29.08.2012
Interview, Business-Software

Robert Holocher, Holocher und Bauer GmbH

Eigenbetrieb ist keine Option

Robert Holocher gründete die Firma Holocher + Bauer. Im Interview mit IT-MITTELSTAND erklärt er, welche Rolle ein externes Hosting der IT-Systeme spielt.


Aus Sicht von Robert Holocher, Managing Director der Holocher + Bauer GmbH, entscheiden nicht nur nackte Zahlen über das Hosting der SAP-Systeme.

ITM: Herr Holocher, warum entschieden Sie sich für eine Einführung von SAP?
Robert Holocher:
Unser Unternehmen wurde im Jahr 2006 gegründet, wobei wir anfangs eine eher starre und unflexible ERP-Software einsetzten. Daher wurde bereits 2008 ein neues ERP-System einführt – diesmal SAP. Was die Zukunftsfähigkeit des ERP-Herstellers betrifft, wollten wir auf „Nummer sicher“ gehen. Und wir wollten künftig auch mit dem SAP-Partner agieren, der von uns mit der Einführung des ERP-Systems betraut wurde. Seitdem setzen wir auf den Komplettdienstleister Abilis, der unsere SAP-Systeme im eigenen Rechenzentrum hostet.

ITM: Warum lassen Sie die Systeme durch einen Dienstleister hosten?
Holocher:
Zum einen ist unsere Zentrale in Ötisheim bei Pforzheim sehr schlank aufgebaut. Dies funktioniert nur, da wir uns auf unsere Kernkompetenzen beschränken. Produziert wird am Fertigungsstandort in Ungarn. Hierzu benötigen wir Kompetenz, Zuverlässigkeit und Flexibilität – und das zu vertretbaren Kosten. Am Hosting durch einen externen Dienstleister schätzen wir genau diese Attribute. Zum anderen stellen direkte Ansprechpartner sicher, dass wir bei auftretenden Problemen zeitnah Unterstützung bekommen. Dabei können wir uns auf das fachliche Know-how unseres Dienstleisters verlassen, der die entsprechende Branchenkenntnis und das technische Fachwissen mitbringt. Natürlich hat bei der Entscheidung zugunsten des Hostings auch der Kostenaspekt eine Rolle gespielt. Durch ein gut kalkulierbares Preismodell haben wir monatlich Fixkosten, die wir in der Budgetplanung berücksichtigen können.

ITM: Was war Ihre Hauptzieldefinition an das SAP-Hosting?
Holocher:
Neben der erwähnten Kostenreduzierung war für uns wichtig, dass die Sicherheit gewährleistet wird. Der Betrieb muss auch beim Hosting durchgängig sein. Bereits bei der Suche nach einem Dienstleister hatten wir genau darauf geachtet, dass die richtigen Service Level Agreements in Bezug auf Verfügbarkeit, Performance, Reaktions- und Antwortzeiten gegeben waren.

ITM: Wo wird dieses System eingesetzt?
Holocher:
Das System kommt bei uns an zahlreichen Stellen zum Einsatz. Sowohl die Verwaltung als auch Logistik, Materialwirtschaft und Produktion nutzen die Lösung. Darüber hinaus sind wir per EDI an unsere Kunden angebunden.

ITM: Wäre es nicht sicherer und einfacher gewesen, wenn Sie Ihre Lösung bei sich im Unternehmen direkt installiert hätten?
Holocher:
Ganz im Gegenteil. Wir können bei uns intern weder die SAP-Infrastruktur betreuen noch besitzen wir das dazugehörige Know-how. Da aber IT-Sicherheit ein großes Thema ist, haben wir das Projekt jemandem in die Hand gegeben, der die Expertise in allen baulichen und sicherheitsrelevanten Themen mitbringt.

ITM: Worauf haben Sie bei der Auswahl des Anbieters noch geachtet?
Holocher:
Wir haben uns vor der Anbietersuche Gedanken über unsere Anforderungen gemacht. Wir brauchten jemanden, der in unserer Nähe sitzt und uns auch kurzfristig Fragen beantworten kann. Die Wahl fiel auf einen regionalen Anbieter, der uns einen persönlichen Ansprechpartner zur Verfügung stellt. Außerdem war uns wichtig, dass wir einen mittelständischen Dienstleister beauftragen, der sich mit den Anforderungen eines ebenfalls mittelständischen Unternehmens auskennt. Nicht nur das Preis-Leistungs-Verhältnis sollte ausgewogen sein, die gleiche Anforderung hatten wir auch an die Partnerschaft.

ITM: Ist das Hosting einer Lösung denn auf Dauer nicht teurer als der Eigenbetrieb?
Holocher:
Betrachtet man ausschließlich die harten Faktoren, also interne und externe Kosten im Vergleich, sind die Vorteile eines Hostings auf Dauer vermutlich gering. Wir haben uns aber vor allem auf die weichen Faktoren konzentriert. Da kann ein professioneller Dienstleister in Bezug auf Flexibilität, Dynamik und veränderte Anforderungen einfach besser reagieren.

ITM: Haben Sie sich nie mit dem Gedanken getragen, SAP im Eigenbetrieb einzusetzen?
Holocher:
Seitdem der Dienstleister für uns SAP betreibt, müssen wir uns keine Gedanken über Backups, Hochverfügbarkeit oder den Betrieb der Lösung machen. Diese Planungssicherheit gibt uns den Freiraum, auch neue Projekte zu stemmen, ohne dass wir uns  Gedanken um die technische Basis machen müssen. Ein Eigenbetrieb ist für uns keine Option.

ITM: Wie stellt sich die Vertragsgestaltung dar?
Holocher:
Wir nutzen ein einfaches transparentes Kostenmodell, in dem auch sporadisch anfallende Basistätigkeiten wie das Einspielen von Supportpackages oder Datenbankupdates enthalten sind. Wir zahlen einen monatlichen Fixpreis, ohne dass versteckte Kosten anfallen.

ITM: Nehmen wir an, Sie möchten die Zusammenarbeit kündigen. Wie kommen Sie an Ihre Daten?
Holocher:
Das ist vertraglich klar geregelt. Sollte die Zusammenarbeit irgendwann beendet werden, werden uns alle relevanten Daten auf einem Datenträger übergeben.

ITM: Was raten Sie anderen Mittelständlern, die sich für ein SAP-Hosting interessieren?
Holocher:
Aus unserer Sicht entscheiden nicht nur die nackten Zahlen. Wir haben natürlich auf die Kostenersparnis geachtet, aber es gilt einen Partner zu finden, dem man in allen Belangen vertrauen kann. Deswegen sollten für das Unternehmen wichtige Punkte abgefragt werden. Wenn das alles stimmt, sollte letztlich das Bauchgefühl entscheiden. 

Holocher + Bauer

  • Branche: Automotive
  • Gründung: 2006
  • Hauptsitz: Ötisheim bei Pforzheim
  • Umsatz: rund 15. Mio. Euro

www.holocher-bauer.de


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