Drei Fragen an...
Die Server bilden einen Eckpfeiler in der IT-Infrastruktur. Dementsprechend stark beeinflusst ihre Performance, Stabilität und Sicherheit die Service-Qualität der gesamten IT. Dementsprechend sensibel ist die IT aber auch gegen einen Austausch an dieser zentralen Schaltstelle, der dennoch aufgrund des technischen Fortschritts in regelmäßigen Abständen wirtschaftlich sinnvoll – oder aber auch wegen eines Upgrades oder Austausches zentraler IT-Anwendungen wie z.B. des ERP- oder Mail-Systems zwingend notwendig ist.
IT-MITTELSTAND befragte zwei ausgewiesene Server-Experten, wann der Wechsel der Server-Hardware empfehlenswert ist – und welche technologischen Aspekte dabei berücksichtigt werden sollten. Rede und Antwort standen Ertu Uysal, Vorstand der Transtec AG und Lars Henkel, Leiter des Bereichs Server und Storage bei Maxdata.
ITM: Woran lässt sich erkennen, dass die Server in der IT-Infrastruktur eines mittelständischen Unternehmens veraltet sind und durch modernere Geräte ersetzt
werden sollten?
Ertu Uysal: Oft veralten nicht unbedingt nur die einzelnen Geräte an sich, sondern vielmehr das Gesamtbild einer Rechenzentrums- bzw. Serverlandschaft konzeptionell. Erkennbar wird das durch immer heterogenere Hardware- und Betriebssystemumgebungen, die den Zeitablauf der Beschaffungszyklen vergangener Jahre widerspiegeln und historisch gewachsen sind.
Oft genügt ein kurzer Blick in den Rechnerraum, um solch eine heterogene IT-Landschaft zu erkennen. Dort findet man neben größeren Serverkomplexen häufig auch zahlreiche kleinere dedizierte Server mit geringer Auslastung. Einzelne Server genügen oft auch nicht mehr die geforderten Eigenschaften hinsichtlich Energieverbrauch, Performance, Wartbarkeit, Administrierbarkeit, Support, Sicherheit oder Compliance zu Industriestandards und gesetzlicher Vorschriften.
Typische Anzeichen für veraltete Server sind erhöhte Wartungskosten, das Fehlen von Wartungsverträgen oder der Mangel an Ersatzteilen bzw. hohe Preise dafür. Auch ein hoher Administrationsaufwand durch die historisch gewachsenen, unübersichtlichen Hardware-Strukturen, Probleme bei der Suche nach Treibern, relativ hohe Ausfallzeiten durch Störungen wichtiger Komponenten wie z.B. Plattenlaufwerke oder Lüfter, nicht miteinander vernetzte Insellösungen, regelmäßige Ausfallzeiten wegen Standard-Wartungsarbeiten.
Nur ein Aspekt reicht aber nicht, denn meistens sind die Server bei weitem nicht voll ausgelastet – typisch sind CPU-Lasten von 10 bis 20 Prozent – und daher trotz ihres Alters ausreichend. Dennoch sollte man sich regelmäßig mit dem Thema des „Veraltens“ beschäftigen, wenn man eine optimale Serverumgebung bezüglich Effizienz, Aktualität und Return of Investment haben möchte.
Lars Henkel (Foto rechts): Es gibt verschiedene Anforderungen, die eine moderne IT-Landschaft erfüllen muss. Gerade im Bereich Server hat sich für mittelständische Unternehmen in der jüngsten Vergangenheit viel verändert. Sollten vorhandene Systeme bei der folgenden Aufzählung mehrmals nicht den Ansprüchen genügen, ist eine Neuanschaffung überdenkenswert. Stichwort Green-IT: Aktuelle Geräte sollten mit einem möglichst geringen Energieverbrauch aufwarten. Dieser schlägt sich nicht nur positiv auf die Stromrechnung nieder und schont die Umwelt, er senkt darüber hinaus auch die so genannten Total Cost of Ownership. Zeitgemäße Server sollten außerdem über die Virtualisierungsfunktion verfügen, die eine effizientere Auslastung der Systemressourcen ermöglicht. Dadurch arbeitet ein Rechenzentrum deutlich flexibler, ökonomischer und auch ökologischer. Außerdem neue Betriebssysteme wie Windows Server 2008 sollten auf den Geräten problemlos laufen können.
Zudem sehen wir deutlich, dass die Datenvolumina in allen Unternehmen nach wie vor erheblich wachsen. Um mit dieser Entwicklung Schritt zu halten, ist eine performante, skalierbare und vor allem zukunftssichere Server- und Storage-Hardware Voraussetzung. Neben der Datenspeicherung sollten die Systeme daher auch im Bereich Datenmanagement höchsten Ansprüchen gerecht werden. Ferner müssen die Geräte aktuellen gesetzlichen Vorschriften entsprechen, beispielsweise zur revisionssicheren Archivierung.
