden.
ITM: Bitte nennen Sie uns kurz ein Praxisbeispiel, bei dem ein mittelständischer Anwender sein RZ energieeffizienter gestaltet hat? Wie viel Energiekosten konnte er konkret einsparen?
Schindler: Bei einem unserer mittelständischen Kunden kommt ein Uferfiltrat zur Kühlung bei Wasservorlauftemperaturen von 14°C zum Einsatz. Das Unternehmen kann so bei einer Kälteleistung von etwa 40 kW rund 5.000 Euro pro Jahr einsparen.
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