ITM: Unter welchen Bedingungen sollte ein Mittelständler dabei auch die neuen Blade-Technologien in Betracht ziehen, die derzeit von vielen Herstellern propagiert werden?
Henkel: Wer sich eine moderne IT-Umgebung anschafft, sollte vor allem auf die Punkte Performance, Wirtschaftlichkeit und Zuverlässigkeit achten. Neuartige Blade-Konzepte sind darauf ideal abgestimmt. Komponenten wie CPUs oder 2,5-Zoll-Festplatten werden möglichst ökonomisch ausgelegt – das gleiche gilt für das Powermanagement, den Platzverbrauch oder das IT-Management.
Ein Beispiel: Moderne Blade-Systeme wie das Modular System von Maxdata erfüllen genau diese Ansprüche. Dieses komplette Datencenter mit eingebauter Virtualisierung ist skalierbar, ausfallsicher und garantiert eine optimale Systemauslastung. Die erstmals garantierte Technologieverfügbarkeit von mindestens zwei Intel-Generationen macht es zu einer besonders zukunftssicheren Lösung.
Uysal: Der vordergründige Vorteil von Blade-Systemen liegt in der kompakten Bauweise und der hohen Leistungsdichte. Hinzu kommen Flexibilität und eine gute horizontale Skalierbarkeit. Im Prinzip greifen Blade-Systeme schon seit langem dem Konsolidierungsgedanken vor, und zwar direkt durch Eliminierung überdimensionierter und zahlreich vorhandener Komponenten wie Verkabelung, Kühlung oder Stromversorgung, die neueren Modular-Server-Systeme bieten darüber hinaus eine Virtualisierung des Storage-Systems. Daher sind Blade-Systeme gerade für mittelständische Unternehmen besonders interessant, wenn es um die Konsolidierung von Serverlandschaften geht, die aus mehreren dedizierten, oft nicht optimal ausgelasteten und heterogenen Systemen besteht.
Wie alles im Leben haben aber auch die Blades Schwächen. So sollte man sich unbedingt vor einer Überdimensionierung schützen. Deshalb raten wir unbedingt zu einer Beratung im Vorfeld des Kaufes - inklusive Bedarfsermittlung und Kapazitätsplanung. In Grenzfällen können einzelne Server durchaus preiswerter sein – und auch ihre Leistungsaufnahme geringer! Das zentrale Management erfordert neue Kenntnisse und wirft auch Sicherheitsfragen auf, die man im Vorfeld feststellen sollte.
ITM: Was ist zu beachten, damit beim Einsatz der neuen Blade-Technologien nicht Probleme bei Energieversorgung und Kühlung die möglichen Einsparpotentiale wieder zunichte machen?
Henkel: Wie angesprochen, gestatten die neuen Blade-Technologien in der Tat erhebliche Möglichkeiten der Energieeinsparung. Allerdings haben in der Vergangenheit sowohl die Versorgung mit Strom als auch die Kühlung ein nicht unerhebliches Risiko dargestellt. Moderne Geräte wie die aus dem Hause Maxdata sind dagegen allerdings gefeit, denn sie können anwenderfreundlich und sicher über einen Standard-Stromanschluss für IT-Infrastrukturen betrieben werden.
Und da unsere Systeme mit optimierter Baudichte gefertigt werden, können wir auch eine ausreichende Kühlung garantieren. Da schließt sich übrigens der Kreis: Wir legen nicht nur Wert auf eine umweltfreundliche Fertigung der Geräte, sondern auch auf deren ressourcenschonenden Betrieb. Das entspricht genau der Idee, die wir als Green-IT bezeichnen.
Uysal: Wir empfehlen einen einfachen Check der Energieaufnahme und der entstehenden und zu entsorgenden Abwärme, auch um die TCO zu ermitteln. Eine Vergleichsrechnung lässt dann schnell erkennen, wie z.B. die gesamten Kosten durch eine Neuanschaffung gesenkt werden können. Da Blade-Systeme an und für sich schon mit Blick auf die Konsolidierung von Infrastruktur und Hardware entwickelt wurden, stellt sich so eine Frage eigentlich nicht. Im allgemeinen wird ein Blade-System weniger Strom verbrauchen bzw. weniger Kühlleistung erfordern als die Gesamtheit der konsolidierten Einzelserver.
Wir ermitteln also erst immer den Bedarf des Kunden, dann nehmen wir diese und setzen sie in Relation zu der maximalen Bestückung eines Blades. Daraus werden dann die Leistungswerte für Energie- und Kühlbedarf errechnet. Das heißt: Wenn die Kosten und Dimensionierungen im Vorfeld klar ermittelt sind, kann man später auch nicht böse überrascht werden.
Titelinterview
mit Dr.-Ing. Eggert de Weldige, Technischer Geschäftsführer der Maschinenfabrik Köppern, und IT-Leiter Andreas Engelbrecht
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